„Tief ist der Brunnen der Vergangenheit.“ 

Malcolm Sylvers und Reinhold Wieser lesen aus „Joseph und seine Brüder“ von Thomas Mann.

Paul Thomas Mann wurde 1875 als Sohn eines Lübecker Kaufmannes und einer brasilianischstämmigen Mutter geboren. Er hatte zwei Schwestern und zwei Brüder. Finanziell unabhängig, bezeichnete Thomas Mann seine Kindheit als „gehegt und glücklich“. 1929 wurde ihm für seinen Roman „Die Buddenbrooks“, den er im italienischen Palestrina schrieb, der Nobelpreis für Literatur verliehen. In Italien entstand auch die einzige verschriftlichte Zusammenarbeit mit seinem ebenfalls erfolgreichen Bruder, Heinrich Mann. „Das Bilderbuch für artige Kinder“ war ein Kunstgedichteband der beiden Brüder mit eigenen Illustrationen. Es ist leider bis heute verschollen.

Thomas Mann gilt als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller. Die Tetralogie „Joseph und seine Brüder“, veröffentlicht zwischen 1933 und 1943, ist sein umfangreichstes Romanwerk.

Thomas Mann. Foto: Wikicommons/Bundesarchiv-Berlin

Mit den Worten: „Tief ist der Brunnen der Vergangenheit“ beginnt das als „Höllenfahrt“ überschriebene Vorspiel der Tetralogie. Der Handlung zugrunde liegt die alttestamentarische Geschichte von Jakob und seinen Söhnen. Vor allem geht es um den „ausgesonderten“ Joseph der ins Exil nach Ägypten vertrieben wird, dort in Haft gerät und in eine völlig fremde Welt eintaucht. Er beginnt die Träume des Pharao zu deuten und steigt zum Spitzenpolitiker auf. Letztlich trifft er seine Brüder wieder und holt die Familie nach Ägypten.

Thomas Mann erzählt aber nicht einfach eine Bibelgeschichte. Er taucht in sie ein, formt sie um, deutet sie, macht das mythische dieser Geschichte zu einem Familienepos das alle Stückchen spielt. Der Autor betritt mit diesem Roman ein sehr rutschiges Parkett, handelt das knapp 2000 Seiten starke Werk im Grunde doch von der Entstehung einer „völlig neuen Religion“ und einer „Revolution der menschlichen Verhältnisse“. Gemeint ist damit der von Jakob, dem Vater, herbeiphilosophierte Gott außerhalb der bisher bekannten Welt und der damit zwingend einhergehende jüdische Monotheismus.


Die Lesereihe „Tiefe Gefühle“ wird vom Literaturkreis der Stadtbücherei Lienz realisiert, dessen Mitglieder die Texte ausgewählt und selbst eingelesen haben. Ursprünglich waren adventliche Lesungen in der Bücherei geplant, die aber der Pandemie zum Opfer fielen. 

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nervensaege

vielen vielen dank für die wunderschön vorgetragene episode aus einem grossartigen werk meines lieblingsschriftstellers und dichters!