Schnee und Corona belasten das Tierheim in Lienz

Großer Reparaturaufwand und weniger Spenden. Aber sehr viele Tiere wurden vermittelt. Video. 

Soziale Vereine in Osttirol haben es momentan nicht leicht. Dem Tierheim Osttirol in der Pfister in Lienz geht es nicht anders. Dolomitenstadt.at war für einen Lokalaugenschein unterwegs. Gut versteckt liegt das Quartier für Vierbeiner am Rande von Lienz, direkt an der Isel. Die Gegend ist idyllisch – sieht man einmal von der B 108 ab, die am gegenüberliegenden Flussufer entlangläuft. Das Grundstück des Tierheimes am Hang des Schlossberges ist auch zu Mittag noch teilweise schattig, als wir mit Kamera, Stativ und FFP2-Maske anrücken. Schloss Bruck überblickt die Szenerie.

Das Erste was auffällt ist der Schnee. Während in weiten Teilen der Stadt und auch auf den Feldern in der Umgebung – mal mehr oder weniger natürlich – langsam, aber sicher das Grün der Wiese unter der weißen Decke herausblitzt, ist vor dem Tierheim davon noch nicht viel zu sehen. Hier liegt noch rund ein Meter Schnee. Nicht sehr zur Freude von Christine Zangerl, Obfrau des Osttiroler Tierschutzvereins.

„Normalerweise hätten wir draußen vor dem Gebäude einen kleinen Garten und Freilaufgehege für die Tiere. Jetzt liegt hier noch viel zu viel Schnee. Zumindest die Außenanlagen der Katzen sind seit Kurzem geräumt und sogar überdacht – leider nicht ganz rechtzeitig, denn hier hat der Schnee im Winter die Katzenhäuschen zerstört, die müssen jetzt erst alle ersetzt werden.“

Christine Zangerl engagiert sich seit vielen Jahren im Osttiroler Tierschutzverein. Momentan gehen ihr vor allem die jährlichen Flohmärkte sowie spontane BesucherInnen im Tierheim ab. Foto: Dolomitenstadt/ Plunger

Das letzte Jahr war nicht nur wettertechnisch eine Herausforderung für das Tierheim, wie Zangerl erklärt. Während des Lockdowns musste zeitweise die Vermittlung der Tiere ruhend gelegt werden, die geltenden Coronamaßnahmen verhindern seit gut einem Jahr die traditionellen Flohmärkte und bringen den Verein in eine schwierige finanzielle Lage. Die laufenden Kosten bleiben im Tierheim nahezu gleich, denn die Tiere müssen weiter versorgt, Gehege regelmäßig gereinigt und Tierarztkosten für kranke und verletzte Ankömmlinge übernommen werden.

„Es ist die oberste Prämisse: den Tieren muss es gut gehen. Da kann man nicht einsparen. Ich kann vielleicht bei gewissen Anschaffungen einsparen, die jetzt nicht mehr getätigt werden. Aber die Tiere müssen jederzeit bestens versorgt sein, sowohl von der Ernährung her also auch vom Medizinischen“, betont Zangerl.

Die Katzen im „Seniorenzimmer“ sind nicht vermittelbar. Einige von ihnen sind schon sehr alt, leiden an chronischen Krankheiten oder wollen einfach nirgendwo lieber sein als im Tierheim Osttirol. Foto: Dolomitenstadt/ Plunger

Hinzu kommen die Schäden, die durch den Schnee im Winter entstanden sind. Die Außengehege wurden unter der Schneelast regelrecht zerquetscht, Häuschen und Kuschelhöhlen für Katzen und Nager zerstört. Das Dach, das die Außenanlagen der Katzen seit Neuestem vor Niederschlag schützt, wurde nicht rechtzeitig vor dem Wintereinbruch fertig und so steht viel Aufräum- und Wiederaufbauarbeit an.

Kleine Summen an Förderungen könnten die Kosten des Tierheimes nicht zur Gänze decken, Christine Zangerl und ihre Schützlinge sind deshalb größtenteils auf Spenden angewiesen. Hier hat man im letzten Jahr neue Wege gefunden: Engagierte UnterstützerInnen, die aufgrund der geltenden Bestimmungen nicht mehr einfach spontan im Tierheim vorbeischauen konnten, schickten Futterspenden per Post. Eine Spendenbox steht auch in der Fressnapf-Filiale in der Kärntnerstraße.

Christine Zangerl ist dankbar für die Unterstützung, die das Tierheim auch in schwierigen Zeiten erfährt und hofft auf weitere Spenden in den nächsten Wochen, die helfen, die Außenanlagen zu reparieren. Sie sieht das Jahr 2020 aber nicht nur negativ. Die Vermittlung von Tieren sei im letzten Jahr sehr gut verlaufen, ein Großteil der aufgenommenen Tiere fand ein neues Zuhause. „So leer wie es hier jetzt ist, das hatten wir glaube ich noch nie“, sagt Zangerl. Von 217 Tieren, die 2020 aufgenommen wurden, konnten 200 vermittelt werden.

Dabei war das Tierheim im letzten Sommer zeitweise überfüllt. Grund waren zahlreiche junge Katzen, die ihren Weg ins Tierschutzhaus fanden. Vor allem der Zeitraum, in dem die Katzen 2020 eintrafen, überraschte Christine Zangerl. Normalerweise würden Babykatzen vor allem zwischen Mai und Juni abgegeben, im letzten Jahr verschob sich der Zeitraum jedoch massiv. So traf eine große Zahl an Katzen von Juli bis Oktober ein. Nicht nur die Zahl an zu versorgenden Tieren sei in diesem Zeitraum überwältigend gewesen, dass die Jungkatzen so spät im Jahr abgegeben wurden, brachte ein weiteres Problem mit sich: „Viele der abgegebenen Tiere waren in keinem guten Zustand, denn Katzen sind im Herbst anfälliger für Krankheiten. Wenn die Tiere also später im Jahr zu uns kommen, dann steigen die Tierarztkosten“, erklärt Christine Zangerl.

Momentan wohnen vor allem Katzen im Tierheim. Im „Seniorenzimmer“ leben die Katzen, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr vermittelt werden können. Manche von ihnen hätten schon ein Zuhause gefunden, sich jedoch nicht an die neue Umgebung gewöhnen können, sagt Zangerl. Deshalb sind sie zurück im Tierheim und fühlen sich sichtlich wohl – das wurde bei unserem Besuch schnell klar. Im Seniorenzimmer gab es Leckerlis und die eine oder andere Streicheleinheit von uns. Dabei wurde geschnurrt und frech die Kamera inspiziert. Interessierte können eine Patenschaft für die Katzen übernehmen, die ihre Pension im Tierschutzhaus verbringen.

In den nächsten Wochen wird im Tierheim weitergearbeitet, es werden Reparaturen durchgeführt werden und man bereitet sich bereits auf eine neue Generation Babykatzen vor. Auch wenn spontane Besucher, die zum Tiere-Streicheln vorbeikommen, laut Zangerl momentan wegfallen, so hofft man im Tierheim Osttirol doch, dass bald wieder kleinere Veranstaltungen stattfinden können.

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2 Postings bisher
solo11

Hallo Tierfreunde!Da ich schon seit längerer Zeit in Kurzarbeit stehe und ein grosser Tierfreund bin,verbringe ich nun einige Stunden pro Monat als freiwilliger Helfer im Tierheim in Lienz.Besonders die niedlichen Katzerln haben es mir angetan.Ich habe selbst 2 wunderbare Katzen zu Hause.Ein Geschwisterpäärchen,die ich mir vor einigen Jahren selbst zum Geburtstagsgeschenk machte.Ich habe sie bei einem Ausflug auf einem Bauernhof in Arnbach gesehen und mich in sie verliebt.So kam es,das ich die beiden ein paar Tage später zu uns nach Lienz holte.Ich würde sie um nichts auf der Welt mehr hergeben,denn sie sind ein wichtiger Teil unserer Familie geworden.Im Tierheim zeigen mir Elisabeth und Silvia was zu machen ist.Sie sind wahre Profis in ihrer Arbeit.Ich bin nicht nur in meiner Freizeit etwas beschäftigt,nein,es ist etwas wunderbares mit diesen herrlichen Wesen arbeiten zu dürfen.Der junge Manuel aus Nussdorf kommt ebenfalls regelmäsig ins Tierheim und hilft mit.Auch er ist von den tollen Seelen angetan.Wenn ich nach dem Helfen nach Hause gehe bin ich ganz angetan von den Katzerln.Sie geben mir etwas,was man von Menschen eher selten bekommt.Dann bin ich zufrieden und freue mich schon auf das nächste mal.Besonders auf die Begrüssung im Seniorenzimmer.Ich kann es nur jedem Tierfreund weiter empfehlen.Ein paar Stunden die den Katzerln und auch dir selbst gut tun.Miau.

    rebuh

    allerdings, warum hinterfragt eigentlich niemand, woher alle diese " lieben raubtiere" kommen! es gibt doch schon seit jahren eine kastrationspflicht bei katzen! tierschutz betrifft ja nicht nur die tiere der bauern die zum viehhändler gehn. ihr glaubt wohl nicht das diese vielen besonders jetzt im frühjahr opfer im strassenverkehr werdenden katzen weniger leiden, wen sie dann irgendwo verkrochen jämmerlich zu grunde gehn! wobei, nur eine tote katze ist eine gute katze!