Schadet Winterfütterung mehr als sie hilft?

Eine andere Sichtweise des Themas, die allerdings nicht gerne gehört wird.

Jäger, die sich gegen eine Fütterung von Wildtieren aussprechen als „schwarze Schafe“ zu bezeichnen, finde ich falsch! Aus wildökologischer Sicht erhöht die Winterfütterung das Risiko für Tierseuchen. Krankheiten wie Tuberkulose können sich bei Ansammlungen an Futterstellen schneller ausbreiten. Die Fütterung führt bei den Tieren zu Stress in Form von sozialen Auseinandersetzungen, vor allem rangniedere Tiere sind davon betroffen.

Durch fachlich schlecht durchgeführte Winterfütterungen werden Verbissschäden in Wäldern verstärkt. Der Stoffwechsel, Puls, und Kreislauf von Reh-und Rotwild senkt sich im Winter. Durch nicht geeignete Futtermittel wird dieser natürliche Energiesparmodus gestört. Kurz um, eine Winterfütterung schadet meist mehr, als sie hilft. Wie schon oft erwähnt, sind Ruhezonen der wichtigste Aspekt für den Schutz unserer Wildtiere im Winter. Dafür setzen sich Jäger seit vielen Jahren mit viel Engagement ein.

Die Bundesforste (Österreich) oder auch der Kanton Graubünden (Schweiz) praktizieren schon seit einiger Zeit einen „fütterungsfreien“ Winter. „Das Verbot ist aus wildbiologischer Sicht das einzig sinnvolle Vorgehen,“ so Adrian Arquint (Amt für Jagd und Fischerei, Karton Graubünden). Die Begründung dafür liefert ein sehr informatives Video der Kampagne, Stop Wildtierfütterung. Besonders die Verantwortlichen in Graubünden haben das dortige Verbot der Wildfütterung medial sehr gut begleitet. Eine aufklärende Öffentlichkeitsarbeit hat zu einem breiten Verständnis in der Bevölkerung geführt.

Ja, schwache Tiere werden den Winter ohne Fütterung nicht überstehen. Aber unser „romantisierter“ Blick auf die Natur lässt uns oft vergessen, dass der Tod und das Leben sich gegenseitig bedingen. Für zwei Vorzeigearten des Nationalparks Hohe Tauern – Bartgeier und Steinadler – ist totes Schalenwild sehr wichtig.

Bei „Extrem-Schneefällen“ wie diesen Winter kann man eine Fütterung in Erwägung ziehen. Jedoch ist eine fachliche Diskussion wichtig und richtig.

Tiere, die in Osttirol wirklich „Hilfe“ benötigen würden, können durch eine Fütterung leider nicht mehr unterstützt werden. Sie haben ihren Lebensraum in Osttirol fast vollkommen verloren. Ein seltener Molch, welcher nur mehr in einem einzigen Teich vorkommt… Ein Käfer, der derzeit nur noch in einem einzigen Baum in Osttirol zu finden ist… Eine Libelle, welche auf einen einzigen kleinen Tümpel angewiesen ist… Ein …


Simon Legniti studiert Naturschutz und Biodiversitätsmanagement. Er ist den regelmäßigen Leserinnen und Lesern von dolomitenstadt.at auch durch seine Serie über Osttirols Naturdenkmäler bekannt.

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12 Postings bisher
Septep

Lieber Herr Legniti, Wie lautet dann ihre Lösung???

Kritisieren kann jeder...das Thema ist schon alt und wird auch unter Jäger und Forstkreisen sehr heftig diskutiert, seit Jahrzehnten! Über dieses Thema traut sich scheinbar niemand drüber. Die Tiere einfach (nur mit Heu) zu füttern ist immer noch die "einfachste" Lösung...Jäger machens in ihrer Freizeit und zahlen das Heu aus eigener Tasche.

Wenn Fütterungsverbot dann als Ausgleich mit Wildruhezonen wo die Tiere in RUHE überwintern können? Aber wer soll das kontrollieren? Wer straft bei Verstößen, wenn die Zonen betreten werden? Wer bezahlt die Wildschäden an Bäumen, falls dann trotzdem noch verbissen wird?

Bisher macht noch alles der Jäger (und der ZAHLT dem Grundbesitzer viele Euros Jagdpacht dafür) wenn das alles das Land oder andere übernehmen müssen wirds TEUER für den Steuerzahler. Bin gespannt wie lange sich die Jäger das alles noch antun...

P. S. Es gibt viele Jäger die sich auch um nicht jagdbare Wildarten und auch um geschützte und seltene Pflanzen kümmern.

BerglerAT

An den angehenden Theoretiker und die, die es noch werden wollen: Die Forstwirtschaft will mit allen Mitteln die Schalenwildbestände zumindest halbieren. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde vor ca. 15 Jahren in den renommierten Wildtierinstituten in Wien und in München mit Unterstützung der Forst u.a. das Fütterungsverbot geplant. Die Absicht dabei ist, Wildtiere bewusst verhungern zu lassen! Schlussendlich wurde dies länderübergreifend an der Alpenkonvention beschlossen und z.B. 2017 im Kanton Graubünden und nachher in der gesamten Schweiz eingeführt. Es wurden „Stopp Fütterung“ - Kampagnen finanziert unter dem Motto „die Natur soll es richten“! Fantasievorstellungen wie „die Aasfresser benötigen dringend Futter“ kursierten damals ebenso, wie heute. Viele, die diesen Renaturierungswahn teilen vergessen gerne, dass wir in einer Kultur- und nicht Naturlandschaft leben. Auch nach mehrjährigen negativen Erfahrungen ohne Winterfütterung glauben die Verantwortlichen leider immer noch, dass sie das Richtige für die Tiere und die Natur tun. Fazit: Manchmal braucht es eine Generation bis der Verstand wieder nach Hause findet.

    le corbusier

    Ein kleines Gedankenexperiment: stellen wir uns vor, ein Wolfsrudel hätte sich dauerhaft in Osttirol angesiedelt. Um den Fortbestand dieses Rudels zu sichern, werden mit dem Hubschrauber Schaf-Kadaver abgeworfen.

    Wie würden die Kommentare zu diesem Artikel wohl klingen?

      senf

      wenn man dann die wildfütterung einstellt, dann würde sich der wwf die sinnteuren helitransporte für das wolfsrudel ersparen, wär meine schlussfolgerung (auch wenn die jägerschaft daraus viele widersprüche ableitet) 😋

      Biker

      Wenn ein Wolfsrudel da ist dann braucht man keine Schafskadaver abwerfen. Sofern Schafe auf den Almen sind sorgen die Wölfe selbst für die Kadaver. Wenn keine Schafe da sind dann sucht sich das Rudel ein anderes Revier wo genügend ungeschütztes Futter ist!

isnitwahr

Herr Legniti! Soll man bei Verhältnissen wie diesen eine Art nicht unterstützen, weil andere nicht unterstützt werden, von wem auch immer? Haben Sie jemals ein Tier gesehen, das dem Hungertod nahe ist und sind dann einfach weitergegangen? Ich habe das schon gesehen und ich konnte NICHT weitergehen. Ich bin auf keinen Fall der Meinung, dass das ein romantisierter Blick ist. Ein Tier elendiglich verhungern zu lassen, obwohl man helfen kann, empfinde ich als absolut unmoralisch. Es gibt trotz der Fütterungen eine Menge Wild, welche diesen Winter nicht überlebt und als Futter für Fleischfresser dient. Ansonsten würden diese Fleischfresser wohl während schneefreier oder schneearmer Winter verhungern. Ich füttere auch die Vögel im Winter, obwohl es nicht allen Vögeln hilft, aber ich hatte schon Vögel an den Futterstellen, die ich das ganze Jahr sonst im Garten nie zu Gesicht bekommen habe. Ich sorge für Bienen- und schmetterlingsfreundliche Stauden, lasse Totholz und Laubhaufen liegen und und und. natürlich müssen wir Molche, Libellen und anderes Getier schützen und erhalten, das ist für unsere Artenvielfalt essentiell und dürfte eigentlich keiner Diskussion bedürfen. Aber das Wild in einem Winter wie diesem elendiglich verhungern zu lassen ändert auch nichts an der Situation der anderen schützenswerten Tiere. Trotzdem danke für das interessante Statement.

Gregor Samsa

Zuerst einmal ein Danke für die Beleuchtung von der anderen Seite!

Beim Link dürfte sich ans Ende eine Klammer verirrt haben, der ihn unbrauchbar macht. Falls wer Interesse hat, hier der richtige Link: https://stop-fuetterung.ch

    Gerhard Pirkner

    Danke für den Hinweis. Hab den Link korrigiert.

      isnitwahr

      stimme nicht zu? jetzt wird langsam lächerlich.

      isnitwahr

      so wie es ausschaut, wurde die stimme nicht zu Stimme wieder rückgängig gemacht. Danke

      senf

      @isnitwahr: bei nichtzustimmung gehts manchen nicht um den inhalt des post sondern um den nic. i finds trotzdem lustig, wenn sich jemand daran erfreuen kann.

      mann kann sich aber auch selber loben, des ischwahr 😋

r.ingruber

Ein Sonntag für alternative Berichterstattung: Wenn eine Differenzierung der Standpunkte (die man sonst gerne der Diskussion in den Foren anheimstellt, wo sie dann meist in kruder Schwarzweißmalerei dem Mainstream seine holzschnittartigen Konturen verleiht) es in den Rang eines fundierten und ernstzunehmenden Beitrages schafft, kann es der eigenen Meinungsbildung nur guttun. Auch in Bezug auf unser derzeitiges Lieblingsthema.