Über werdende Väter und Viren unter Denkmalschutz

Wer kann uns die Politik noch sachlich erklären? Zum Glück gibt es Andreas Hanger! 

Neulich hat Peter Pilz im Fernsehen den Bundeskanzler als eine Mischung aus Karl-Heinz Grasser und Victor Orban beschrieben. Und ihn einen „Rotzlöffel“ genannt. So etwas an die Adresse eines werdenden Vaters, der die Sorgen und Nöte werdender Alleinerzieherinnen aus erster Hand kennt, geht entschieden zu weit! Der gewesene Vater des Kanzlers war schon einmal arbeitslos, und so hat der Kanzler, während andere aus vollen Geldtruhen schöpften, das Leben von seiner grausamsten Seite sehr früh kennengelernt.

Vielleicht war genau das der Grund, warum man, wie jetzt bekannt wurde, im Finanzministerium über die Abfertigung nachgedacht hat. Diese sollte künftig nicht mehr bedingungslos ausbezahlt, sondern bis zum gesetzlichen Pensionsalter zwingend veranlagt werden, damit die anderen auch was davon haben. Das nenne ich gelebte Solidarität! Nachhaltig und fair.

Andreas Hanger, die fleischgewordene Sachlichkeit! Foto: Expa/Schrötter

Selbstverständlich möchten kurzsichtige Egoisten ihre Abfertigung bar auf die Hand, und um die zu besänftigen, schickte man wieder einmal in Person von Andreas Hanger die fleischgewordene Sachlichkeit an die Front. Es sei schließlich Aufgabe der Beamten im Finanzministerium, sich permanent Gedanken zu machen, die niemals verwirklicht und umgesetzt werden. Solches hat man gelegentlich auch mir vorgeworfen, aber ich habe dafür noch keinen einzigen lausigen Cent aus Steuergeldern lukriert. Den aber würde ich aus Solidarität gern veranlagen.

Abfertigungen werden in aller Regel bei Beendigung eines Dienstverhältnisses ausbezahlt, um zum Beispiel die Zeit bis zur Aufnahme des nächsten zu überbrücken. Aber da sind wir jetzt leider auf ein völlig verkehrtes Thema gestoßen, denn Dienstverhältnisse werden bei uns erst zu Pensionsantritt aufgelöst, und Arbeitslosigkeit gibt es schon gar nicht. Bei uns gibt es Asylwerber, den Wolf und Corona. Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie haben bei uns nichts verloren und folglich auch nichts zu suchen!

Gott sei Dank hat jetzt wenigstens die Regionalpolitik auf diese misslichen Umstände reagiert: Das Pflegepersonal soll geimpft werden. Gegen den Corona, nicht gegen den Wolf. Den Wolf will man abschießen. Bis vor Kurzem hatte man nämlich den Eindruck, als verfolge man in Osttirol genau die gegenläufige Strategie. Das Coronavirus kann man nicht so mir nix dir nix erschießen. Es ist schließlich keine vom Aussterben bedrohte Tierart. Es steht in Osttirol unter Naturschutz.

Das Coronavirus vermehrt sich bei uns mit einer Geschwindigkeit, für die „exponentiell“ ein geradezu lächerliches Hilfsadverb ist. Es hat Osttirol nicht erst im letzten Halbjahr zu internationaler Berühmtheit verholfen und dafür gesorgt, dass unser Bezirk auf lange Zeit der Spitzenplatz in der 7-Tage-Inzidenz wenigstens national nicht mehr zu nehmen sein wird. Wenn das so weitergeht, wird es noch unter Denkmalschutz gestellt. Und dann können wir endlich auch in dieser Hinsicht das unternehmen, was wir seit Jahrzehnten am besten beherrschen: Förderungen von Land, Bund und EU beantragen.

Das ist bei anderen Denkmälern gar nicht so leicht. Aber über die schreibe ich halt lieber…


Rudolf Ingruber ist Kunsthistoriker, Leiter der Lienzer Kunstwerkstatt und Autor. Für uns kritzelt er Notizen einfach an den Rand der Ereignisse, also dorthin, wo die offizielle Berichterstattung ein Ende hat. Wir präsentieren in unregelmäßigen Abständen „Rudis Randnotiz“.

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5 Postings bisher
spitzeFeder

Danke für diese erfrischende, punktgenaue Randnotiz. Lovin' it! 👌

Anthony Soprano

Politiker bekommen als Abfertigung ja bekanntlich einen Topjob im Management von irgendeinem Unternehemen, das sie vorher mit einem Gesetz oder so unterstützt haben... Wird der Kurz wohl bald bei Pfizer arbeiten...

defregger

Jedem Herrchen das nichts taugt, wird ein Terrier zur Seite gestellt......😎

Gertrude

Was denkt sich unser Kanzler eigentlich, wenn er Politiker wie diesen Herrn Hanger in die erste Reihe stellt?

Einfach nur widerlich, der Mann.