Mangel an Tabletten? Apotheker bleiben entspannt

Trotz Lieferproblemen sehen die Pharmazeuten keinen Versorgungsengpass und setzen auf alternative Präparate.

Antibiotika, Schmerzmittel, Hustensäfte – diese drei Kategorien von Medikamenten stehen bei Österreichs Apotheker:innen derzeit ganz oben auf der Einkaufsliste. Die anhaltende Grippe- und Erkältungswelle führt aktuell zu einem Medikamenten-Engpass – das kennt man bereits aus den letzten Jahren. Gepaart mit der massiven Coronawelle in China hat sich die Lage aber zugespitzt.

Der Grund? Der Großteil aller Wirkstoffe wird aus China und Indien nach Europa importiert. Wegen der aktuellen Situation kommt es zu erheblichen Behinderungen, ganze Lieferketten brechen zusammen. Das sei zwar alles andere als optimal, „wir haben es hier aber mit einem Liefer- und nicht mit einem Versorgungsengpass zu tun. Da muss man unterscheiden“, betont die Vizepräsidentin der Tiroler Apothekerkammer, Stefanie Lair.

Fehlende Medikamente werden in Österreich derzeit durch adäquate Alternativen ersetzt. Foto: EXPA/Oberhauser

Noch vor Ausbruch der Corona-Pandemie sei es bereits 2019 zu ersten Verzögerungen beim Nachschub gekommen, die bis heute nicht beseitigt wurden. Laut Lair sei die Situation derzeit unter Kontrolle: „Für die Kund:innen ändert sich im Prinzip nichts. Mehr trifft es die Apotheker:innen, die pro Tag zwei Stunden mehr Aufwand haben.“ Diese müssten alternative Präparate für die nicht lieferbaren Medikamente suchen. Für manche Kund:innen ändert sich zwar das Aussehen der Verpackung, der Inhalt wirkt jedoch genauso gut, versichert Lair.

Stefanie Lair, Vizepräsidentin der Tiroler Apothekerkammer, sieht die Versorgung mit Arzneimitteln nicht gefährdet. Foto: Lair

Pharmazeuten entdecken ihr Handwerk neu

Auch in der Apotheke zur Madonna in Lienz und in der Dolomiten-Apotheke in Nußdorf-Debant ist die Lage unter Kontrolle. „Es gibt keinerlei Grund zur Panik. Für fehlende Medikamente finden wir adäquate Alternativen“, so die Apotheker Christoph Egger-Erlach und Philipp Wirnsperger unisono. Auch Lair warnt vor unnötiger Hysterie: „Unlängst wurde berichtet, die Hustensäfte werden knapp. Daraufhin haben besorgte Eltern gehamstert und erst dadurch kam es zum Mangel.“

Wirnsperger kann der aktuellen Situation auch Positives abgewinnen. Mittlerweile stellen viele Apotheken einzelne Arzneimittel – wie etwa Hustensäfte für Kinder – wieder selbst her. „Wir erzeugen inzwischen drei Hustensäfte im Haus, quasi ‚back to the roots’“, so Wirnsberger. Die Industrie gibt mittlerweile vorsichtig Entwarnung, im Frühjahr soll sich die Situation bessern.

Dolomitenstadt-Redakteur Roman Wagner studierte an der FH Joanneum in Graz und ist ein Reporter mit Leib und Seele. 2022 wurde Roman vom Fachmagazin Österreichs Journalist:in unter die Besten „30 unter 30“ gewählt.

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