Jagdsaison: In Tirol wird weiter mit Blei geschossen

Viele Raub- und Aastiere verenden durch Bleivergiftung. Generelles Bleiverbot bleibt Zukunftsmusik.

Herbstzeit ist Hauptjagdsaison. Trotz jahrelanger Bestrebungen – auch auf EU-Ebene – ist eine bleifreie Pirsch bis dato allerdings noch Zukunftsmusik. Die Industrie sei schlicht noch nicht soweit, erklärte der Tiroler Landesjägermeister Anton Larcher im APA-Gespräch. Früher oder später werde ein Bleiverbot aber kommen, war er überzeugt. Der stellvertretende Tiroler Landesumweltanwalt Walter Tschon rechnete indes mit „nächsten Vorstößen“ im November durch die neue Landesregierung.

Im Frühjahr wurde noch betont, dass ein Verbot bleihaltiger Munition in Tirol vorerst nicht kommen werde. Damals hatte man sich auf einen Kompromiss verständigt, wonach Jägerinnen und Jäger kein kontaminiertes Material – sprich mit bleihaltiger Munition erlegte Tiere – im Wald zurücklassen dürfen. So sollten Raub- und Aastiere vor einer möglichen Bleivergiftung geschützt werden.

Jährlich verenden europaweit rund eine Million Greifvögel an Bleivergiftung – mit ein Grund weshalb die Europäische Union ein generelles Verbot von Bleimunition in Erwägung zog. Nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes sollte dieses ursprünglich ab Februar 2023 in Kraft treten.

Noch scheint dieses aber nicht in Greifweite. „Es gibt schlicht noch keine Lösung“, hielt Landesjägermeister Larcher fest. Konkret stehe man vor zwei Problemen: „Treffsicherheit und Tötungswirkung“, brachte er den Status Quo auf den Punkt. Das sei mit dem Tierwohl nicht vereinbar. Dieses sei für die Jägerinnen und Jäger „oberster Grundsatz“.

„Der Großteil der bestehenden Waffen lässt sich noch nicht umstellen“, führte er einen weiteren Punkt ins Treffen. So seien aktuell von mehreren hundert insgesamt nur rund 15 so genannte „Laborierungen“ – darunter versteht man die veränderlichen Komponenten innerhalb eines Kalibers wie etwa Durchmesser und Form – am Markt, die auch bleifrei funktionierten. Die bleifreie Pirsch sei eben noch „nicht zu 100 Prozent technisch geklärt“, führte Larcher aus. Der Jägerschaft sei es gelungen, auch die Politik zu „überzeugen, dass es einfach noch zu früh ist“.

Doch es sei „nach wie vor unser Bestreben, den Bleieintrag zu minimieren und schließlich irgendwann überhaupt einzustellen“, war es Larcher wichtig zu betonen. Eigentlich wären im Bundesland in diesem Jahr „Umstellungsaktionen“ und Seminare geplant gewesen, doch es sei – seit Ausbruch des Ukrainekriegs – „keine Munition zu bekommen“. „Wir stehen mit dem Rücken zur Wand“, sagte Larcher.

„Ich bin davon überzeugt, dass ein Bleiverbot kommen wird und hoffe, dass die Industrie der Jägerschaft rechtzeitig Lösungen anbietet“, fasste Larcher die Position seiner Zunft zusammen. Neuwaffen seien ohnehin „im Regelfall bereits bleifrei“.

Ein Risiko der Umweltverschmutzung durch mit Bleimunition geschossene Tiere sah Larcher nicht – in unseren Breiten seien Böden „selten so sauer, dass Blei herausgelöst werden kann“, so der Landesjägermeister. Auch der Bleieintrag in den Menschen durch Verzehr von Wildbret sei minimal und nicht gesundheitsschädigend, wie auch Studien belegten.

Eine „tiefer gehende Problematik“ ortete auch der stellvertretende Landesumweltanwalt Tschon im Gespräch mit der APA. Zusammen mit dem Tiroler Jägerverband habe es „diverse Vorstöße“ und „Ansuchen an diverse Firmen“ gegeben, um „schnell, verwaltungsökonomisch und kostengünstig“ bleifreie Munition anzuschaffen. Agierten die Jägerverbände „zu defensiv“ so sei die „Wirtschaft auch nicht gewillt, schnell eine Lösung zu finden“, nahm Tschon die Jägerinnen und Jäger auch in die Pflicht.

Die Thematik sei in den vergangenen Jahren intensiver auch „direkt in den Landtagsausschüssen“ diskutiert worden, so Tschon. Er zeigte sich „überzeugt“, dass ein etwaiges Bleiverbot „durchaus föderalistisch oder auf Bundesebene“ gelöst werden könne. „Man braucht nicht immer die EU“, unterstrich Tschon. Er gehe davon aus, dass es im November unter der neu gewählten Regierung zu den „nächsten politischen Vorstößen“ kommen werde.

Blei ist übrigens bereits aus Treibstoff, Farben und Wasserleitungen verbannt. Ein Verbot bleihaltiger Munition besteht EU-weit bereits seit 2015 für die Jagd auf Wasservögel und seit 2020 auch in Feuchtgebieten. In Österreich ist eine strengere Regel seit 2012 in Kraft. Hierzulande gilt seit jenem Jahr nämlich ein Bleischrotverbot bei der Jagd auf Wasserwildtiere, das auch außerhalb von Feuchtgebieten gilt.

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5 Postings

lokal

und der stacheldraht gehört auch verboten

 
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steuerzahler

Herumjammern ist halt einfacher und wahrscheinlich ist die Jägerlobby sehr stark in der Politik vertreten. In anderen Bereichen geht es doch auch, einfach ein Verbotsdatum, das strikt eingehalten wird, und fertig. Dann wird das auch funktionieren. Ich sehe das Problem allerdings zweitrangig. Solange mit beliebiger Munition, sogar Uranhältiger, auf Menschen geschossen wird, ist das bißchen Blei kaum der Rede wert.

 
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    unholdenbank

    Wenn man sich erinnert, wie lange es gebraucht hat, um Blei aus dem Benzin zu bekommen, kann man sich vorstellen, wie lange es noch dauern wird, bis Blei aus der Munition verschwindet. In Wirklichkeit ist der Mensch die Bestie - nicht der Wolf - der verwendet kein Blei zum Töten. Zitat: "Solange mit beliebiger Munition, sogar Uranhältiger, auf Menschen geschossen wird, ist das bißchen Blei kaum der Rede wert". Da denken die Aasfresser wahrscheinlich anders drüber..

     
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wolf_c

''Jährlich verenden europaweit rund eine Million Greifvögel an Bleivergiftung'' ... alles wurscht, solange es genug Rehlein und Hirsch zum Fangen und Totschießen gibt

 
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chiller336

und dann das geschossene wildfleisch verkaufen tz tz

 
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