Erich Kästners „Interview mit dem Weihnachtsmann“

Anja Kofler liest aus den Weihnachtsgeschichten des scharfzüngigen Autors.

Erich Kästner wurde am 23. Februar 1899 in Dresden geboren. Während der Weimarer Republik begann er damit, gesellschaftskritische Gedichte und Essays zu schreiben und machte sich mit seinen Texten schnell einen Namen. Kästner wurde 1917 einberufen und absolvierte eine Ausbildung in einer Kompanie der schweren Artillerie. Die teils brutale Ausbildung prägte Kästner und formte ihn zu einem glühenden Antimilitaristen. Er litt sein ganzes restliches Leben an einer Herzschwäche, die er sich durch den harten Drill seines Ausbilders zuzog. Der Autor verarbeitete diese Erlebnisse in einem Gedicht.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs belegte Kästner den Abschlusskurs am Lehrerseminar Dresden-Strehlen. Als Kästners produktivste Periode werden seine Berliner Jahre von 1927 bis zum Ende der Weimarer Republik 1933 angesehen. In wenigen Jahren schaffte er den Aufstieg  zu einer der wichtigsten intellektuellen Figuren Berlins. Er emigrierte auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nicht. Kästner begründete das wie folgt:

„Ich bin ein Deutscher aus Dresden in Sachsen.
Mich lässt die Heimat nicht fort.
Ich bin wie ein Baum, der – in Deutschland gewachsen –
wenn’s sein muss, in Deutschland verdorrt.“

Tatsächlich wollte Kästner aber auch Chronist dieser Zeit sein. Er sammelte Material und machte sich für einen künftigen Roman über das „Dritte Reich“ Notizen in Gabelsberger-Kurzschrift. Dieses blau eingebundene Buch versteckte er in seiner Bibliothek, nahm es aber während des Krieges bei Bombenalarm mit in den Luftschutzkeller, weshalb es – anders als seine viertausend Bücher – erhalten blieb.

Erich Kästner. Foto: Barbara Niggl Radloff, 1962, Creative Commons-Lizenz.

Nach dem Krieg zog Erich Kästner nach München, wo er bis zu seinem Tod lebte. Er blieb ein Leben lang unverheiratet, hatte aber langjährige und innige Liebesbeziehungen – auch parallel. In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg konnte Kästner nicht mehr an seinen literarischen Erfolg der Weimarer Republik anknüpfen und wurde während seiner Münchner Periode hauptsächlich als Kinderbuchautor wahrgenommen und gewürdigt. Ab 1965 zog er sich beinahe gänzlich aus der literarischen Welt zurück und verstarb 1974 in München.

Franz Josef Görtz, Redakteur im Magazin der FAZ, entdeckte mit Hans Sarkowicz eine Sammlung von Kästners „Kindergeschichten für Erwachsene“ in Leipziger Archiven und stellte daraus ein Lesebuch zusammen. Es zeigt einen anderen, tief pessimistischen Kästner, der zwar an das Gute glaubt, aber nicht daran, dass es von Menschenhand noch ins Werk zu setzen sei.


Die Lesereihe „Unerwartete Begegnungen“ wird vom Literaturkreis der Stadtbücherei Lienz realisiert, dessen Mitglieder die Texte ausgewählt und selbst eingelesen haben. Ursprünglich waren adventliche Lesungen in der Bücherei geplant, die aber der Pandemie zum Opfer fielen. 

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