Mühlen klappern in Gaimberg schon lange keine mehr, dafür die "Krapfenschnapper" am 30. und 31. Oktober. Hier die Obergaimberger und Grafendorfer Burschen. Alle Fotos: Privat

Mühlen klappern in Gaimberg schon lange keine mehr, dafür die "Krapfenschnapper" am 30. und 31. Oktober. Hier die Obergaimberger und Grafendorfer Burschen. Alle Fotos: Privat

Krapfenschnappen: Wer braucht schon Halloween?

In vielen Osttiroler Gemeinden wird der alte Heischebrauch weiterhin hochgehalten. So auch in Gaimberg.

Wenn im ganzen Ort wieder ein dumpfes Geklapper und zwischendrin Kindergelächter zu hören ist, dann weiß man in einigen Osttiroler Gemeinden ganz genau: Die „Krapfenschnapper“ oder auch „Krapfenschnaggler“ sind wieder unterwegs. Während in vielen anderen Orten am 31. Oktober immer mehr Kinder und Jugendliche als gruselige Gestalten verkleidet um die Häuser ziehen und in Halloween-Manier „Süßes oder Saures“ erbetteln, wird an den beiden Tagen vor Allerheiligen in Osttirol der Brauch des „Krapfenschnappens“ hochgehalten und von Generation zu Generation weitergegeben: so zum Beispiel in Patriasdorf, Dölsach, Nußdorf-Debant, Gaimberg, Thurn, Iselsberg, Ainet und Kals.

In jeder Gemeinde wird der Brauch unterschiedlich umgesetzt, manchmal sind nur die Burschen unterwegs, in einigen wenigen Gemeinden dürfen auch die Mädchen mit dabei sein. Einige Gruppen kommen ohne Verkleidung aus, andere tragen auffallend bunte Hüte oder sogar Masken. Gemeinsam ist ihnen jedoch eines: Alle haben ihre „Krapfenschnapper“ dabei und locken so die Dorfbewohner aus ihren Häusern. Die „Krapfenschnapper“ sind Tierköpfe, die auf Holzstecken befestigt sind. Das „Kiefer“ der Tierköpfe kann mit einer Kordel bewegt werden, wodurch das charakteristische Klappern erzeugt wird.

In Gaimberg schlüpfen die Burschen zwischen acht und 14 Jahren am 30. und 31. Oktober in weite weiße Hemden, schnüren sich einen schwarzen Gürtel um den Bauch, setzen einen Hut auf, nehmen ihre „Schnapper“ zur Hand und ziehen so bis in die Abendstunden hinein durch die Straßen. Vor jedem Haus wird kräftig „geschnappt“. Kommen die Hausbewohner:innen heraus oder laden die Schnapper ein, bitten die „Krapfenschnapper“ in einem Gedicht um „Äpfel, Birnen oder Krapfen“. „Es kennen oba a a poa Euro sein, mia tatn uns recht sakrisch gfrein“, heißt es weiter im Sprüchl.

Äpfel, Birnen und Krapfen gibt es heutzutage nur noch bei einigen wenigen Bauernhöfen, viel öfter füllen sich die weiten Hemden der Burschen mit Schokolade und anderen Süßigkeiten. Ein Teil des Geldes, das die Kinder und Jugendlichen bekommen, wird jedes Jahr an soziale Organisationen gespendet, wie viel und an wen, das machen sich die „Krapfenschnapper“ untereinander aus. Die Untergaimberger „Schnapper“ spenden in diesem Jahr 500 Euro an die Kinderkrebshilfe, die Obergaimberger und Grafendorfer Burschen unterstützen mit einem Teil der Erlöse „Time Is Your Life“.

Mit dem sozialen Engagement hinter dem „Krapfenschnappen“ findet der Brauch wieder zu seinem Grundgedanken: Ursprünglich ist das „Krapfenschnappen“ ein Heischebrauch (Heischen = Gaben erbitten, erwerben), bei dem bedürftige Menschen in den Tagen vor Allerheiligen die Höfe aufsuchten und dort „für die armen Seelen“ um etwas zu Essen baten.

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2 Postings

hoerzuOT

Ich finde es großartig, dass man sich alter Tiroler Bräuche besinnt. Halloween hat in unseren Breitengraden soviel verloren, wie Schuhplattler in Chicago.

Es hat nichts mit Rückwärtsgewandheit zu tun, wenn man die eigenen Bräuche pflegt und weiter gibt.

Halloween ist ein Kuriosum, das scheinbar nicht aufzuhalten ist. Sei`s drum, doch mit unserer Identität hat es nur wenig zu tun.

 
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unholdenbank

Hoffentlich setzt sich der Brauch des Krapfenschnappens wieder gegen das unselige "halloween" - Getue durch. Das ist sowieso wieder nur ein kommerzialisiertes "event" - nicht heimisch und wie man sieht vollkommen aus dem Ruder gelaufen. Gratuliere allen Krapfenschnappern zu ihrer Aktion und hoffe inständig, dass sich in Lienz auch Jugendliche dafür begeistern können. Denen gäbe ich gerne Süßes&Saures&Geld&Äpfel&Birnen&undwasweißichnochalles.

 
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