„Eine Lehre ist schon lange keine Einbahnstraße mehr“

Die Direktorin der PTS Lienz Alexandra Haider über die Bedeutung des neunten Schuljahres und den Übergangsstandort.

Als dritte und letzte Schule aus dem Nordschulkomplex besucht Dolomitenstadt.at auch die Polytechnische Schule an ihrem Übergangsstandort. Um die Ausbildungsstätte für's „neunte Schuljahr“ zu finden, muss man beim Helikopterlandeplatz des Lienzer Spitals vorbeispazieren, bis man am westlichen Ende des Krankenhauses das ehemalige Gebäude der Krankenpflegeschule erreicht.

„Dass wir in dieses Gebäude einziehen, war für mich eine Überraschung. Ich hab‘ gedacht wir kommen auch in die Container“, lacht Direktorin Alexandra Haider. Verglichen mit der Volks- und Mittelschule habe man wohl die beste Variante erwischt, „es war ja schon so gut wie alles für den Schulbetrieb eingerichtet, nur einen EDV-Raum haben wir noch installiert“. Weniger Platz als gewohnt habe man trotzdem, das Gebäude wird gleichzeitig für Büroräumlichkeiten des Lienzer Krankenhauses genutzt.

Direktorin Alexandra Haider vor dem Gebäude der ehemaligen Krankenpflegeschule, in welchem zwischenzeitlich die Polytechnische Schule untergebracht ist. Foto: Dolomitenstadt/Huber

„Man könnte meinen, wir brauchen eh nicht so viel Platz, weil wir nur zwei Klassen haben“, erklärt Haider. Allerdings werden jedes Jahr bis zu sechs Fachbereichsgruppen geführt – Spezialisierungen, für die sich die Schüler:innen am Anfang des Schuljahres entscheiden. Der fachspezifische Unterricht wird dann in kleineren Gruppen geführt.

„Dafür brauchen wir auch Werkstätten. Die Holzwerkstätte ist im Keller der Volksschule Nord untergebracht, die Metallwerkstätte im Gebäude des Roten Kreuzes. Das war immer schon so“, erklärt Haider, die selbst den Fachbereich Holz unterrichtet. Im nächsten Jahr sollen die Werkstätten bereits im sanierten Teil des Nordschulkomplexes benutzbar sein, in zwei Jahren dann auch der Trakt der Polytechnischen Schule.

43 Schüler:innen besuchen derzeit die Polytechnische Schule in Lienz, neun davon sind weiblich. „Dass das Interesse an Lehrstellen zurückgeht, merken natürlich auch wir, genauso wie die geburtenschwachen Jahrgänge“, erklärt die Direktorin. In den letzten Jahren sei die Schülerzahl allerdings konstant geblieben, teilweise führe man auch drei Klassen pro Jahrgang: „Heuer Gott sei Dank nicht, da hätten wir eh keinen Platz.“

Im Rahmen ihrer Ausbildung bekommen die Schüler:innen Einblick in die verschiedensten Berufssparten. Foto: Dolomitenstadt/Huber

Zählt man die Polytechnischen Schulen in Matrei und Sillian dazu, kommt man auf vier bis fünf Klassen pro Jahr, „so viele starten auch in den anderen weiterführenden Schulen in Lienz nicht“. Dennoch leide die Lehre unter einem Imageproblem, „man hat oft das Gefühl, dass die Leute denken, eine Lehre ist nichts wert und die Polytechnische Schule ‚nur‘ für das neunte Schuljahr“.

Das sei definitiv nicht der Fall, meint Haider: Man habe in den letzten Jahren an der Ausbildung sehr viel verbessert, die Schüler:innen bekommen einen umfassenden Einblick in verschiedenste Berufssparten. Insgesamt sieben Wochen verbringen die Jugendlichen in der Praxis in einem bzw. mehreren Betrieben, währenddessen erhalten sie eine grundlegende Ausbildung in ihrem Fachbereich. „Die Schüler:innen kommen oft mit fast noch kindlichen Zügen zu uns, wenn sie nach dem einen Jahr gehen, sind es junge Erwachsene und um einiges reifer!“, erklärt Haider, warum das neunte Schuljahr durchaus Sinn macht.

„Wir bekommen immer wieder Rückmeldungen von den Firmen, dass sie erstaunt sind, wie gut vorbereitet die Lehrlinge in die Betriebe kommen“, freut sich Haider. Zur Lehre selbst meint sie: „Das ist schon lange keine Einbahnstraße mehr. Mit der Möglichkeit von ‚Lehre mit Matura‘ oder dem Besuch einer Abendschule kann man auch nach einer Lehrausbildung noch studieren gehen.“ Außerdem sind Fachkräfte im Moment so gefragt, dass es überhaupt kein Problem sei, in Osttirol eine Lehrstelle zu bekommen.

Anna Maria Huber studiert in Innsbruck, schreibt nicht nur für dolomitenstadt.at sondern auch für die Straßenzeitung 20er und betreut unser Redaktionsbüro in der Landeshauptstadt. Annas Stärken sind penible Recherchen und die Fähigkeit, komplexe Inhalte in klare und verständliche Artikel zu verwandeln.

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Ein Posting

Bergtirol1

Schön das es das PTS gibt, gerade in Zeiten wie diesen wo doch der "Fachkräftemangel" so oft ein Thema ist. Habe es einst selbst besucht und es dann bis zur Führungsebene geschafft - - - - zusammengefasst bitte das PTS "Poly" - - nicht als Überbrückung des 9.Schuljahres sehen sondern als die Chance seine Liebe und Leidenschaft in dem Beruf zu verwirklichen für den man sich selbst entschieden hat. Damit der Beruf zur Berufung wird ist das PTS das idealste👍

 
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