Tiroler Impfoffensive mit magerer Ausbeute

Blanik, Köll und Platter für 1G-Regel. Regierung hat Nachtgastro im Visier.

In Tirol blieb die Impfoffensive in quotenschwachen Regionen am vergangenen Wochenende mit 1.100 Impfungen hinter den Erwartungen zurück. Das war auch in Osttirol der Fall, wo sich das Infektionsgeschehen weiterhin auf hohem Niveau bewegt. Das beweist ein Blick auf die Bezirksstatistik des ORF, die Osttirol mit 211 die zweithöchste Inzidenz Österreichs bescheinigt.

Im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung gehen die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik und der Matreier Bürgermeister Andreas Köll davon aus, dass man mit dem wohnortnahen Impfangebot „das Ende der Fahnenstange“ (Blanik)  erreicht hat. Für die Lienzer Bürgermeisterin ist das „besorgniserregend“, schließlich werde alles unternommen, um das Impfen so einfach wie möglich zu machen.

Elisabeth Blanik denkt laut über die Einführung der 1G-Regel nach. Foto: EXPA/Groder

Ihr Amtskollege aus dem Iseltal sieht die Sache ähnlich. Man habe alles versucht, was möglich war, um die Menschen zum Impfen zu bewegen, so Köll. Auch in Matrei sei der Aufwand groß, das Angebot hätten dort zuletzt 120 Personen in Anspruch genommen. Um die Durchimpfung zu erhöhen, liebäugeln Blanik und Köll nun mit einer 1-G-Regel als Zutrittsvoraussetzung.

„Wir sind nicht da, wo wir hinwollen“ – Auch Landeshauptmann Günther Platter sieht bei der Impfquote Luft nach oben. Foto: APA

„Wahrscheinlich braucht es das wirklich“, so Blanik gegenüber der TT. Landeshauptmann Günther Platter kann sich ebenfalls damit anfreunden, wenngleich er vor einem Generationenkonflikt warnt: „Die Jungen dürfen nicht das Gefühl haben, dass sie die Sündenböcke sind.“ Bei der Impfquote sei man in Tirol noch nicht dort, „wo wir hinwollen“, so Platter, der in der nächsten Phase die Unentschlossenen ansprechen will.

Regierung deutet 1G-Regel für Nachtgastro an

Auch auf Bundesebene mutieren die drei Gs allmählich zu einem G. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) halten die Einführung der 1G-Regel im Herbst in Bereichen mit besonders hohem Ansteckungsrisiko wie der Nachtgastronomie für vorstellbar und möglicherweise notwendig, sollten die Infektionszahlen weiter steigen. Das teilten sie am Samstag gemeinsam mit. Das Betreten von Diskotheken wäre dann nur mehr vollständig Immunisierten gestattet. Ähnliches hatte zuvor die SPÖ gefordert.

Kanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein deuten strengere Zutrittsregeln für die Nachtgastronomie an. Foto: APA

„Österreich hat die Corona-Pandemie bisher vergleichsweise gut gemeistert. Wir müssen aber gut auf den Herbst vorbereitet sein, denn die Zahlen werden wieder steigen. Wenn die Zahlen weiter steigen, dann braucht es die 1G-Regel für Diskotheken und Nachtklubs“, stellte Kurz klar. Mit der Impfung habe man „das beste Mittel in der Hand, um der Pandemie Herr zu werden“. Daher gelte es nun weiterhin, „so viel wie möglich zu impfen, um sich selbst und andere zu schützen“, sagte der Kanzler.

„Aktuelle Prognosen der Wissenschaft zeigen uns, dass wir die Impfrate weiter erhöhen müssen, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden“, gab Mückstein zu bedenken. Der Gesundheitsminister appellierte daher einmal mehr an alle bisher Nichtgeimpften, das nachzuholen: „Sie schützen damit sich selbst und auch Ihre Lieben vor einer schweren Erkrankung“.


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