Ein Südtiroler wird neuer Ortschef in Amlach

Dass man sich auch als „Auswärtiger“ etablieren kann, beweist Stefan Clara.

In Amlach wird es nach dieser Wahl einen Wechsel an der Ortsspitze geben, nach 32 Jahren als Bürgermeister gibt Franz Idl (ÖVP) das Zepter weiter. Nachfolgekandidat hat sich zwar nur einer gefunden, dieser bringt dafür gleich die weite Welt mit in die 492-Seelen Gemeinde.

Dass Stefan Clara am kommenden Montag für die nächsten sechs Jahre in die Amtsstube im Amalcher Gemeindehaus einziehen wird, ist jetzt schon klar. Weil „zugereiste“ Bürgermeisterkandidaten in den meisten Osttiroler Gemeinden allerdings eine Seltenheit darstellen, hat Dolomitenstadt.at den engagierten 52-Jährigen im Amlacher Gemeindehaus getroffen.

Ursprünglich kommt Clara aus Toblach, dort hat er sich schon in sehr jungen Jahren in der Gemeinde engagiert, zunächst als Computerspezialist, später war er maßgeblich an der Errichtung und der Aufrechterhaltung des Fernheizkraftwerkes in Toblach beteiligt. Nach zehn Jahren Tätigkeit in Toblach zog es ihn schließlich in die weite Welt, zunächst in die USA, später auch in einige nordische europäische Länder, wo er beruflich in erster Linie im Energiesektor tätig war. „Man geht mit einem gewissen Wissensstand von seinem Dorf weg und kommt mit ganz anderen Eindrücken wieder zurück“, lacht Clara.

Clara hat viel von der Welt gesehen – ein Stück davon bringt er nun mit in die Amlacher Gemeindestube. Foto: Dolomitenstadt/Wagner

Vor neun Jahren hat sich Clara mit seiner Familie in Amlach niedergelassen. Dort ist er als selbstständiger Software-Entwickler tätig. Mit dem scheidenden Bürgermeister Franz Idl hat er sich vom ersten Tag an gut verstanden, auch zu den anderen Amlacher:innen habe er von Beginn an einen guten Draht gehabt. Als er schließlich, nachdem Idl bekanntgegeben hatte, dass er nicht mehr antreten werde, gefragt wurde, ob er nicht als neuer Spitzenkandidat der Bürgermeisterliste antreten möchte, war für ihn die Antwort klar. Dass das aber schon im vergangenen Sommer so besprochen worden sei, dementiert er: „Ich habe erst seit November die österreichische Staatsbürgerschaft, davor war das alles kein Thema.“

Darauf angesprochen, ob es dem Weitgereisten in Amlach nicht wieder zu „klein“ werden könnte, meint er: „Das passt jetzt gut so.“ Zum einen sei Gemeindepolitik nie nur aufs Dorf bezogen, außerdem möchte der sechsfache Vater und Opa von zwei Enkelkindern auf jeden Fall länger in Amlach bleiben. Mit seinem direkten Bezug zu Kindern und Jugendlichen liegen ihm besonders diese Themen am Herzen: „Dass sich in Amlach die zweite, sehr junge Liste gebildet hat, weil uns Jugendthemen nicht wichtig sind, stimmt nicht.“ Man habe auch Gespräche geführt, gemeinsam mit einer Liste anzutreten, im Endeffekt passe es aber auch so: „In jedem Fall werden junge Menschen im Gemeinderat vertreten sein“.

Was sich der künftige Bürgermeister für die Kinder und Jugendlichen und Amlach im Allgemeinen in den nächsten Jahren vorstellt und wie er die Gespräche rund um eine Amlacher Volksschule beurteilt, erklärt er im Audio-Interview:

Auch die Belebung des Vereinslebens ist Stefan Clara wichtig: „Ich kenne das aus Südtirol auch nur so.“ Selbst dem Herzensprojekt des scheidenden Amlacher Bürgermeisters Franz Idl – einer eigenen Amlacher Musikkapelle – kann er etwas abgewinnen. Wie bei allen Themen bleibt der Südtiroler hier allerdings mit den Füßen am Boden: Da würden auch viele andere Faktoren mithineinspielen, wie beispielsweise die Musikkapellen der umliegenden Gemeinden.


Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2022 Osttirol

Anna Maria Huber studiert in Innsbruck, schreibt nicht nur für dolomitenstadt.at sondern auch für die Straßenzeitung 20er betreut unser Redaktionsbüro in der Landeshauptstadt. Annas Stärken sind penible Recherchen und die Fähigkeit, komplexe Inhalte in klare und verständliche Artikel zu verwandeln.

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