„Das ist der richtige Bereich für mich.“

Hannah Walder blickt auf ein bewegtes freiwilliges Jahr im SOS-Kinderdorf Nußdorf-Debant zurück.

„Gemeinsam mit meinem Opa habe ich im Internet nach so einer Möglichkeit gesucht“, erzählt Hannah Walder, als sie ein paar Monate später im SOS Kinderdorf in Nußdorf-Debant sitzt. Von der Möglichkeit, mit Kindern zu arbeiten, träumt sie schon lange. Vor einem Jahr hat die 19-Jährige am BORG Lienz maturiert. Ihr Wunschstudium hatte sie damals schon im Kopf: Erziehungswissenschaften. „Ich wollte vorher unbedingt in diesen Bereich hineinschnuppern, um zu spüren, ob es wirklich das ist, was ich will“, erklärt Hannah ihren vernünftigen Plan.

Das passende Angebot war schnell gefunden. Seit September absolviert sie im Kinderdorf ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ). Für Hannah bedeutet das FSJ neben dem Einblick in den Arbeitsalltag auch ein Jahr mehr Zeit für die Berufsorientierung. Dazu bekommt sie ein Taschengeld in Höhe von 270 Euro pro Monat sowie Familienbeihilfe und ein Jugendticket für die Öffis.

„Gepaart mit der Persönlichkeitsentwicklung, Horizonterweiterung und nicht zuletzt der unvergesslichen Zeit ergibt das ein tolles Angebot“, so Hannah. Für die 19-Jährige geht dieser besondere Lebensabschnitt bald zu Ende, am 15. Juli wird sie zum letzten Mal ihre Gruppe vom Kindergarten abholen, zum Fußballtraining bringen oder ins Kino begleiten.

Hannah Walder absolviert im SOS-Kinderdorf ein freiwilliges soziales Jahr. Foto: Dolomitenstadt/Wagner

Der Abschied fällt ihr schwer. „Es ist unglaublich schwierig, eigentlich will ich gar nicht gehen. Wir sind hier wie eine kleine Familie“, schwärmt die Abfaltersbacherin. Während der letzten zehn Monate hat sie sich um bis zu acht Kinder gekümmert. Erst vor einigen Tagen habe die sechsjährige Mathilda versucht, sie mit einer Umarmung vom Bleiben zu überzeugen. „Wer bei uns ein FSJ absolviert, ist von Montag bis Freitag für die Kinder da. Auch Hannah ist deshalb zu einer wichtigen Bezugsperson geworden“, erklärt der pädagogische Leiter in Nußdorf-Debant, Egon Wibmer.

Doch Hannah hat versprochen, die Kinder bald zu besuchen. Nicht nur für die Knirpse, auch für die angehende Studentin war es eine Orientierungsphase mit Mehrwert. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich mir viel mehr zutrauen kann, als ich das bisher getan habe“, erzählt Hannah. Mit dem gesteigerten Selbstvertrauen tritt sie in einigen Wochen ihr Studium in Innsbruck an: „Jetzt bin ich mir sicher, dass das der richtige Bereich für mich ist.“ Wer es Hannah gleichtun will, sollte sich beeilen: Im SOS-Kinderdorf ist für den nächsten Starttermin im Herbst noch ein Platz frei. Kleiner Tipp für die Burschen: Ein freiwilliges soziales Jahr ist auch als Zivildienst anrechenbar.

Dolomitenstadt-Redakteur Roman Wagner studierte an der FH Joanneum in Graz und ist ein Reporter mit Leib und Seele. 2022 wurde Roman vom Fachmagazin Österreichs Journalist:in unter die Besten „30 unter 30“ gewählt.

Das könnte Sie auch interessieren

„Erwachsen werden“ – Eine Skulptur für das Kinderdorf

In 240 Arbeitsstunden schufen Matthias Karre und Raphaela Leitgeb ein besonderes Kunstwerk.

1

Keine Postings

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren