Wie lebte man einst auf Burg Heinfels?

Wissenswertes erzählt, verfilmt und vertont. Kapitel 2 unserer Kurzserie.

Wer täglich dolomitenstadt.at liest wird den Auftakt zu unserer kurzen Serie über Burg Heinfels schon kennen. Alle für den Sommer geplanten Feierlichkeiten zur Eröffnung der spektakulär renovierten Burg fielen der Pandemie zum Opfer. Doch die Eigentümer, der Museumsverein und die Musikkapelle Heinfels ließen sich dadurch in ihrem kreativen Tatendrang nicht stoppen.

Auf verschiedenen Ebenen bereiteten sie die Geschichte, aber auch die Geschichten der Burg ebenso informativ wie unterhaltsam auf. Wir bringen dazu kleine Kostproben, die Lust auf einen realen und auf einen musikalischen Rundgang machen sollen. Gestern ging es um die Hunnen. Heute steht der Alltag auf der mittelalterlichen Burg im Mittelpunkt. Eine kleine Einführung dazu gibt uns Monika Reindl-Sint:

Burg Heinfels war nicht nur der Verwaltungssitz der großen Herrschaft Heinfels, sondern auch ein Haushalt in dem gekocht wurde, Wannenbäder wurden bereitet und es fanden Unterhaltungen statt. Die Burg war der ständige Hauptwohnsitz des landesfürstlichen Verwalters, des Pflegers, und seiner Familie. Auch die Görzer Grafen und Gräfinnen selbst hielten sich häufig auf Burg Heinfels auf. Eine Sondersituation waren die Jahre 1460-62 als Heinfels der Hauptwohnsitz der jungen Grafenbrüder Johann und Leonhard von Görz war. In einem Krieg gegen die Habsburger in Kärnten hatten sie ihre Residenz Schloss Bruck in Lienz verloren.

Die maximale Anzahl an Personen, die ständig oder fallweise auf Burg Heinfels lebten, kann nur grob mit rund 40 Personen geschätzt werden. Ein Verzeichnis von 1440 zählt in dreizehn Räumen 47 Betten auf. Zum Beispiel werden „im Zimmer meiner gnädigen Frau“, gemeint ist wohl das „Frauenzimmer“ der Gräfin von Görz, sieben Betten angeführt. Darunter waren drei moderne Spannbetten, daher Betten mit einem Lattenrost in Form gespannter Stricke. In der Wächterkammer werden zwei Betten aufgelistet oder in der „Dirn-Kammer“ ein Bett mit zwei „bösen“ also schlechten Decken.

Besonders gut sind die Aufenthalte auf Burg Heinfels für Graf Heinrich IV. (1376-1454) von Görz belegt, weil sich zahlreiche Aufträge und Quittungen für Lebensmittel erhalten haben. 1448 ließ sich Heinrich IV. zum Beispiel frische Fische, Bier und Semmel schicken. Die gräfliche Hofhaltung wurde hauptsächlich über die abgabepflichtigen Höfe und deren Naturalzinse versorgt, die zum großen Teil in Lienz und Heinfels zusammenflossen. In Lienz war Getreide und in Heinfels Käse reichlicher vorhanden. Deshalb wurde wiederholt Getreide nach Heinfels geschickt und Käse bis von den höchsten Bergbauernhöfen, den Schwaighöfen, Richtung Lienz.

Die Görzer Brüder Johann und Leonhard hatten Schloss Bruck, die Stadt Lienz sowie alle Herrschaften östlich der Lienzer Klause im vernichtenden Friedensvertrag von Pusarnitz am 25. Jänner 1460 an die Habsburger abtreten müssen. Auf Burg Heinfels schmiedeten die beiden Grafenbrüder und ihre Räte ihren listigen Plan zur Rückeroberung von Lienz und Schloss Bruck. Trotzdem fanden die Brüder Zeit für die Jagd. Sie ließen sich gemeinsam mit ihren Jägern und Dienern wiederholt bei Hans Wassermann in Sexten verpflegen.

Musik erschallte schon im Mittelalter auf Burg Heinfels. Sogenannte „Hofpfeifer“ spielten beim Mahl und zum Tanz auf. Foto: MK Heinfels

Für den Junggesellenhaushalt auf Burg Heinfels kann der übliche Personalstand von rund 20 Personen angenommen werden. Zum Standard am Görzer Hof gehörte ein Kastner, zuständig für die Korn- und Vorratskästen, ein Küchenmeister, ein Zehrgadner, der Vorstand der fürstlichen Speisekammer, der auch Kellner war, ein Zuschroter, daher ein Metzger, ein Marstaller, der Aufseher über den Pferdestall, ein Futtermeister, Wagenknechte, ein Seidennatter, also ein Schneider für feinere Kleider, ein Hufschmied, ein Büchsenschmied, ein Büchsenmeister, ein Käsemeister, ein Hofschuster, Ofenheizer, gräfliche Jäger und Fischer sowie Hirten.

Nachweislich spielte der Görzer Hofpfeifer Hans mit dem originellen Zunamen Guetentrunk auf Burg Heinfels seine Musikstücke auf. Mit Pfeifen sind Blasinstrumente gemeint. Hofpfeifer waren am Hof für die Unterhaltung zuständig, sie mussten sowohl beim Mahl als auch zum Tanze aufspielen. Oft spielten Hofpfeifer die Einhandflöte, die ihnen gleichzeitig das Spiel mit der Trommel erlaubte. Dadurch entstand eine komplette Tanzmusik aus Melodie und Rhythmus.

Der Hofpfeifer mit Dudelsack und sein Begleiter mit der Schalmei, dargestellt im Turm der Burg. Foto: Burgverein

Im Rundturm wurde eine entzückende Rötelzeichnung aus dem 16. Jahrhundert entdeckt, die einen Dudelsack- und einen Schalmeispieler zeigt. Beide Musiker tragen eine Haube mit Eselsohren, daher die typische Narrenkappe. Vielleicht erinnerte sich ein gelangweilter Burgwache an fröhlichere Stunden auf Burg Heinfels, als er mit einem Rötelstift die beiden Musikanten hinkritzelte. Handzeichnungen von Laien (Graffiti) tauchen seit dem 16. Jahrhundert vermehrt auf.


Wie bereits erwähnt, wurden die einzelnen Kapitel der Burg Heinfels-Geschichte vertont. Hansjörg Mutschlechner aus Welsberg komponierte die „Burg Heinfels Suite“, die von der Musikkapelle Heinfels gemeinsam mit anderen Werken eingespielt wurde und als CD erhältlich ist. Das musikalische Kapitel dieser Burg Heinfels Suite trägt den Titel: „Choral – festliche Hofmusik“. Das Stück verbindet die religiöse und die profane Welt des Mittelalters. Es beginnt mit einem innigen Choral, und leitet auf eine festliche Musik über, die das höfische Leben zum Ausdruck bringt. Auf der Website der Kapelle kann man die CD bestellen.

Fortsetzung folgt.

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