Ainet: Die möglichen Erben des Karl Poppeller

Berta Staller, Alexander Steinbrugger und Kai Putzhuber stellen sich der Wahl.

36 Jahre Kommunalpolitik, davon zwei Perioden als Gemeinderat, eineinhalb als Vizebürgermeister und ganze 24 Jahre als Ortschef sind für den Vorstand der Felbertauern AG und Aineter Bürgermeister Karl Poppeller genug: „Irgendwann hat alles ein Ende und es ist Zeit, Jüngere an das Ruder zu lassen“, resümiert er.

Jüngere Bürgermeisteranwärter:innen haben sich in der 921 Einwohner zählenden Gemeinde im Iseltal gleich drei gefunden: Berta Staller, Kai Putzhuber und Alexander Steinbrugger bewerben sich um das Amt des Bürgermeisters bzw. der Bürgermeisterin.

Berta Staller ist eine von vier Bürgermeisterkandidatinnen, die sich im Bezirk Lienz der Wahl stellen. Die 56-Jährige ist in der Aineter Kommunalpolitik kein neues Gesicht, seit 30 Jahren ist sie im Gemeinderat vertreten, seit 18 Jahren mit ihrer eigenen Liste. Zuletzt hielt sie damit drei der elf Mandate im Gemeinderat. „Ich habe mich schon immer für die Gemeindepolitik interessiert, bringe viel Erfahrung mit und übernehme gerne Verantwortung“, begründet Staller gegenüber dolomitenstadt.at ihre Motivation, bei der Wahl als potenzielle Ortschefin anzutreten.

Berta Staller ist mit der Gemeindepolitik gut vertraut. Wenn sie Bürgermeisterin wird, möchte sie ein offenes Ohr für die Anliegen der Menschen im Dorf haben. Foto: Privat/Staller

Besonders wichtig sei ihr eine gelebte Demokratie. Als Bürgermeisterin will sie sich die Zeit nehmen, mit den Menschen im Dorf zu sprechen, erreichbar sein und fixe Sprechstunden anbieten. Außerdem möchte sie öffentliche Gemeindeversammlungen wieder aktivieren. Als weitere Ziele für die nächste Periode nennt sie, offene Projekte abzuschließen, das Gemeindeamt und den Friedhof barrierefrei zugänglich zu machen, den Ausbau der Kinderbetreuung und die Unterstützung der Vereine. Mandatsziel für die Wahl hat sie sich keines gesetzt: „Ich habe in den letzten Jahren gesehen, dass man auch mit einer Minderheit im Gemeinderat etwas bewegen kann. Wichtig ist mir vor allem ein guter Umgang miteinander.“

Deutlich weniger, aber dennoch ein bisschen Erfahrung im Gemeinderat hat der erst 26-jährige Kai Putzhuber: Bei der Wahl im Jahr 2016 trat er auf einer anderen Liste an, letzten Endes reichte es nicht ganz für den Gemeinderat, er war als erstes Ersatzmitglied gelistet. Das war dem engagierten Radiomoderator und Steinbruchmitarbeiter zu wenig, er möchte mehr junge Gesichter in der Kommunalpolitik sehen und gründete seine eigene Liste. Unter dem Motto „Alle für Ainet, Ainet für Alle“ geht er mit einem 14-köpfigen Team an den Start, in dem kein Listenmitglied vor 1992 geboren worden ist. Schwierigkeiten, junge Menschen für die Politik zu motivieren, habe er keine gehabt und er verstehe Aussagen von Politikern nicht, wenn sie behaupten, auf Grund von Corona sei es schwieriger gewesen, Leute zu erreichen.

Ein sehr junges Team hat Bürgermeisterkandidat Kai Putzhuber (vorne rechts) zusammengestellt. Ihm ist der Altersschnitt im Gemeinderat zu hoch. Foto: Liste Zukunft Ainet

„Wenn ich Bürgermeister werden sollte, mache ich das sehr gerne, aber auch wenn nicht, werde ich auf jeden Fall Gas geben und mich für die Gemeinde einsetzen“, so Putzhuber. Auf der Agenda der jungen Gruppierung stehen vor allem Jugend- und Familienthemen, unter anderem soll ein Jugendausschuss auf die Beine gestellt werden und eine Jungbürgerfeier soll es wieder geben. Im Fokus stehen auch der Erhalt und Ausbau des öffentlichen Wegenetzes und, wie auch bei Staller, die Barrierefreiheit öffentlicher Gebäude.

Alexander Steinbrugger  tritt mit der Liste des scheidenden Bürgermeisters Karl Poppeller an. Foto: Obertscheider

Der dritte Kandidat, Sattlerwirt Alexander Steinbrugger, ist ein Quereinsteiger in der Aineter Gemeindestube. Neuland ist das kommunalpolitische Amtsgeschäft für Steinbrugger trotzdem nicht, fünf Jahre lang war der 36-Jährige in Berg in Drautal als Gemeindesekretär tätig, derzeit arbeitet er als Bilanzbuchhalter.

Er tritt mit der Liste des scheidenden Bürgermeisters an, die bisher acht der elf Mandate im Gemeinderat innehatte. Auf ein Wahlziel möchte er sich nicht festlegen, er habe ein buntes Team hinter sich und möchte damit „möglichst viele Aineter erreichen“. Bunt ist auch das Programm der Liste, gesellschaftliche Themen wie eine Ganztagesbetreuung für Kinder, leistbares Wohnen, die Unterstützung von Senioren und ein Seniorentreff sind dort genauso zu finden wie die wirtschaftliche Ambition, den Aineter Gewerbepark als Standort zu halten und ein Holzkompetenzzentrum zu errichten.

Wer es tatsächlich auf den Chefsessel in Ainet schaffen wird, wird sich am Wahlsonntag weisen, der scheidende Bürgermeister Karl Poppeller begrüßt aus demokratiepolitischer Sicht die Wahlmöglichkeiten und bezeichnet alle drei Anwärter:innen als „tadellose Kandidaten“.


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Anna Maria Huber studiert in Innsbruck, schreibt nicht nur für dolomitenstadt.at sondern auch für die Straßenzeitung 20er betreut unser Redaktionsbüro in der Landeshauptstadt. Annas Stärken sind penible Recherchen und die Fähigkeit, komplexe Inhalte in klare und verständliche Artikel zu verwandeln.

3 Postings

Max Power

Guten Morgen!!! Wo ist die vielbejammerte Politkverdrossenheit der Jungen? Ich hoffe, daß es viele der jungen Liste in den Gemeinderat schaffen der nach wie vor geprägt ist von vielen Mitläufern und Jasagern. Ein bisschen frischer Wind würde Ainet gut tun!

 
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Kritisch5

Na dann... gute Nacht! 🙈

 
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    miraculix

    @kritisch5: Leg dich ruhig schlafen!

     
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