Aus für „Gletscherehe“: Grüne wollen Raumordnung ändern

Gebi Mair: „Der Sinneswandel ist jetzt da und die Landespolitik soll diese Signale hören“.

Nach dem Aus für den Zusammenschluss der Pitztaler und Ötztaler Skigebiete durch das Nein der Bevölkerung von St. Leonhard im Pitztal bei einer Volksbefragung haben die Tiroler Grünen auf Änderungen im Raumordnungsprogramm gedrängt. Dort sollen laut Landtagswahl-Spitzenkandidat Gebi Mair die als „Erweiterungsflächen“ ausgewiesenen Gletscher-Flächen herausgenommen werden. Umgesetzt werden soll diese Änderung noch durch die bestehende schwarz-grüne Koalition, drängte Mair.

Damit nahm er Koalitionspartner ÖVP in die Pflicht. „Der Sinneswandel der Bevölkerung in Sachen Gletscherschutz ist jetzt da und die Landespolitik soll diese Signale hören“, meinte Mair am Montag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Aktuell bestehe die generelle Chance, „in neue Zeiten zu gehen“ und die ÖVP hätte die Möglichkeit, „dabei mitzugehen“, so der grüne Klubobmann.

Gebi Mair (Grüne) will mit dem Koalitionspartner ÖVP noch vor der Wahl über das Seilbahn- und Skigebietsprogramm diskutieren. Foto: Expa/Groder

Man dürfe die Verantwortung jedenfalls nicht nur auf die Einwohner von St. Leonhard im Pitztal abschieben, die das seit 2016 geplante und schließlich stillgelegte Projekt endgültig zu Fall brachten. „Es gibt eine gesamtpolitische Verantwortung, auf dieses Stimmungsbild zu reagieren“, so Mair. Neben den notwendigen Änderungen in Raumordnungsprogramm, um den „Gletscherschutz außer Frage zu stellen“, will man mit dem Koalitionspartner auch baldigst etwa über das Seilbahn- und Skigebietsprogramm diskutieren und generell in Richtung „klimaneutraler Tourismus“ vorstoßen, kündigte Mair an.

Neben den Tiroler Grünen reagierte auch die oppositionelle „Liste Fritz“ auf das „Gletscherehe“-Aus. Für diese kam das „Nein der Pitztaler Bevölkerung nicht wirklich überraschend“. Das Votum reihe sich ein in eine „Grundstimmung in Tirol, die Menschenschutz und Naturschutz vor Wirtschaftsmacht und Lobbyinteressen stellt“, erklärte Klubobmann Markus Sint in einer Aussendung.

Vor dem „Gletscherehe“-Aus und der Volksbefragung hatte es jedenfalls bereits eine Petition „Nein zur Gletscherverbauung Pitztal-Ötztal“ mit rund 170.000 Unterschriften gegeben. Deren Initiator sprach am Montag erneut davon, dass die Zerstörung durch den Skigebiet-Zusammenschluss „massiv“ gewesen wäre.

Auf die Frage „Soll der Skigebiet Zusammenschluss Pitztal-Ötztal gebaut werden?“ antworteten am Sonntag 353 Stimmberechtigte in St. Leonhard mit „Nein“ (50,36 Prozent), 348 (49,64 Prozent) waren dafür (Wahlbeteiligung: 59 Prozent). Gleich darauf erklärten die Verantwortlichen der Pitztaler Gletscherbahn, das Interesse an der Fortführung des Projektes verloren zu haben. „Die Zustimmung der Standortgemeinde war für uns von Anfang an die Grundvoraussetzung dafür, einen Zusammenschluss mit dem Ötztaler Gletscher bzw. mit dem Skigebiet Sölden anzudenken und zu planen“, hieß es seitens der Bahn.

Der Gegenwind gegen die „Gletscher-Ehe“war jedenfalls massiv gewesen. Eine Allianz bestehend aus WWF und Alpenverein hatte sich vehement gegen die Fusion gewehrt. Bei einem Investitionsvolumen von 130 Mio. Euro wären beim Zusammenschluss drei neue Seilbahnen und 60 Hektar zusätzliche Pisten vorgesehen gewesen. Die „Gletscher-Ehe“ lag allerdings bereits seit Jahren auf Eis. Eine für Anfang 2020 anberaumte mündliche Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) war zuletzt vertagt worden. Die UVP war ruhend gestellt, aber – weil einige Unterlagen nicht mehr dem neuen Stand entsprächen – nicht abgeschlossen worden, hatte Landesumweltanwalt Walter Tschon auf eine APA-Anfrage im April mitgeteilt.

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13 Postings

SCHWARZER Hannes

Wo auf steile Bergeshöhen einsam Gondelbahnen zieh′n, Kann man schon von ferne sehen, wie Millionen Schlange steh'n. Und die Sennen hört man jodeln von den Almen froh und hell. Sie sind längst nicht mehr die Dodeln, jeder hat sein Schihotel. .................. Und seit vielen langen Wintern schleppt man gern zum gleichen Preis Jeden noch so fetten Hintern bis hinauf in′s ew′ge Eis.

Wo die Pistenraupen tanken, wo die Schneekanonen sprüh'n, Wo die kranken Tannen wanken, riecht's nach Diesel und Benzin. ..................

Wo einst Gams und Murmel pfiffen, wo man einsam war und frei, Hat man ziemlich rasch begriffen, fehlt ein Liegestuhlverleih.

Rainhard Fendrich, Heimatlied (fast so gut wie der Mitterer)

 
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Burgi

"Ein Sieg der Vernunft" kann man zu dieser Entscheidung nur sagen! In Zeiten des Klimawandels noch Gletscherskigebiete einzurichten, ist pure Geld- und Energievernichtung! Vielen Dank an die NGOs, die Petitionsbetreiber und die Bevölkerung von St. Leonhard im Pitztal!

 
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    iseline

    In diesem Fall muss auch die liste fritz erwähnt werden, die als einzige Partei im Landtag eine Anfrage für ein 5-jähriges Moratorium für Schigebietserweiterungen und Zusammenschlüsse eingebracht hat. Diese Anfrage wurde leider von keiner Partei, auch nicht von den Grünen mitgetragen.

     
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      senf

      auf den punkt gebracht!

       
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      MWN

      Gerade die Tiroler Grünen lagern den Umweltschutz gerne nach Osttirol aus, damit sie in Nordtirol alles machen können was die Großköpfigen anschaffen. Danke Ingrid!

       
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hunter

keine Skigebietserschließungen dafür Windparks in den Alpen ... großartig was die Grünen so beitragen ... hoffentlich nicht mehr in der nächsten Landesregierung

 
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    Franz Brugger

    Also möchten Sie noch neue Schigebiete???

    Wird spannend, die Kosten für den Kunstschnee, da wird es wohl pro Schigebiet windräder brauchen. :_)

     
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      isnitwahr

      genau, nur wenn das Wasser knapp wird, gibts auch keinen Schnee mehr, weder natürlichen noch künstlichen!

       
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    isnitwahr

    Sie sollten Ihren Kopf aus dem Sand ziehen und sich die Wirklichkeit anschaun

     
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MWN

Ein „Gletscher“ ist der räumlich zusammenhängende Eisstrom einschließlich seines Nähr- und Zehrgebiets, aber ohne das Einzugsgebiet. Ob es dann, wenn die Politik dem Vorschlag von Mair folgt, überhaupt noch Gletscher geben wird, ist ziemlich fraglich. Man sollte sich daherr schon einmal Gedanken über die Nachnutzung der Flächen machen.

 
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    isnitwahr

    statt Nachnutzung ginge auch keine Nurzung

     
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      MWN

      Ja, das ginge und wäre zweifellos die beste Lösung. Aber der Tourismus! Man muss den Gäschten ja was bieten, und wenn´s keinen Schnee mehr gibt, machen wir halt Biketrails oder sonst irgendwas. Die Möglichkeiten die Natur zu ruinieren sind fast unerschöpflich.

       
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Stadtner

Ist der Gebi vor der Wahl drauf gekommen, dasser ein Grüner ist. Sie sitzen seit 2013 mit der ÖVP in der Regierung und haben alles was von ÖVP gekommen ist abgenickt. Gebi und die Grünen sind Rosstäuscher und wollen uns vor Wahl für dumm verkaufen.

 
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