Alle 300 „Dolomitengänse“ landeten auf dem Teller

Gastronomen, Hoteliers und Private kauften die nachhaltig aufgezogenen Weidegänse.

Noch vor dem Martinstag am 11. November muss die Gastronomie in Österreich ab heute, Dienstag, schließen. Da drängt sich in Osttirol auch die Frage nach dem Schicksal der rund 300 Martinigänse auf, die über den Sommer von Florian Kuenz (Oberbacherhof, Lavant), Johannes Kuenz (Kuenzhof, Dölsach) und Klemens Kreuzer (Simeterhof, Lavant) in Lavant nachhaltig aufgezogen wurden. Eigentlich sollten viele der Tiere am Martinstag in Osttiroler Gasthäusern und Hotels serviert werden.

„Corona hat uns da ein wenig dazwischengefunkt, doch auch das war kein Problem“, erklärt Florian Kuenz. Das Federvieh wurde schon vorab an zwei Terminen geschlachtet und dann von den Käufern abgeholt. Viele Gänse landeten trotz des anstehenden Corona-Lockdowns noch in der heimischen Gastronomie: „Das Golfhotel hat beispielsweise viele Gänse gekauft und sie einfach vor dem Martinstag zubereitet und den Gästen serviert. Auch viele Private haben sich eine Dolomitengans geholt. Wir haben allen Käufern Rezepte und Tipps für die Zubereitung mitgegeben.“

300 „Dolomitengänse“ verbrachten den Sommer in einer Stallung und auf einer Weide in Lavant. Foto: Dolomitenstadt/Wagner

Mittlerweile sind alle Dolomitengänse von der Weide in Lavant verschwunden. Schon im kommenden Sommer sollen wieder hunderte schnatternde Junggänse die Grünflächen am Fuße der Unholden bevölkern. „Es gibt bereits eine Warteliste, weil sich schon Käufer für 2021 gemeldet haben. Wir haben in diesem ersten Jahr sehr viel gelernt“, so Kuenz. Ihm und seinen Mitstreitern sei es wichtig, weiterhin nachhaltig aufgezogene „Dolomitengänse“ anzubieten.

Rund um den Martinstag werden alleine in Österreich jedes Jahr über 250.000 Gänse verspeist. Über 75 Prozent davon stammen Schätzungen zufolge aus dem Ausland, vorwiegend aus Ungarn und Polen. Im Jahr 2019 wurden laut „Vier Pfoten“ 1.848 Tonnen Gänsefleisch importiert. Der Selbstversorgungsgrad betrage lediglich 26 Prozent.

Deshalb pocht das Tierschutzvolksbegehren hierzulande auf eine Herkunfts-Kennzeichnung in der Gastronomie. Die Initiatoren um Sebastian Bohrn Mena kritisieren, dass etwa in Ungarn „die bei uns längst verbotenen Qualpraktiken der Stopfmast und des Lebendrupfs weiter ungeniert angewandt werden. Die Produkte dieser Tierquälerei landen dann um drei Euro pro Kilo im Supermarktregal, im Großhandel werden ungarische Gänse teilweise sogar als ‚Einkaufsbonus‘ verschenkt. Unfreiwillig unterstützen Konsumenten daher die ausländische Massentierhaltung mit ihrem Festessen.“

Zwar sei es aus Tierschutzsicht am besten, auf die Martinigans zu verzichten – wenn es jedoch ein Gansl sein muss, empfiehlt auch „Vier Pfoten“ eine „Österreichische Weidegans, bei der die Tiere im Vergleich sehr gut gehalten werden.“

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3 Postings bisher
Tierwohl

Immer diese Neider wenns um Fördermittel geht. Die Fördermittel stehn jedem zu kann ja auch jeder mal probiern denn von nichts kommt nichts. Kann man nicht einmal zu einer so großartigen u. innovativen Idee von 3 jungen Familien gratulieren und sich freuen dass wir nun die Möglichkeit haben ein regionales Martinigansl zu essen. Ich habe es schon genossen und es schmeckt wunderbar. Ich kann nur sagen: Macht so weiter !!! denn wer Erfolg hat wird immer Neider haben

    senf

    @tierwohl: was ist den bitte an der haltung von gänsen wirklich innovativ? die gössel`s hat man aus niederösterreichangekauft, in lavant mit zutaten aus dem lagerhaus grossgefüttert, geschlachtet und verkauft. mehr nicht.

    oder was ist denn bitte nach dem ankauf und aufzucht an diesen gänsen nachhaltig? der stall ist leer, hunderte neue gössel für 2021 stehen auf der bestelliste beim nö-zuchtbetrieb.

    (für die, die es nicht wissen: der begriff "nachhaltig" stammt aus dem kk-forstgesetz, damit ist gemeint, dass immer nur so viel bäume dem wald entnommen werden, wie periodisch wieder nachwachsen).

    also, was unterscheidet denn eine dolomitengans von ihren artgenossen? kalkgeschmack ...?

    he leut, hört doch endlich auf, die kunden für deppert zu halten und bleibts

    "bei meiner ehr!"

    (die idee der gänsehaltung hier in der region finde ich trotzdem mutig und gelungen, vielleicht wird noch ein zuchtbetrieb für echte (?) dolomitengänse daraus)

anton2009

Alle verkauft, sicher ein gutes Geschäft das obendrein noch mit Fördermitteln unterstützt wurde! Vielleicht kann man im kommenden Jahr auf Fördermittel verzichten!