Umfahrung Greifenburg laut Experte UVP-pflichtig

Robert Unglaub im Interview: In seinem Gutachten widerspricht der Raumplaner den Aussagen des Landes.

Seit Ende 2021 liegt für die Umfahrung von Greifenburg eine straßenrechtliche Bewilligung vor. Der Verein „Lebensraum Oberes Drautal“ wehrt sich vehement gegen die neue Straße, die entlang der Bahntrasse von Radlach bis Berg führen soll. Die Projektgegner betonen, nicht per se gegen eine Umfahrung zu sein. Man wünscht sich eine flächenschonendere Straße – beispielsweise jene Variante, die schon 2009 ein UVP-Verfahren überstanden hat und den Verkehr mit zwei Unterflurtrassen an Greifenburg vorbeileiten sollte.

Das Land zog das Projekt damals aus Kostengründen zurück und verfolgt nun andere Pläne. Der Verein hat, wie berichtet, über eine steirische Bürgerinitiative Beschwerde gegen die Bewilligung der neuen Variante erhoben. Aktuell setzt sich das Kärntner Landesverwaltungsgericht damit auseinander. Der 116-köpfige Verein hat in der Zwischenzeit den Landschafts- und Raumplaner Robert Unglaub damit beauftragt, das Vorhaben zu prüfen.

Unglaub, der auch ein Büro für Umweltprüfungen leitet und sich seit 30 Jahren mit Großverfahren befasst, hat dem Gericht ein 37 Seiten starkes Gutachten übermittelt. In den betroffenen Gemeinden hat indes die Kärntner Landesregierung einen Postwurf mit dem Titel „Fakten zum Sicherheitsausbau“ verteilt. Im Interview mit dolomitenstadt.at geht Unglaub auf die vorgebrachten Punkte ein.

Raumplaner Robert Unglaub in Greifenburg. Hinter ihm soll künftig der Verkehr rollen. Foto: Dolomitenstadt/Wagner

Herr Unglaub, wie schätzen Sie dieses Straßenvorhaben generell ein?

Ich sehe hier einen schnellstraßenartigen Ausbau, der auf Durchzugsverkehr ausgelegt ist. Das ist nicht nur angesichts der Klimaziele kontraproduktiv, weil die Attraktivität dieser Ost-West-Achse durch das Drau- und Pustertal erhöht wird.

In dem Postwurf der Kärntner Landesregierung ist von einer Nutzwertanalyse die Rede. Im Vergleich mit der von der Bürgerinitiative favorisierten Unterflurtrasse würde die bahnparallele Straße deutlich besser abschneiden. Wie sehen Sie das?

Ich habe mir das genauestens angesehen. Fachlich liegt hier eine recht schwache Nutzwertanalyse vor, weil wichtige Kriterien wie die Auswirkungen auf das Natura-2000-Gebiet an der Drau außer Acht gelassen wurden. Die neue Straße nähert sich diesem Gebiet gefährlich an, natürlich hat das Folgen.

2009 wurde die Umfahrung mit Unterflurtrassen nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) genehmigt. Auch damals wurde eine bahnparallele Variante geprüft. Wie sah das Ergebnis aus?

Die Straße neben dem Bahndamm, die nun von der Politik forciert wird, wurde damals im UVP-Verfahren als schlechteste aller Varianten angesehen. Deshalb wundert es mich, warum diese Straße plötzlich besser beurteilt wird.

Einige Argumente der Landesregierung im Vergleich zur ortsnahen Umfahrung: Die bahnnahe Straße sei kürzer, verbrauche weniger Fläche und würde mit 16 Hektar ökologischer Ausgleichsflächen kompensiert werden. Bei einem Bau mit Unterflurtrassen wäre auch keine landwirtschaftliche Nutzung mehr möglich.

Ich habe gerätselt und deshalb nachgemessen: Die ortsnahe Umfahrung mit den Tunnels würde nicht mehr, sondern 3,1 Hektar weniger Fläche verbrauchen. Die Unterflurtrassen würde man mit 90 Zentimeter Boden überschütten und wieder landwirtschaftlich nutzen können. Das hat selbst der landwirtschaftliche Gutachter im damaligen UVP-Verfahren bestätigt. Nur beim Ackerbau könnte es Einschränkungen geben.

Zum Thema Naturschutz: Angeblich werden für die bahnparallele Umfahrung 6,5 Hektar wertvoller Biotope zerstört. Laut den Projektgutachten sind es 7,6 Hektar. 70 Prozent der Ausgleichsflächen befinden sich in rund 25 Kilometern Entfernung. Sie dürfen nach den geltenden Naturschutzvorschriften gar nicht als Kompensation für die Schädigungen des benachbarten Natura 2000-Gebiets „Obere Drau“ angerechnet werden. Als ersten Schritt des Prüfverfahrens ist der Straßenbau nämlich verpflichtet, eine naturverträglichere Trasse zu suchen. Dies ist jedoch nicht geschehen.

Die spannendste Frage ist natürlich jene nach der UVP. Das Land Kärnten beruft sich auf mehrere Gutachten und behauptet, dass für die bahnparallele Trasse keine UVP nötig sei. Stimmt das?

Wenn man rein nach österreichischem UVP-Gesetz geht: Ja. EU-Recht steht aber über nationalem Recht und die EU-UVP-Richtlinie, die vom UVP-Gesetz hierzulande eigentlich umgesetzt sein muss, sieht ganz klar vor, dass bei Schnellstraßen, die dem ‚Europäischen Abkommen über Hauptstraßen des internationalen Verkehrs‘ entsprechen, eine UVP-Pflicht gilt.

Die geplante Kreuzung mit der Weißensee-Landesstraße beurteilt der Experte als Indiz für eine Schnellstraße. Visualisierung: Land Kärnten

Die geplante Umfahrung erfüllt diese Kriterien unter anderem durch die niveaufreie Kreuzung mit der Weißensee-Landesstraße. Auch das blaue Autostraßen-Schild wird aufgestellt, was bedeutet, dass der nicht motorisierte Verkehr draußen bleiben muss. Es werden sämtliche Kriterien einer Schnellstraße erfüllt, daher ist eine UVP-Pflicht gegeben.

Dolomitenstadt-Redakteur Roman Wagner studierte an der FH Joanneum in Graz Journalismus und Public Relations. Er ist Reporter mit Leib und Seele, am liebsten mit Mikrophon und Kamera unterwegs und leitet das Sportressort bei Dolomitenstadt.

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satyr

Einmal mehr zur Erinnerung an die Ökophantasten zum Thema Bahntransport. Die meisten Bahnhöfe wurden in den letzten Jahren für Frachten geschlossen.

Jedes Kilo Fracht das die Bahn nach Osttirol liefert fährt von Villach bis zum Empfänger in Osttirol neben der Schiene auf dem LKW.

Der Glaube daß die Bahn daran was ändert ist schon lange gestorben.

Einzige Ausnahme ist Rundholz das in Thal ausgeladen wird wie jeder Autofahrer gelegentlich mitbekommt. Der Frachtenbahnhof Lienz ist schon lange geschlossen. Dafür gibts dort Schuh und Fetzengeschäfte, dafür ist in der Stadt manches Schaufenster zugeklebt.

 
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Enkeltauglich

Fragen - auch an Unglaub 1. Die UVP stammt aus Dörfners Zeiten. Schließen Sie aus, daß damals nicht gestrickt wurde? Da gibt es das Gerücht, dass ein bestimmtes Gasthaus an die Trasse anzubinden war. 2. 700m Unterfur. Wieviel Beton und Baustahl wird dafür benötigt. Wieviel CO2 entsteht dabei? Wurde das in der damaligen UVP berücksichtigt? 3. Um wie viel ist die UVP. Trasse länger? Wie viel Co2 entsteht im Verkehr durch die Straßenmehrlänge bei der UVP-Trasse?

Bei jeder Trasse wird es Gewinner und Verlierer geben.

Bitte um Antwort zu den Frahen

 
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    senf

    @enkeltauglich; es wird gewinner geben, denn der größte verlierer steht längst fest, es ist derzeit die geplagte bevölkerung von greifenburg und in summe die die umwelt des drautales und sogar der verkehr selbst (ich höre den aufschrei). in allem, was wir tun, wird es pro- und kontrastimmen geben, fachlich, im eigennutz, vertretbar und sogar böswillig oder spekulativ und das alles ist ja teil eines demokratischen prozesses in der projekt-entscheidungsfindung. dafür gibt es heutzutags auch instrumente, nach denen man üblicherweise vorgeht.

    wenn nun nach jahrzehntelangen diskussionen eine entscheidung gefallen ist, dann soll man den mut zum nächsten schritte haben. ich sehe in der jetzigen variante enkeltauglich, um das wort des tiroler landesjägermeisters hier zu zitieren und wenn das vorhaben der öffentlichkeit übergeben wird, werden sich hoffentlich noch alle anwohner die hand reichen können. so wie in steinfeld oder in sachsenburg.

     
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Leon Wolf

Man benötigt überhaupt keine Umfahrung für Greifenburg. Wenn die Fracht schon nicht direkt mit dem Zug kommt kann man es auch anders lösen: Und zwar mit einer RoLa (Rollende Landstraße). Da könnte man z.B. alle LKWs in Lendorf hinter der Autobahnausfahrt auf den Zug fahren lässt, der denn zur schon existierenden Verladestelle am Brenner fährt. Dazu müsste man aber die Bahnstrecke Spittal Millstättersee bis Franzensfeste/Fortezza verzweigleisigen um den nötigen Takt zu ermöglichen. Dadurch wäre die Straße massiv entlastet und die Schadstoffausstöße im Drau/Pustertal viel weniger.

 
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    steuerzahler

    Die LKW's sollten nicht erst in Lendorf verladen werden, sondern bereits dort, wo sie ursprünglich losfahren. Auf der Autobahn sind längst viel zu viele unterwegs. Fracht gehört auf die Bahn und die dazu erforderlichen Frachtlinien unterirdisch.

     
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      Leon Wolf

      Tja, das funktioniert so leider nicht so einfach. Kaum ein Unternehmen hat überhaupt die Möglichkeit eine Anschlussbahn zu errichten. Außerdem ist eine Autobahn dafür gebaut, das sie viele LKWs benutzen. Die Straße durchs Drau/Pustertal nicht. Deshalb finde ich das man das vorerst hier umsetzen sollte.

       
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      steuerzahler

      Jeder LKW kann von seinem Beladepunkt zum nächsten Bahnhof fahren und dort auf den Zug. Diese LKW's können am Endpunkt der Bahnreise abgeholt werden und zum Ziel fahren. Die Autobahnen sind längst von Lastern überlastet. Ausserdem fahren sie zu schnell und viel zu lange (Arbeitnehmerschutz??)

       
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miraculix

Der Plan ist wenig verwunderlich: Österreich ist europäischer Meister bei der Bodenversiegelung pro Einwohner*in und möchte diesen ruhmreichen Titel offenbar mit allen Mitteln verteidigen.

 
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    isnitwahr

    ja leider, eigentlich unvorstellbar! es wird getrickst, verheimlicht und gelogen, dass sich die Balken biegen. Als Arzt, Architekt, Lehrperson, in Gesundheitsberufen... muss ich ein bestandenes Studium vorweisen, als Maler, Maurer, Mitarbeiter im Verkauf, Friseur und und und eine abgeschlossene Ausbildung, was qualifiziert einen als Politiker, der die Geschicke und die Zukunft einer Nation lenken soll?

     
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Burgi

Sorry, ich meinte "Lebensraum oberes Drautal"

 
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Burgi

Das ist ja haarsträubend, wie man die Leute anlügt und versucht, ihnen die schlechtestmögliche Variante anzudrehen!!! Nämlich die, die am meisten Böden und Natur zerstört und auch noch mehr Transit ins Drau-und Pustertal bringen wird! Dass es eine Entlastung des Ortskerns in Greifenburg braucht, ist klar! Aber in Zeiten des Klimawandels muss man drauf bestehen, dass es die klimaschonendste Variante ist! Danke an den Verein "Lebensraum oberes Pustertal" für euren Einsatz!

 
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    senf

    liebe burgi, fein, dass du den greifenburgern die längst fällige verkehrsentlastung zugestehst. und in der variantenfrage lass ma amol die leut weiterhin an haufen geld verdienen oder glabst wirklich, dass des wunderwuzzis sind, die diese ernsthafte angelegenheit zu ihrem hobby machen? i ned!

    aber warum hast die denn nit beschwert, dass man im frühjahr die drautalstraße ab steinfeld bis zum autobahnanschluss lendorf fast durchgehend neu asphaltiert hat. i hab mi schon a bissal gwundert, aber i hab sie schon, die schuldign. wahrschinlich warens die frächter mit ihren schweren holzbeladenen sattelschlepper mit den LZ nummantafalan. i hab mi a immer schon gwundert, warum der osttiroler holzfabrikant in stanfeld keine bahnanbindung hat, der untere in sachsenburg sehr wohl. kein aufschrei?

     
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      Burgi

      @Senf: Hast eh recht! Warum hast du nicht dagegen protestiert? Vielleicht wäre es dann anders gekommen!? Solche Firmen ohne Bahnanbindung gehören heutzutage prinzipiell verboten und die Bahn ausgebaut! Wir alle miteinander müssen dafür sorgen, dass wir es in Zukunft besser machen! Und ich persönlich protestiere vehement gegen den bahnparallelen, Schnellstraßen-artigen Ausbau der Umfahrung Greifenburg! Ach ja nochwas, Senf: für die Unterflurtrasse als Alternative war ich immer schon!

       
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      senf

      also burgi, du gehst schon hart ins gericht. "Firmen ohne Bahnanbindung ..." vielleicht sollte man sich doch vorher umfassender informieren, denn zu schnell läuft man gefahr, nicht ernst genommen zu werden. und noch was: bist du wirklich in der lage, die unterflurvariante objektiv zu beurteilen? egal, wie gsagt, jetzt gehts amal ums geld verdienen. es liegt ja auf der straße, haha. unbeteiligte und allerlei wichtigtuer wie die vielen selbsternannte experten - die sich die jobs gegenseitig zuschieben - werken da gleichermaßen.

      erst dann werden die greifenburger endlich wieder aufatmen können. in fünf, zehn oder noch mehr jahren! derweil fahrn wir mit dem floss nach sachsenburg.

       
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      Burgi

      @senf 1. ich sagte: solche Firmen..... 2. Ich kann es nicht beurteilen, aber Gutachter, wie Herr Unglaub, können es und seine Argumentation ist sehr schlüssig (im Gegensatz zu jener des Landes Kärnten!) 3. Wir haben laut Weltklimarat noch 10 Jahre Zeit, das Ruder herumzureißen, um das 1,5 Grad-Ziel nicht zu überschreiten! Das bedeutet: das vorrangige Ziel ist Überleben und nicht der Profit. Wir müssen uns ab sofort um die jeweils klimafreundlichsten Lösungen bemühen, weil wir es den nächsten Generationen verdammt noch mal schuldig sind! 4. Du musst nicht mit dem Floß fahren, nimm den Zug!

       
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