Sind Wettbewerbe der richtige Weg zu guter Architektur? 

Auf diese Frage suchten Expert:innen am Campus Lienz eine schlüssige Antwort.

Zur Podiumsdiskussion über Sinn und Zweck von Architektenwettbewerben am 6. Mai im Campus Lienz hatte die Plattform Architektur geladen, entsprechend klar schien vor Beginn des Diskurses die Antwort. Doch schon im Eröffnungsreferat ließ Hans-Peter Bock, der SPÖ-Altbürgermeister der Nordtiroler 3000-Seelen-Gemeinde Fließ, keine Zweifel aufkommen, dass nicht alles, was gebaut wird, auch einen Wettbewerb braucht. „Wir vergeben manche Projekte auch freihändig. Jeder studierte Architekt aus der Gemeinde bekommt einen kleinen Auftrag“, erklärte Bock freimütig. 

Geladen war der ehemalige Dorfchef aber deshalb, weil das Ensemble rund um das Gemeindehaus von Fließ architektonisch herausragend und mit einem europäischen Dorferneuerungspreis ausgezeichnet ist. Und diesem Projekt ging ein achtstufiges Entwicklungsverfahren samt zweistufigem Wettbewerb voraus, mit einer Ideenwerkstatt vor Ort, an der auch die in die engere Wahl gekommenen Architekt:innen teilnahmen, einer transparenten Ausarbeitungsphase, gefolgt von Jurysitzung und Präsentation. Der Innsbrucker Architekt Rainer Köberl gewann diesen Wettbewerb. Sein Projekt ist längst umgesetzt und mittlerweile als Best Practice Beispiel für qualitätvolle Dorferneuerung auch international bekannt. 

Das Architektur-Expertenpodium im Campus Lienz. Von links: Architekt Reinhold Wetschko, Bürgermeisterin Elisabeth Blanik, Diana Ortner (Land Tirol, Dorferneuerung), Architekt Rainer Köberl, Altbürgermeister Hans-Peter Bock und Christian Höller, Kammer der Ziviltechniker. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Dass Lienz in Sachen Bürgerbeteiligung aber auch bei der Umsetzung qualitätsorientierter Wettbewerbsverfahren Aufholbedarf hat, räumte selbst Bürgermeisterin Elisabeth Blanik zumindest teilweise ein. Beim Hauptplatz – der an diesem Abend natürlich auch zur Sprache kam – sei sie mit dem Versuch einer öffentlichen Kommunikation „offenbar kläglich gescheitert“, erklärte Blanik, ließ aber an den Entscheidungsprozessen der Stadt keine Kritik gelten. 

Die Bürgermeisterin verwies auf wettbewerbliche Dialoge etwa bei der Planung der Nordschulsanierung – der beauftragte Architekt Thalhammer saß im Publikum – und auch auf die „unterschiedlichen Beteiligungsprozesse“ rund um den Hauptplatz, die ja noch gar nicht abgeschlossen seien. Dem entgegnete Christian Höller, Vorsitzender der Architektur-Sektion in der Kammer der Ziviltechniker: „Dieser Prozess muss am Anfang stehen, und nicht am Ende.“ Seinen Unmut über die behördlichen Alleingänge rund um die Hauptplatz-Planung hat Höller bereits in einem Dolomitenstadt-Leserbrief Ende Jänner dieses Jahres artikuliert, er wiederholte einige seiner Argumente.  

Christian Höller (rechts) kritisiert die Entscheidungsprozesse in Lienz. Architekt Rainer Köberl und Ex-Bürgermeister Hans-Peter Bock gingen in Fließ andere Wege. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Moderiert von der Architektin Christine Aldrian-Schneebacher blieb die offizielle Diskussion schon aus Zeitgründen eher an der Oberfläche. Die Expert:innen verwiesen auf großteils bekannte und erfolgversprechende Abwicklungsverfahren, es gab vereinzelte Stellungnahmen aus dem Publikum, doch erst beim anschließenden Buffet blieb Raum und Zeit für angeregte Diskussionen über Theorie und Praxis architektonischer Entscheidungsfindung in der Kommunalpolitik. Die Osttiroler Architekten planen eine Fortsetzung der Diskussionreihe und wollen dann konkrete Projekte in den Fokus nehmen, etwa die Südtiroler Siedlung, den Stadtsaal und – natürlich – auch den Hauptplatz von Lienz. 

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe und Kommunikationswissenschafter arbeitete Jahrzehnte als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er mit seiner Familie im Jahr 2000 nach Lienz zurückkehrte und dort 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief.

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Offener Brief der Standesvertretung an Elisabeth Blanik und den Lienzer Gemeinderat.

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unholdenbank

Unsere schöne, neue Zeit hat eines der dümmsten Undinge zum Fetisch erhoben: Den WETTBEWERB. Schon die kleinsten werden gedrillt. Da gibt es den Bambiniwettbewerb, den Kinderfußballwettbewerb, das Kinderskirennen, weiters dann den Redewettbewerb, das Miniradrennen, den Marathonlauf, den Lehrlingswettbewerb, den Schachwettbewerb alles mit vielen Tränen und enttäuschten Hoffnungen der Eltern - nur damit schon die Kleinsten den Götzen Wettbewerb eingedrillt bekommen. Weiter geht es dann mit dem Sportwettbewerb, den Musikwettbewerb, die Tennismeisterschaft, das Weitspringen, das Hochspringen, den Schönheitswettbewerb, Starmaniaunsinn, Germany' s next Topmodel, Eurovisionsongcontest, Autorennen, SKIBO-Tour, Dolomitenlauf, Dolomitenmann, usw. Dann der Wettbewerb der Firmen, Bieterkampf, Architekturwettbewerbe, Stellenbewerbungs-bewerbe, wer baut das höchste Haus-bewerbe, Sauf- und Fressmeisterschaften, Feuerwehrbewerbe, ja sogar Kochwettbewerbe. Alles, um herauszufinden, wer ist wohl der „Beste“ ????. Alles wird diesem Götzen untergeordnet. Der dümmste Wettbewerb ist der ruinöse Fetisch Marktwettbewerb, bei dem angeblich der der Gewinner ist, der im Angebot/Nachfragespiel die besten Karten hat. Eine Riesenlüge, weil es eben den wirklich freien Markt eh nicht gibt. Er wird von den großen Playern gnadenlos manipuliert. Nur wir Dummen glauben immer noch an diese Fata Morgana. Inzwischen haben die Großen längst ihre Monopole aufgebaut - von "Wettbewerb" keine Rede mehr.

 
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    Kiew

    Es ist wohl meine eigenste Sache, an einem Wettbewerb teilzunehmen. Wenn ich ihn nicht für sinnvoll halte, nehme ich nicht teil. Darüber zuschimpfen, ist überflüssig nd kostet nur Zeit und Nerven!

     
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      unholdenbank

      Ja, lieber @KIEW, das können Sie halten wie Sie wollen, aber über MEINE Zeit und MEINE Nerven möchte schon ich befinden und verweigere Ihnen das Recht über MEINE Zeit und MEINE Nerven zu befinden und zu urteilen. So ist wohl eher Ihr Kommentar überflüssig, wenn nicht sogar hyperfluid.

       
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    rebuh

    wozu so ein langer artikel, wenn sie eh mit vier worten alles gesagt haben, ENTTÄUSCHTEN HOFFNUNGEN DER ELTERN! den kleinen ist es vollkommen egal wie z.b. das fußballspiel geendet hat.

     
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nutzer

Ein Architekt im Publikum hat's zum zugegebenen Versagen der Bürgermeisterin beim Hauptplatz auf den Punkt gebracht: die teils chaotisch entstanden Ergebnisse sollen von einem beauftragten Team, das das Vertrauen des Geminderates hat, geordnet werden, und wenn man dann weiss was man braucht und will macht man damit einen Wettbewerb.

Wieso man das nicht zusammenbringt und sich die Politiker auf unserem Rücken weiter derart verzetteln, tut ganz schön weh!

 
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    senf

    @nutzer: eine interessante darstellung von Ihnen, vielleicht zur manipulation der leser hier im forum. sie werfen blanik "zugegebenes versagen" vor. sie meinte - wie oben berichtet - dass der versuch der öffentlichen kommunikation gescheitert ist. eine schuldige wurde gefunden - mehr nicht.

    seit etwa 25 jahren wird über die neugestaltung des hauptplatzes diskutiert, geplant und geld ausgegeben. zuerst von der schwarzen, dann von der roten fraktion. wer diesen werdegang mit den laufenden forderungen verfolgt hat, dem kommen vor lauter schuldzuweisungen fast die tränen. oder das lachen.

    noch immer ist der beiteiligungsprozess im gange, den die aktuelle stadtführung mit ihren abteilungen leitet. der anrainerverein hat seine wünsche eingebracht und stellung bezogen, bürger wurden beteiligt, mit vereinsobleuten wurde gesprochen, ein künstler hat seine idee vorgestellt, aber bisher wurde kein stein am platz umgedreht. die palmen werfen weiterhin ihren schatten und der gast ist in der diskussionsferne vom stadtkern lienz immer noch begeistert. ich übrigens auch!

    und jetzt kommts, wie es im regionalen denken kommen musste: einige osttiroler architekten vereinen sich zu einer plattform und fordern mit unterstützung ihrer interessensvertretung das alleinrecht zur planung der platzumgestaltung, ja mehr noch, sie wollen ganze stadtviertel in den fokus nehmen, so mein eindruck.

    ob das der richtige weg ist sei dahingestellt, denn wie man oben list, gab es in der gemeinde fließ erst nach einem achtstufigen entwicklungsverfahren einen wettbewerb, den interessanterweise ein innsbrucker architekt gewann.

    die osttiroler architektengesinnung scheint da etwas anderes zu sein, zum zug soll anscheinend nur jemand aus der eigenen reihe kommen. ob das dem wohnzimmer der lienzer gut tut?

     
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