Es sind triste Zeiten für „Seegehtarier“

Leserbrief von Ulrich Fessler zum Betretungsverbot im Strandbad Tristachersee.

Als Liebhaber des Tristacher Sees hat man es nicht leicht. Ich habe mich vor Jahren wegen der mit einer massiven Teuerung verbundenen Zusammenlegung der Saisonkarten Dolomiten Bad und Strandbad Tristacher See als „eingfleischter Seegehtarier“ geoutet. Die Zusammenlegung wurde zwar zurückgenommen, die Verteuerung nur zum Teil. Ich nahm es hin und kaufte mir doch wieder die Saisonkarte.

Letztes Jahr dann wieder eine provokante Neuerung. In den letzten Augustwochen stand man nach 6 Uhr abends vor verschlossenen Toren und Bretterwänden. Dabei schätzen viele diese Tageszeit am See besonders, viele können überhaupt erst nach der Arbeit noch einen Schwumm tun.
Den Herbst versaute die Burgunder Blutalge innerhalb und außerhalb der Badeanlage.

Nun ist das Wasser wieder klar, da hat sich jemand schon wieder etwas ausgedacht, um das Baden im See, Relaxen am Steg und auf der Seewiese, oder auch das Volleyballspielen am Sandplatz am See unmöglich zu machen. Verschlossene Eingänge und, beinahe schon absurd anmutend, Absperrbänder rund um die Terrasse des geöffneten Strandbuffets, damit niemand auch nur einen Fuß in die saftig grüne Wiese setzt oder ins kühle Wasser taucht.

Dabei haben wir schon Ende Mai, und im Osttiroler Boten (Nr.21, 27. Mai 2021, S.34) steht explizit, dass das Baden auf eigene Verantwortung erlaubt sei. Mit Möglichkeiten zur gesunden Freizeitgestaltung sah es in den letzten Monaten sonst auch nicht rosig aus.

Ich weiß, es gibt für alles einen Grund, beziehungsweise wohl eher eine weit hergeholte Begründung, mit der uns erklärt wird, warum etwas bis dato Selbstverständliches plötzlich unmöglich sein soll. Dass da einmal jemand nicht nur auf die, sondern auch über oder gar durch die Barrikaden geht, ist nicht wirklich verwunderlich.

Mag. Ulrich Fessler

Das Buffet am Tristachersee ist geöffnet, doch weder die Wiese noch die Stege dürfen betreten werden. Die Sperre soll nach ersten Informationen bis Ende Juni gelten. Erst dann werden die Kassen besetzt und das Bad geöffnet. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner
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11 Postings bisher
lienzer666

Ja, die Politik die in der Stadtgemeinde gemacht wird, kann schön langsam nicht mehr toleriert werden. Das verweilen auf der Liegewiese zu untersagen, kann wirklich keiner verstehen, außer der Belegschaft des Gemeinderates.

wiederdahoame

Nachdem das Hallenbad in Lienz ja auch geschlossen hat und ich mich wiedermal frage, warum ich einen Sportpass habe, habe ich mir letztes Wochenende meine Kinder geschnappt und bin in die Drautalperle nach Spittal gefahren. Spontan eine Familiensaisonkarte gekauft und mich sehr über das erste Mal schwimmen seit Monaten gefreut. Diese Karte wird sicher über den Sommer ausgenutzt, da das Lienzer Hallenbad ja sowieso geschlossen hat. So vergrault man auch die letzten Sportpassbesitzer.

smile

...sehr gut "auf den Punkt gebracht" - und man sehe sich einmal die sehr sozialen Preise des Strandbades Wörthersee an...dadurch, dass die Preise doch eher heftig sind, konnte man in den letzten Jahren auch viel mehr Badebsucher in den Buchten baden sehen....

gomma

Ich bin einfach nur traurig und auch ein wenig fassungslos. Was spricht dagegen, dass man nach einem Spaziergang zum See, noch auf der Wiese sitzt und den herrlichen Ausblick auf den See genießt, während die Kinder in der Standkiste spielen? Bei den aktuellen Temperaturen zieht es die Wenigsten ins Wasser und das mit der Alge sieht man ja auch ein . Vielleicht kann die Stadtgemeinde doch für etwas mehr Klarheit sorgen, damit man die Gründe auch versteht, dass man gar nicht auf die Wiese darf... Quasi bis Ende Juni kein Seevergnügen (und damit meine ich gar nicht das Baden im See) schmerzt sehr. Wir waren bereits im April oben und haben auf der Wiese einfach die Sonne und den Ausblick genossen und viele andere Familien taten es uns gleich. Nach diesem Rückschlag und da das Hallenbad auch nicht öffnet, habe ich nun für die gesamte Familie die KärntenCard besorgt (Preis / Erw. 77 € von April - Nov. - zum Vergleich: die OsttirolCard 1 Woche 70 €)

Gertrude

Verstehe Herrn Fessler völlig. Es gäbe aber auch noch die Möglichkeit, am See in einer "wilden" Bucht baden zu gehen.

Alternativen gibt es meistens.

Nasowas

100 % Zustimmung! Auch was die letzte Preiserhöhung von 4,50 auf 6,00 betrifft, habe ich mich ebenfalls sehr geärgert. Nichts wurde verändert/verbessert, ausser, dass der Bäderbus auch noch zu bezahlen ist! Der Eintrittspreis für den See, ist einer der höchsten in ganz Österreich. Sogar am Wörthersee ist es billiger (5,10)!

    Genuatief

    Einfach eine abzocke mehr kann man dazu nicht sagen..

Herr Lummer jetzt mit Badenixe Babsi

@ Herr Mag. Fessler: … wunderbar auf den Punkt gebracht …

Während die ganze Welt alles versucht wieder rasch zu einer gewissen Normalität zurück zu finden, leistet eine kleine Burg im Zentrum von Lienz mit aller Vehemenz Widerstand gegen alle sinnvollen Möglichkeiten der sportlichen und gesundheitlichen Freizeitgestaltung.

Wenn das Dolomitenbad seinem eigentlichen Bestimmungszweck eh nicht mehr nachkommt könnte eine Nachnutzung dieses Bauwerks als Aguntum 2.0 in Betracht gezogen werden. Wieviel könnte die Nachwelt noch lernen über die Schwitzkultur in Osttirol vor ganz ganz ganz ganz ganz langer Zeit.

PS: In eigener Sache, Schihaserl Susi ist bis zur nächsten Après-Ski-Saison auf Eis gelegt. Stattdessen wird nun bei Badenixe Babsi der Anker ausgeworfen.

    Biker

    Musst wohl ein toller Hecht sein wenn die Badenixen so anbeißen. Wünsche einen schönen Sommer 😎

    so ist es vielleicht

    Ja hö, Dir laufen die 🐇und 🧜‍♀️ aber nach! 😇! Da brauchts im Winter aber schon auch wieder eine Neue, sonst wirds ja langweilig! 😋 Zu Deinen Aussagen kann ich Dir nur beipflichten, was diese Fr. Bgm. zur Zeit so aufführt....🙈🙉🙊

    Chronos

    Herr Lummer, das ging aber flott!!! Statt der Susi nun die Babsi…

    Inhaltlich volle Zustimmung, Herr Lummer! Auch @so ist es! ohne vielleicht. Für Sport und Sportstätten hat die Frau Bgm. leider nichts mehr übrig!

    Herr Fessler, sehr lobenswert, dass Sie auf die "tristen Zeiten" und auf das Betretungsverbot am Tristachersee aufmerksam machen!