TVB Osttirol lässt in Deutschland nicht locker

Medienaussendung und diplomatisches Lobbying sollen Sonderstatus Osttirols unterstreichen.

Abwarten zählt nicht zu den Stärken von Franz Theurl. Der Obmann des TVB Osttirol reagierte auf die deutsche Reisewarnung bereits im September und setzte alle publizistischen Hebel des Verbands in Bewegung. Mit Teilerfolgen, wie etwa medialen Auftritten unter anderem in der Süddeutschen Zeitung. Dort wurde das Dilemma auch kommentiert.

Im Hintergrund wurden und werden laut Theurl Kontakte zu den diplomatischen Vertretungen geknüpft, allen voran zur österreichischen Botschaft in Berlin. In der deutschen Hauptstadt sitzt auch jenes Institut, dass als oberste medizinische Instanz die Entscheidungen der deutschen Politik maßgeblich beeinflusst: das Robert-Koch-Institut. Geht dort der Daumen runter, dann gehen in den betroffenen Tourismusregionen buchstäblich die Lichter aus.

Franz Theurl: „Auch ich weiß, dass es schwer ist, die deutsche Politik zu beeinflussen. Wir versuchen es trotzdem.“ Foto: Brunner Images

„Deshalb agieren wir strategisch auf zwei Ebenen“, erklärt Franz Theurl. „Zum einen versuchen wir, durch Medienarbeit Stimmung für Osttirol zu machen und ein für alle Mal zu klären, dass wir ein eigener, geografisch völlig abgetrennter Landesteil mit völlig anderen Bedingungen sind. Andererseits bemühen wir uns mit Unterstützung von Gernot Walder – der die Expertise liefert – um den direkten Kontakt zu den medizinischen Experten in Berlin. Sie müssen erkennen, dass nicht nur das Risiko in Osttirol viel niedriger ist, sondern auch die Testkapazitäten und das Tracking wesentlich optimaler sind, als in anderen Teilen des Landes.“

Weil das Interesse im Bezirk enorm ist – wie die Reaktion auf die jüngste Wortmeldung von Hermann Kuenz (ÖVP) zeigt – bringen wir die Medienaussendung des TVBO an deutsche Medien im Wortlaut:


Osttirol wehrt sich gegen deutsche Reisewarnung

Nachdem die deutsche Bundesregierung eine Ausnahmeregel für die beiden österreichischen Enklaven Kleinwalsertal und Jungholz erlassen hat, kämpft Osttirol mit allen Mitteln um eine Aufhebung der Reisewarnung.

Lienz, 09.10.2020 – Seit dem 25. September 2020 gehört das österreichische Bundesland Tirol zu den vom Robert-Koch-Institut (RKI) ausgerufenen Risikogebieten. Damit gilt auch für den Tiroler Bezirk Osttirol eine Reisewarnung der deutschen Bundesregierung. Zu Unrecht, wie Franz Theurl, Obmann ‎vom Tourismusverband Osttirol, betont. Denn „Osttirol weist derzeit gerade mal zwei Infizierte (Stand 09.10.2020) auf – und kein einziges Krankenhausbett ist wegen Corona belegt.“ Politisch gesehen gehört Osttirol zwar zu dem österreichischen Bundesland Tirol, jedoch ist der Bezirk ein geographisches Unikum und durch Südtirol und das Salzburger Land von Nordtirol getrennt und teilt auch keine Hauptverkehrswege mit dem Mutterbundesland.

Verantwortungsbewusste Musterregion

Allein die politische Zugehörigkeit hat im Falle von Covid-19 nichts mit dem realen Infektionsrisiko zu tun. Tatsache ist, dass Osttirol die niedrigste Infektionsrate in Österreich hat und im ganzen Land als Musterregion gilt. Der Tourismusverband Osttirol hat noch vor der Sommersaison eine flächendeckende Testung aller Mitarbeiter*innen in den Hotelbetrieben auf eigene Kosten veranlasst und diese wöchentlich fortgesetzt. Auch im Umgang mit der Pandemie hat Osttirol bewiesen, dass sich die Region verantwortungsbewusst und professionell auf jede Eventualität vorbereitet hat. Beispielsweise hat man innerhalb weniger Stunden auf die auferlegte Reisewarnung reagiert und umgehend flächendeckend kostenlose Testungen für heimreisende Gäste aus Deutschland organisiert.

Tourismusobmann im Kampfmodus

Osttirols Tourismusobmann wird nicht müde, gegen die deutsche Reisewarnung für Osttirol anzukämpfen. Erst recht, nachdem die beiden österreichischen Enklaven Kleinwalsertal und Jungholz von der Reisewarnung ausgenommen wurden. „Das zeigt, dass eine individuelle Einschätzung einzelner Regionen und damit Ausnahmen möglich sind“, so Theurl, der eine ebensolche Ausnahme für Osttirol fordert. Beinahe täglich kontaktiert er die deutsche Botschaft sowie österreichische Institutionen. Politische Vertreter sollen auf die im Falle Osttirols ungerechtfertigte Reisewarnung aufmerksam machen. „Mein Wunsch wäre, dass ein Virologe vom RKI in Osttirol die Lage beurteilen würde. So kann es nicht weitergehen.“

Die Folgen für Osttirol sind fatal, da über 50 Prozent der Gäste aus Deutschland kommen und eine noch nie dagewesene Stornowelle der deutschen Gäste eingesetzt hat. Diese betrifft nicht nur den Spätherbst, sondern ganz besonders auch den bevorstehenden Winter. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Theurl.

Ausblick auf den Winter

Seit Wochen bereitet sich Osttirol mit Präventionsmaßnahmen akribisch auf den bevorstehenden Winter und gegen eine Ausbreitung von Corona-Infektionen in dem Bezirk vor. Die Region setzt seit jeher auf sanften Wintertourismus und punktet mit seinen weitläufigen Naturräumen und ganz viel Platz. „Ob Langlaufen, Skitourengehen, Schneeschuhwandern, Winterwandern oder Familienskilauf – selbstverständlich mit Abstand. Außerdem: Keine Warteschlangen an den Liften, ausreichend Platz auf den Pisten und kein Après-Ski“, verspricht Theurl.


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20 Postings bisher
Majo

Egal wie man zum Franz steht, wenigstens lässt er nichts unversucht, im Gegensatz zu unseren heimischen Politikern ...

Talpa

Das Motto der Lobhudler: Der Zweck heiligt den Franz👼

Talpa

Wenn er jetzt noch demokratisch gewählt worden wäre, wärs a feine Sache.

Chronos

Interessant, Tausendsassa Theurl Franz, setzt sich zu 100% ein. Ein Kämpfer mit vollen Herzen!

Und die gewählten Politiker? Genau das vermisse ich von unseren Politikern, vollen Einsatz. Wäre dies nicht auch ihre Aufgabe? Neben den kritisierten ÖVP´lern Kuenz u. Mayerl, ist Blanik auffällig ruhig. Warum? Kurzes Aufflackern bei NR Hauser (FPÖ) als Tourismussprecher. Ebner (Neos) tut was er kann.

Also übernimmt Franz Theurl auch die Aufgaben der Politik, ohne deren Gage. Bravo Franz!!!

arth

Lieber Senf Es wurde/wird niemand gehindert sich öffentlich/medienwirksam für unser berechtigtes Anliegen zu äussern. Nur da es Herr Theurl ist, passt es den einen oder anderen auch wieder nicht! Er repräsentiert sicherlich die Meinung des ganzen Vorstand in dieser Angelegenheit. Was bei erhöhter Fallzahlen zu tun wäre? Herr Platter wird dann schon zur stelle sein. Ein andere Gedanke ist, was Platter tun würde wenn Osttirol hohe Zahlen hätte und Nordtirol nur 2. Würde er dann auch ganz Tirol so beschränken? Da gibts sicher nur eine Antwort.

Ann_

Viel Mühe für nichts. Es interessiert die Deutscher doch gar nicht ob es hier viel oder wenig 'Positiven' gibt. Ebenso wenig interessiert es OB man testen kann. Viel mehr aber DASS man testen muss. Darauf hat keiner Lust und schon gar nicht für einen Aufenthalt von 2 oder 3 Tagen.

Die einzige Lösung ist eine Ausnahme für Osttirol. Und wenn in Europa nicht dringend écht regional geschaut wird und weiterhin ganze Bundesländer und Provinzen rot geschaltet werden, während es sich eigentlich nur um bestimmte Hotspots oder größere Stadte handelt, dann wird der Winter knallhart! Es mögen dann alle Politiker sich bemühen es nicht Lockdown zu nennen, das Ergebnis wird aber gleich sein!

Markus aus den Hohen Tauern

"Die Krise als Chance" - vielleicht auch für die Zusammenarbeit im Tourismus. Franz Theurl versucht alles, um zu retten was zu retten ist. Glaube nicht, dass das andere Quacksalber mit soviel Engagement und Zähigkeit verfolgen würden. Freue mich, dass im Tourismus endlich zusammengearbeitet und nicht nur gequatscht wird.

W.Steiner

...Jungholz...

W.Steiner

Dem aufmerksamen Leser wird es nicht entgangen sein, dass bereits seit 08.10. die Aufforderung und Lösung gefordert wird, die in diesem Artikel präsentiert wird. Schnell reagiert von FT, mehr aber auch nicht. Agieren sieht für mich anders aus, darüber kann auch der Artikel in der Süddeutschen nicht hinwegtäuschen. Das RKI wäre der richtige Ort für erfolgreiche Intervention gewesen - einfach mal im Walsertal und Hinterholz nachfragen wie das geht...

dacapo

Die Krise macht halt vieles sichtbarer: Während die meisten abtauchen und versuchen ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen, ist seit Beginn der Krise der Franz bald alleine auf weiter Flur. Die anderen kümmern sich um Immobilien, Ernten, Verstecken Spielen etc. und sonstiges, was Spass macht. Nur nicht auffallen. Apropos: Gibt es im Bezirk auch Grüne und Rote, die etwas zu sagen haben, vielleicht sogar im Land, wo ja gerade soviel richtig gemacht wird?

    senf

    @dacapo, es ist nicht die krise, sondern das interne system.

    wer die öffentlichkeitsarbeit im tvb über die letzten jahre beobachtet, oder miterlebt hat, weiss, dass nur franz anschafft, präsentiert und sich gerne im rampenlicht sieht.

    über geschäftliches berichtet nicht die geschäftsführerin, über werbeaktivitäten nicht die marketingleiterin und auch über die infrastruktur haben sachbearbeiter möglichst still zu halten.

    ich finde das management daher altmodische und nicht mitarbeitermotivierend. ganz im gegenteil, wenn man in einen tvb-infobüro kritische fragen zu aktuellem stellt, hat man vielfach den eindruck, man ist im hühnerstall, alle sind aufgescheucht.

    franz sichert sich mit der maulkorbmethode überall wissensvorsprung, strahlt damit als tausendsassa im "einzelunternehmen" und koppelt seine öffentlichkeitsaktivitäten an diverse vereinsfunktionen wie langlauf oder radsport.

    wenn der obmann nun meint, unter den gegebenen covid-rahmenbedingungen am tourismusmarkt in den herkunftsländern verstärkt werbung zu betreiben und den bezirk lienz mit seiner aktuellen fallzahl mit unmengen an werbegeld hervorhebt, so macht er auch das im alleingang.

    wie wird er reagieren, wenn - wie hier im forum schon mehrmals angedeutet - die fallzahlen im bezirk von heute auf morgen kippen?

      Chronos

      senf, den 100%Einsatz, welchen Franz Theurl hat, musst selbst du dir eingestehen! Das ist schon mehr als die halbe Miete. Die anderen (aus der Politik) arbeiten dagegen oder befinden sich in Deckung!

      Wir werden früh genug hohe Covid-Fallzahlen auch in Osttirol bekommen, dann muss sowieso sofort reagiert werden. Aber bis dahin müssen wir, unter Beachtung der 3 wichtigen Regeln, einigermaßen „normal“ leben können und dürfen.

      senf

      heute, freitag 16.10:

      bezirk lienz 23 Fälle (vor 5 tagen 2 fälle) bezirk Kitzbühel 19 fälle bezirk reutte 15 fälle

      tendenz steigend. leider!

      senf

      chronos, und jetzt?

      heute 25. Oktober 2020 - Bezirk Lienz 71 Fälle

      tendenz steigend, leider!

      Chronos

      Ja, senf - "wir werden früh genug hohe Covid19-Fälle haben" - hab ich geschrieben! Alleine auf die Disziplin an die Menschen zu appellieren reicht bei vielen, aber bei wenigen eben nicht. Und das ist das Gefährliche, die wenigen, welche sich nicht daranhalten, lassen die Zahlen steigen und stecken auch andere im Familienverband an. Wenn sich ALLE Menschen an die Regen halten würden, dann würden auch die Zahlen zurückgehen.

      senf

      chronos: "osttirol wehrt sich gegen deutsche reisewarnung" und FT behauptete oben sogar: „Zum einen versuchen wir, durch Medienarbeit Stimmung für Osttirol zu machen und ein für alle Mal zu klären, dass wir ein eigener, geografisch völlig abgetrennter Landesteil mit völlig anderen Bedingungen sind"

      diese argumentation ist einfach schwachsinn und ist mit nichts zu begründen, wie es sich ja nun bestätigt hat. wir sind nicht das extrastüberl der welt und werden es auch nicht werden!

      das hat von mir auch nichts mit parteigeplänkel zu tun!

Martin Gratz

Wir Osttiroler können die aktuelle durch Corona bedingte schwierige Situation im Tourismus nur meistern, wenn wir gemeinsam und geschlossen auftreten. Alle Maßnahmen seit Beginn der Krise werden im TVB Vorstand besprochen und abgestimmt. Franz genießt in dieser Frage mein volles Vertrauen und die notwendige Unterstützung. Wir können nur hoffen, dass unser gemeinsames Vorgehen und alle Anstrengungen die unternommen werden schlussendlich auch erfolgreich sind.

Der Graukofler

Wenn alles so stimmt, wie es Bericht dargestellt wird, muss ich Franz Theurl ein Lob aussprechen und ihn ermutigen, so weiterzumachen. Alle Möglichkeiten auszunutzen, um auf die Sonderstellung Osttirols hinzuweisen. Eine Reisewarnung für Tirol (Osttirol) mit der von Deutschland angedachten fünftägigen Quarantäne, wäre der Todesstoß für viele Osttiroler Betriebe.

hubert

bravo franz, so stell ich mir eine standesvertretung vor, alles probieren, was nur möglich ist, da können sich die osttiroler politker eine große scheibe runterschneiden.

    sw

    stimmt! besonders die mitschwimmer kuenz, mayerl und co. - sobald es probleme gibt gehen diese auf tauchstation genau wie auch herr gratz! man kann nur für den tvb hoffen dass theurl diesem noch lange erhalten bleibt.