Klimawandel hat Einfluss auf die Kartoffelernte

Drahtwürmer sorgen für Ernteausfälle in Niederösterreich. In Osttirol hingegen „gute bis sehr gute Ernten“.

Kartoffeln werden in fast allen Gebieten der Erde angebaut – rund 5.000 essbare Sorten des hoch anpassungsfähigen Gemüses sind derzeit bekannt. Doch klimatische Veränderungen machen der Knolle zu schaffen. Im Hauptanbaugebiet Weinviertel forderten heuer Hitze und lange Trockenperioden im Sommer sowie verspätete Niederschläge Ende August die Widerstandsfähigkeit der Pflanze zunehmend heraus und wirken sich negativ auf die Ernteerträge bei den Lagerkartoffeln aus.

Durch die Trockenheit macht der Drahtwurm Kartoffelbäuerinnen und -bauern zusätzlich zu schaffen: In Jahren mit geringen Niederschlägen tritt das Insekt als Kartoffelschädling verstärkt auf. Befallene Knollen werden für den Handel unbrauchbar, denn der Drahtwurm hinterlässt nicht nur Löcher und Gänge, sondern auch seine Exkremente in der Kartoffel.

Immer mehr Betriebe, deren Ernte derzeit in vollem Gange ist, berichten von Verlusten zwischen 40 und 50 Prozent. Einzelne Betriebe beziffern die Höhe der Verluste durch Drahtwurmbefall auf bis zu 80 Prozent. Eine vorbeugende Bekämpfung von Drahtwürmern ist nur bedingt möglich. Die Käferlarven haben kaum natürliche Feinde und lassen sich auch mit Bodenbearbeitung und Fruchtfolge-Maßnahmen nicht zufriedenstellend eindämmen.

Die Schnellkäfer-Larven – Drahtwürmer genannt – sorgen in Österreich für einen massiven Ernteausfall. Foto: Land schafft Leben

Bis dato war die Kartoffel ganzjährig aus heimischem Anbau verfügbar, zu 90 Prozent kann sich Österreich selbst mit dem Gemüse versorgen. Laut Lorenz Mayr, selbst Kartoffelbauer und Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, wird das mit der heurigen Ernte kaum möglich sein: „Wir werden die Lager heuer aller Voraussicht nach nicht vollbekommen. Das bedeutet, dass die heimischen Kartoffeln den Bedarf bis zur Heurigenernte im kommenden Mai nicht ausreichend decken werden.“

In Osttirol hingegen gräbt man ganz beruhigt die Erdknolle aus: „Wir haben in diesem Jahr gute bis sehr gute Ernten“, meint RGO-Obmann Franz Klocker. Ein bisschen habe man mit Engerlingfraß zu kämpfen gehabt, jedoch in einem normalen Ausmaß. Die Witterung sei in diesem Sommer für die Kartoffeln passend gewesen, Drahtwurmbefall habe man zwar in den vergangenen Jahren zum Teil zu verzeichnen gehabt, in diesem Jahr allerdings nicht.

Frisch geerntete, wurmfreie Kartoffeln – ein Privileg, keine Selbstverständlichkeit, wie die klimatisch bedingten Ernteausfälle zeigen. Foto: Land schafft Leben

Für den Obmann des Vereins „Land schafft Leben“, Hannes Royer, ist der Ernteausfall bei den Kartoffeln im Osten Österreichs ein weiteres Zeichen, dass das „Privileg, eine Vielzahl an hochwertigen Lebensmitteln in Österreich zur Verfügung zu haben, alles andere als selbstverständlich ist, das führt der Klimawandel mit heftigen Ernteausfällen deutlich vor Augen“.

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