Nachzahlung für Loacker-Nachtschichtler

Prüfungsergebnis der Gesundheitskasse liegt vor. Streit über Höhe des Betrages.

Ende 2020 schoss sich die Tiroler Arbeiterkammer auf den Waffelhersteller Loacker mit Sitz in Heinfels ein. Die AK um Präsident Erwin Zangerl sah „ein Drama der besonderen Art in Osttirol“. Loacker habe seinen Beschäftigten seit 20 Jahren für die Nachtschicht nur 30 Prozent Zuschlag überwiesen, statt der laut Kollektivvertrag geltenden 50 Prozent.

„Das Unternehmen bereicherte sich seit Jahren auf Kosten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die AK hat deswegen Anzeige wegen Lohn- und Sozialdumpings gegen das Unternehmen Loacker eingebracht. Jetzt liegt das Prüfungsergebnis der Österreichischen Gesundheitskasse vor, knapp 750.000 Euro mussten an die Beschäftigten nachgezahlt werden“, teilt Zangerl nach mehrwöchigem Disput mit dem Unternehmen heute, Dienstag, in einer Presseaussendung mit. Offen seien allerdings noch die Verzugszinsen, die die AK auf gerichtlichem Weg geltend machen will.

Nach einer Prüfung der ÖGK muss Loacker laut Geschäftsleiter Frank Hess Nachzahlungen von „etwas über 320.000 Euro“ leisten. Foto: Dolomitenstadt/Wagner

Die Geschäftsführung des Waffelherstellers weist heute, wie schon im November 2020, die Anschuldigungen scharf zurück. „Gesetzeskonformes Verhalten hat bei uns absolute Priorität. Es ist und war nie unsere Absicht, unseren Mitarbeitern berechtigte Ansprüche vorzuenthalten. Richtig ist, dass wir trotz vorliegender Formfehler des Betriebsrates die Differenz bei den Nachtschichtzuschlägen freiwillig über das rechtlich verpflichtende Maß nachgezahlt haben und auch die aus der ÖGK-Prüfung resultierenden Ansprüche sofort und vollständig erfüllt haben“, betont Geschäftsleiter Frank Hess. Den von der AK vorgebrachten Betrag kann man beim Waffelhersteller aber nicht nachvollziehen: „Die Nachzahlungen aus der Prüfung lagen bei etwas über 320.000 Euro.“

Für Zangerl ist hingegen nach wie vor unklar, „warum der Südtiroler Eigentümer, dem die arbeitsrechtlichen Probleme im Betrieb bekannt waren, diesen Umgang der Geschäftsführung mit den Beschäftigten duldete. Wir haben mehrmals das Gespräch gesucht, sowohl schriftlich, als auch telefonisch, wurden jedoch immer abgeblockt.“ Nachdem Gespräche und eine einvernehmliche Lösung laut AK abgelehnt wurden, habe man sich auch veranlasst gesehen, Anzeige zu erstatten.

Auch diesen Vorwurf kontert Hess: „Bei mir persönlich hat sich Herr Zangerl noch nie gemeldet und auch beim Mutterunternehmen hat es außer einem Anschuldigungsschreiben aus dem Dezember 2019 nie eine Gesprächsanfrage gegeben. Die einzige Leistung, die die AK wirklich für sich in Anspruch nehmen kann ist, dass sie unseren Betriebsrat auf unsere Fehlinterpretation des KV aufmerksam gemacht hat, wofür auch wir ihr dankbar sind.“ Der Geschäftsleiter geht davon aus, dass durch die vollständige Nachzahlung der Ansprüche die Altlast endgültig aufgearbeitet ist und man sich beim Waffelhersteller wieder den „drängenden aktuellen und zukünftigen Herausforderungen widmen kann.“

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7 Postings bisher
Zahlen-lügen-nicht..

Ich kann mir nicht vorstellen das sich die Firma Loacker, wie die AK schreibt, bereichern wollte. Denn 320 000 Euro ist für diese Firma nur Taschengeld, deswegen werden Sie sich nicht die Finger schmutzig machen.

genaugenommen

was jetzt, 320000 oder 750000 , wer lügt?

irina

Wie weit zurück wurde denn nachgezahlt? 3 Jahre? Ist der Rest verjährt?

dobui

Wäre es bloß Sebastian Kurz gelungen, die Kammern auszubluten... FREUNDSCHAFT!

    Ismile

    Wenn man xsich nicht auskennt, wäre es besser kein Kommentar zu..... 🤦🏻‍♀️

      unholdenbank

      Ja, genau @Ismile, wenn man XSICH nicht auskennt......................

    Muehle

    ...dann würden die Arbeiter auf ihren Ansprüchen sitzen bleiben, oder was wollen Sie damit sagen?