Architektenkammer fordert Hauptplatz-Wettbewerb

Offener Brief der Standesvertretung an Elisabeth Blanik und den Lienzer Gemeinderat.

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Dipl.-Ing. Blanik,
sehr geehrte GemeinderätInnen!

Besorgt beziehen wir Stellung zu den Entwicklungen um die Neugestaltung des Lienzer Hauptplatzes. Wir fordern die Stadtführung auf, der Verantwortung um öffentliche Mittel und Anliegen gerecht zu werden und ein Qualitätsverfahren auszuloben, bei dem auch ArchitektInnen und LandschaftsplanerInnen maßgeblich eingebunden sind.

In der Sondersitzung des Gemeinderates Ende letzten Jahres „warnten“ Sie vor der Ausschreibung eines europaweiten Architekturwettbewerbes, und dass damit alle bisherigen Ergebnisse der Arbeitsgruppe und Ausschüsse mit einem Schlag zu den Akten gelegt werden müssten. Sie behaupteten, dass man ein SiegerInnenprojekt nicht nur prämieren, sondern auch umsetzen müsse.

Die Architektenkammer will ein ausgelobtes Qualitätsverfahren für den neuen Lienzer Hauptplatz. Visualisierung: Stadt Lienz

Diese Aussagen sind irreführend und falsch. Die Auslobung muss nicht zwingend europaweit offen erfolgen. Bisherige Ergebnisse sollen als Vorgabe in die Gestaltung einfließen.

Seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigt sich die Stadt mittels Ausschüssen und einer Arbeitsgruppe mit der Neugestaltung des Lienzer Hauptplatzes. Jetzt, nachdem ein intransparent zustande gekommener Vorschlag samt Gegenvorschlag präsentiert wurde, soll ein Mitspracheprozess eingeleitet werden und die OsttirolerInnen nach ihren ldeen befragt werden. Das hätte viel früher geschehen sollen, ist jedoch ein guter Weg. Die erarbeiteten Ideen und Wünsche sind zusammen mit den breiten Anforderungen, die an die Neugestaltung gelegt werden, gute Grundlagen, einen Architekturwettbewerb auszuloben. Als Ergebnis erhält die Stadt vielfältige Gestaltungsvorschläge, aus denen ein unabhängiges Preisgericht das beste Projekt zur Umsetzung empfiehlt. Selbstverständlich nach den Vorgaben, die an die Nutzung, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gestellt sind. Selbstverständlich unter Einbindung von VertreterInnen von Stadt und lnteressensgruppen in die Entscheidung. Selbstverständlich auch mit der Möglichkeit, Änderungsvorschläge einzubringen. Im Zuge dessen sollte den Osttiroler KünstlerInnen Gelegenheit gegeben werden, sich zu Kunst am Bau einzubringen.

Es entsteht derzeit leider der Eindruck, der Einbezug der BürgerInnen ist ein gefälliger Vorwand, die Stadtführung will aber in der Folge selbst und nach persönlichen Präferenzen bestimmen. Nur mit offener und transparenter Vergabe kann die Stadt der Verpflichtung aus dem baukulturellen Anspruch heraus gerecht werden, geht es doch um ein öffentlich finanziertes, zukunftsweisendes Projekt, das Generationen dienen und erfreuen soll und einen wertvollen Beitrag zur Identität und zum Zusammenleben in der attraktiven Stadt leisten soll.

Die Stadtführung und auch das Stadtbauamt dürfen sich nicht anmaßen, die Planung und Gestaltung selbst in die Hand nehmen zu wollen. Vielmehr sollte sie ihrer öffentlichen Verantwortung nachkommen und um das beste Verfahren bemüht sein. Es gilt Beläge, Bepflanzungen, Stadtmöblierung, Bespielung, Beleuchtung und mehr zu berücksichtigen. Damit sollten jene betraut werden, die das am besten können, nämlich ArchitektInnen und LandschaftsplanerInnen.

Ein Architekturwettbewerb bietet die beste Möglichkeit, unter Berücksichtigung aller Vorgaben des vorangegangenen Prozesses hochwertige Gestaltungsvorschläge zu erhalten. Die Verfahrenskosten betragen einen Bruchteil der Realisierungskosten. Oft können diese schon durch die Projektauswahl wieder amortisiert werden.

Daher fordern wir die Durchführung eines Architekturwettbewerbes zur Neugestaltung des Lienzer Hauptplatzes, allenfalls nachdem Beteiligte und BürgerInnen ausreichend zu Wort gekommen sind bzw. der vorgeschlagene Ideenwettbewerb der BürgerInnen tatsächlich Anregungen geliefert hat, die umgesetzt werden sollen.

Wir fordern ein klares Bekenntnis der Stadtführung zur baukulturellen Verantwortung und den Einbezug der Osttiroler ArchitektInnenschaft in die künftige bauliche Entwicklung der Stadt, besonders auch bei der Verfahrensauswahl. Die Plattform „Architektur und Osttirol“, der fast alle Osttiroler Architekturschaffenden angehören, bittet darum um einen zeitnahen, konstruktiven Austausch.


Unterzeichnet von:

Architekt Dipl.-Ing. Christian Höller (Vorsitzender der Sektion ArchitektInnen) und Architekt Dipl.-Ing. Hanno Vogl-Fernheim (Präsident) – Kammer der Ziviltechniker, Ingenieure und Architekten West (Tirol und Vorarlberg)

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8 Postings

reiner764@gmail.com

Es hat sich noch jede(r) Bürgermeister(in) sein(ihr) Denkmal gesetzt,Also gönnt Ihr das doch.

 
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nutzer

Gut so! gibts ja wohl nur bei uns, dass sich die Beamten im öffentlichen Dienst mit unseren Geldern verwirklichen wie ihnen beliebt.

 
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steuerzahler

Jetzt werden's plötzlich munter in der Architektenkammer. Wo waren sie in den letzten Jahrzehnten? Besser einfach weiterschlafen oder diese Kammer gleich abschaffen.

 
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unholdenbank

So, jetzt versuche ich mal für alle die wunderschönen Plätze in Lienz und Umgebung nachzuvollziehen, wo es Architektenwettbewerbe gegeben hat und wo diese zu einer architektonisch wertvollen Lösung geführt haben: 1) Finanzamt Lienz 2) Baumax/Obi Lienz 3) Raiffeisengelände mit Werkstätte, Viehversteigerungshalle, HG-Markt, Tankstelle 4) Megamarkt Debant mit FMZ Debant 5) Osttirodler 6) Wohnpark Süd 7) Hofgarten Lienz 8 ) Parkplatz Stegergarten 9) Mischfuttersilo usw. Alles architektonisch liebenswerte Ensembles, die geradezu charakteristisch für das elegante Flair von Lienz sind (Ironie off für die Blitzgneiser)

 
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senf

schon etwas eigenartig, die forderung der architektenkammer. da wird ein architekturwettbewerb eingefordert der auf der basis eingegangener vorschläge und einbindung von stadtvertretern und interessensgruppen zur auslobung kommt. ein "qualitätsverfahren" bei dem auch architekten und landschaftsplaner maßgeblich eingebunden sind.

und danach gibt es "selbstverständlich" die möglichkeit, änderungsvorschläge einzubringen, im zuge dessen auch osttiroler künstler gelegenheit haben, "sich zu kunst am bau einzubringen".

nach welchen kriterien sollen w e l c h e architekten und landschaftsplaner in das "qualitätsverfahren" eingebunden werden? nach gutdünken oder öffentlichen aufruf zur mitarbeit?

es wird wohl doch noch einer politische entscheidung bedürfen, wohin die reise der hauptplatzgestaltung gehen soll, was ja mit einbeziehung der Bevölkerung und der anliegerschaft bereits passiert ist. was hier geforder wird, ist also ohnehin zum großteil bereits passiert.

ich kann mich nicht erinnern, dass es bei der gestaltung der oberen stadtkerne (johannisplatz ...) so kompliziert hergegangen ist und anscheindend erfreut man sich dort an der gelungenen gestaltung.

die architektenkammer fordert weiters die einbeziehung der osttiroler architkten/inneschaft in künftige bauliche abwicklungen der stadt. ja reicht der wettbewerb dafür nur bis an die bezirksgrenze?

ist hier jemand beleidigt und warum?

 
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    nutzer

    Die Vorarlberger sind ein gutes Vorbild. In vielen Gemeinden ist die Bevölkerung anfangs eingebunden und wenn man dann weiss was man will, gibts einen Wettbewerb um den Ideen eine Form zu geben. Dort schätzt man die gute Gestaltung dann auch.

     
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Macki

Hat Frau Blanik (studierte Architektin) also absichtlich den Gemeinderat angelogen damit in ihrem Sinne abgestimmt wurde?

Und jetzt beruft sie sich laut anderen Medien auf diesen Gemeinderatsbeschluss.

 
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    unholdenbank

    Jemanden absichtlich der Lüge zu bezichtigen, ist strafrechtlich nicht ungefährlich. Selbst, wenn es als Frage formuliert wird.

     
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