Wie leben wir weiter, wenn das Liebste verloren ist?

Ernst Gattol liest aus dem Roman “Apeirogon“ von Colum McCann.

Colum McCann ist ein irischer Schriftsteller, Journalist und Drehbuchautor, geboren 1965 in Dublin. Sein bekanntestes Werk ist wohl „Der Tänzer“, ein fiktiv-biographischer Roman über Rudolf Nurejew. McCanns Stil ist eine Mischung aus Fiktion und Realität. Er hat das Talent, reale Geschichten so lange auszuleuchten bis sie – immer noch teils biographisch – in einer wunderschönen, fiktiven Erzählung aufgehen und berühren, uns neue Ansichten und Herangehensweisen lehren und dem Leser die Augen öffnen für den tiefen Respekt des Autors vor den Facetten des Lebens. Für seine Romane und Erzählungen erhielt McCann zahlreiche Literaturpreise, unter anderem den Hennessy Award und den Rooney Prize for Irish Literature.

Colum McCann. Foto: Dustin Aksland

Über das Buch: 2015 traf Colum McCann auf einer Reise den Israeli Rami Elhanan und den Palästinenser Bassam Aramin. Beide hatten sie im Nahostkonflikt ihre Töchter verloren und waren seit Jahren gemeinsam unterwegs, um ihre Geschichten zu erzählen.

Smadar, die mit 13 einem Selbstmordattentat zum Opfer fiel und Abir, die mit zehn Jahren von einem Gummigeschoß getötet wurde, das sie am Hinterkopf traf. Von diesen beiden Mädchen handelt der Roman. Und von ihren Vätern, Familien, Geschichten. Das Leben von Rami und Bassam ist zugleich vollkommen symmetrisch und asymmetrisch. Dennoch sind sie Freunde und Collum McCann hat ihnen ein Denkmal gebaut, inmitten seines Romans ihre Geschichte eingerahmt, das Unbeschreibliche greifbar, erfahrbar und erzählbar gemacht. Als letzte Frage bleibt: Wie leben wir weiter, wenn das Liebste verloren ist? Und: Wie kann der Mensch Frieden finden? Mit sich selbst, mit anderen.


Die Lesereihe „Tiefe Gefühle“ wird vom Literaturkreis der Stadtbücherei Lienz realisiert, dessen Mitglieder die Texte ausgewählt und selbst eingelesen haben. Ursprünglich waren adventliche Lesungen in der Bücherei geplant, die aber der Pandemie zum Opfer fielen. 

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