Liza Maskhudova und Daniela Agu setzen sich gemeinsam für das Wohl anderer Frauen ein - in unterschiedlichen Herangehensweisen. Foto: Dolomitenstadt/Huber

Liza Maskhudova und Daniela Agu setzen sich gemeinsam für das Wohl anderer Frauen ein - in unterschiedlichen Herangehensweisen. Foto: Dolomitenstadt/Huber

Projekt CORA: Von Frauen für Frauen

Liza Maskhudova geht als Vorbild anderen Frauen mit Migrationsgeschichte voran.

Wenn Liza Maskhudova spricht, drückt sie sich sehr gewählt aus. Zwischendurch sucht sie nach Wörtern, nicht weil sie nicht weiß, was sie sagen möchte, sondern weil sie den richtigen Ausdruck finden will. Und das in einer Sprache, die sie sich vor gar nicht so langer Zeit zu ihrer eigenen gemacht hat. Liza spricht Tschetschenisch und Russisch fließend, Deutsch hat sie sich, als sie vor 17 Jahren nach Österreich kam, zunächst aus Wortfetzen zusammengesetzt, die sie aufgeschnappt hat, später hat sie ihre Deutschkenntnisse in mehreren Sprachkursen ausgebaut. B2 steht nun in ihren Zertifikaten, wenn man mit ihr spricht, bekommt man allerdings schnell das Gefühl, dass ihre Sprachkenntnisse deutlich höher sind.

Beeindruckend ist auch Lizas umfassendes Geschichtsbewusstsein, so war es für sie ein leichtes, nach dem Bleiberecht auch zeitnah die Prüfung für die österreichische Staatsbürgerschaft zu absolvieren. Für viele junge Frauen mit Migrationshintergrund oder Fluchtgeschichte ist sie so zu einem Vorbild geworden. Ihr Netzwerk ist groß und sie hilft, wo sie helfen kann. Freiwillig in ihrer Freizeit, aber nicht nur: Beim Frauenberufszentrum in Lienz ist sie als Laiendolmetscherin tätig und unterstützt dort die Beraterinnen mit ihren Sprachkenntnissen. Außerdem arbeitet sie zehn Stunden pro Woche bei dem Projekt „CORA“ (Computerkurse und Orientierung in Richtung Arbeitsmarkt) als Peer-Beraterin mit. „Ich habe immer gern anderen geholfen und wollte unbedingt etwas im Sozialbereich machen“, erzählt Liza.

Liza an ihrem Arbeitsplatz in der Tiroler Straße, ihr soziales Engagement beschränkt sich jedoch nicht auf ihre Arbeitszeiten, sondern geht darüber hinaus. Foto: Dolomitenstadt/Huber

Das Projekt CORA versteht sich als Orientierungshilfe für den beruflichen (Wieder-)Einstieg von Frauen und unterstützt diese in vielen Belangen: Es werden Computerkurse, Beratungen zu Bewerbungen, Jobsuche und Nostrifikation ausländischer Bildungsabschlüsse sowie Kompetenzanalysen inklusive Sprachstandsfeststellungen und vieles mehr angeboten. Während der Beratungen und den „Offenen Räumen“, die zweimal in der Woche für einen gemeinsamen Austausch stattfinden, wird eine Kinderbetreuung angeboten. Finanziert wird das Projekt vom Land Tirol und dem Europäischen Sozialfonds.

„Eigentlich richtet sich unser Angebot an alle Frauen, bei uns ist es aber so, dass die meisten Klientinnen einen Migrationshintergrund haben“, erklärt die Projektkoordinatorin für den Bezirk Lienz, Daniela Agu. Für diese ist Liza in den meisten Fällen die erste Ansprechperson. „Ich erreiche die Klientinnen eher im ‚Bottom-down-Prinzip‘, indem ich zum Beispiel mit den Amtsleitern von Gemeinden spreche, während Liza das ‚bottom-up‘ macht“, schmunzelt Daniela. Wie sie das macht? „Ich spreche die Frauen oft auf der Straße an, oder auch wenn ich mein Kind von der Schule abhole oder mit ihm am Spielplatz bin“, erzählt Liza. So findet sie einen direkten Draht zu den Frauen.

„Die Frauen, die herkommen, haben so viel Potenzial. Ich möchte, dass sie es auch sehen und wissen, was sie damit machen können“, erklärt die engagierte 51-Jährige. „Viele haben in ihrer Heimat auch studiert, und wissen aber nicht, an wen sie sich wenden müssen.“ Wichtig sei aber vor allem, die deutsche Sprache zu erlernen. „Das ist nicht einfach, aber ich sage den Frauen immer, sie müssen einfach mit den Menschen reden – mit ihren Nachbarn, mit den Leuten auf der Straße. So mache ich das auch“, lacht Liza.

Das Schönste für Liza und Daniela ist es, wenn sie einer Frau nicht nur einen Job vermitteln können, der ihre Existenzgrundlage sichert, sondern ihr zusätzlich noch Freude bereitet. So wie es ihnen erst vor kurzem mit einer gelernten Schneiderin gelungen ist, die nun ihre Berufung wieder ausüben kann.

Anna Maria Huber studiert in Innsbruck, schreibt nicht nur für dolomitenstadt.at sondern auch für die Straßenzeitung 20er und betreut unser Redaktionsbüro in der Landeshauptstadt. Annas Stärken sind penible Recherchen und die Fähigkeit, komplexe Inhalte in klare und verständliche Artikel zu verwandeln.

2 Postings

Redcap

Ein tolles Integrationsprojekt!! Ich kenne Lisa persönlich als sehr hilfsbereite Frau. Schon vor Jahren erzählte sie mir eine Begebenheit mit der Behörde: Durch eine möglicherweise unklare Aussprache ging es um die Begriffe „Absage“ und „Obsorge“. Sie verstand ersteres! So eng liegen Glück und Unglück beisammen! Ich wünsche ihr und allen Hilfesuchenden alles Gute!

 
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Maron

Eine großartige Initiative von Frauen|Menschen|Personen - nämlich zur nächsten und übernächsten Haustür "g'schaut" ...

 
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