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„Wer dazugehört, der gehört dazu!“

Großer Zuspruch für die Geschwister Oshakuade bei einer Kundgebung in Innsbruck.

Kaum ein Auge blieb am Samstagnachmittag trocken, als Joseph Oshakuade mit teils hörbarem Tiroler Dialekt vor hunderten Personen darüber erzählte, wie er und seine Schwester zu Tirolern wurden.

„Wir möchten nur die Chance haben, hier zu bleiben, das Studium fortzusetzen und uns ein Leben mit den Menschen weiter aufzubauen, die uns so viel bedeuten“, richtete Joseph seine Worte an all jene, die gekommen waren, um ihre Solidarität mit den Geschwistern zu zeigen, denen aktuell die Abschiebung nach Nigeria droht.

Mit LHStv. Philip Wohlgemuth, LR Eva Pawlata und LR René Zumtobel gehörte auch der rote Teil der Tiroler Landesregierung zur Gänze zu den Teilnehmenden der Kundgebung. Die Stimme für Joseph und Victoria Oshakuade erhoben an diesem Tag andere.

So erzählte unter anderem die Deutschlehrerin des Akademischen Gymnasium Innsbruck, Mirjam Braun, davon, wie engagiert Victoria und Joseph ihre Schulzeit absolvierten, obwohl diese stets von der Unsicherheit begleitet war, dass die beiden jederzeit abgeschoben werden konnten. „Joseph und Victoria sind ein sehr gutes Beispiel dafür, dass Integration durch Einsatz, gegenseitigen Respekt und die Chance ein Teil der Gesellschaft werden zu können, gelingen kann. Ich wünsche mir, dass sie den Weg, den sie mit soviel Engagement bereits gegangen sind, fortsetzen können“, erklärte Braun.

Joseph und Victoria mit Mirjam Braun, ihrer ehemaligen Deutschlehrerin am Akademischen Gymnasium Innsbruck.

„Welche Botschaft übermitteln wir an Personen, die sich aktuell in einem Integrationsprozess befinden, wenn zwei Menschen abgeschoben werden, die jegliche Integrationsanforderung übertroffen haben? Haben inspirierende Taten und außerordentliche Errungenschaften denn gar nichts mehr zu bedeuten“, fragte sich eine weitere Kundgebungsteilnehmerin.

Petar Rosandic nahm ich kein Blatt vor den Mund: „Integrationspolitik in Österreich ist eine Integrationslüge.“

Deutliche Worte darauf fand Petar Rosandic von SOS Balkanroute: „Integrationspolitik in Österreich ist eine Integrationslüge. Frau Bauer (Anm. Intergrationsministerin Claudia Bauer) sagt uns tagtäglich, wie wir uns zu integrieren haben, was wir zu tun haben und welchen Dialekt wir lernen sollen. Wenn dann zwei Leute kommen, die all das erfüllen, sollen sie abgeschoben werden?“

Der Fall Oshakuade sei eine wichtige Lektion für ganz Österreich, führte Rosandic weiter aus: „Legt's euch nicht mit den Universitäten, den Sportvereinen, dem Roten Kreuz und schon gar nicht mit der Kirche an.“ Sie alle hatten in den vergangenen Tagen ihre Unterstützung für Joseph und Victoria bekundet.

Urban Steiner leitet den Sportclub, in dem Victoria Fußball spielt. Er stellt klar: „Ein Verein ist etwas, wo Menschen zusammenkommen, sich sicher und geborgen fühlen - ein Ort zum Vertrauen.“

Mit Urban Steiner ergriff am Samstag auch der Obmann des Sportklub Wilten, bei dem Victoria Oshakuade Fußball spielt, das Wort. „Ja, auch im Sport braucht es Regeln und Strukturen, aber man muss auch die Menschen im Blick behalten. Ein Verein ist etwas, wo Menschen zusammenkommen, sich sicher und geborgen fühlen - ein Ort zum Vertrauen. Victoria ist Teil der Mannschaft, Teil des Vereins und Teil der Familie. Und wer dazu gehört, der gehört dazu! Habt den Mut, Menschlichkeit einen Raum zu geben – nicht als Sonderfall, sondern als Zeichen, dass Gemeinschaft in dem Land mehr wert ist als das Papier auf dem das geschrieben wurde.“

„Diese geplante Abschiebung beleidigt den gesunden Menschenverstand“, erklärt Schwester Notburga Maringele, Provinzoberin der Franziskanerinnen Hall.

Hochachtung statt Missachtung forderte Schwester Notburga Maringele für den bisherigen Lebensweg von Victoria und Joseph. Junge Menschen, die seit mehr als acht Jahren Teil der Gesellschaft sind, hätten es sich verdient, dass ihnen das humanitäre Bleiberecht zugesprochen wird. „So sind wir nicht!“ bediente sich Maringele auch an den Worten von Bundespräsident Alexander Van der Bellen: „Dass zwei junge Menschen verhaftet werden, dass sie nicht einmal die Möglichkeit haben, ein paar Sachen zusammenzupacken, dass sie regelrecht nach Wien deportiert werden und dass sie in dieser Situation, die für sie schrecklich sein muss, voneinander getrennt werden – wir leben in einem Land wo das möglich ist."

Doch das sei nur die eine Seite, ließ die Provinzoberin der Franziskanerinnen Hall wissen. Die große Solidarität und Unterstützung der letzten beiden Wochen seien Teil jenes Österreichs, in dem sie gerne lebe, und genau dieses Land wünsche sie sich als Heimat für die Geschwister Oshakuade. So gut integrierte Menschen wie Joseph und Victoria abzuschieben, die unsere Gesellschaft so dringend brauche, sei barer Unsinn: „Diese geplante Abschiebung beleidigt den gesunden Menschenverstand“, nahm sich Maringele zum Abschluss kein Blatt vor den Mund.

Auch die Omas gegen Rechts brachen eine Lanze für die Geschwister aus Nigeria. Alle Fotos: Dolomitenstadt/Steger

Im Gespräch mit Dolomitenstadt zeigt sich Victoria Oshakuade überwältigt vom großen Zuspruch und gibt bereits Einblicke in die weiteren Schritte hin zu einem dauerhaften Aufenthaltstitel.

Michael Steger hat Politikwissenschaft studiert und arbeitet als freier Journalist in Innsbruck. Der versierte Reporter berichtet für Dolomitenstadt über aktuelle Themen rund um die Stadt- und Landespolitik.

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Ein Posting

spitzeFeder
vor 2 Stunden

Hut ab und volle Unterstützung an alle diese Aktionen und Aktivitäten. Es ist ein Skandal, dass eine Tennisspielerin nach wenigen Monaten einen österr. Pass bekommt, und Menschen mit weniger öffentlichem Auftreten aber viel besserer Integration [Hallo Österreich, habt ihr die Potapova schon einmal auf einen verpflichtenden Deutschkurs geschickt?] so drangsaliert werden? Eieiei, es ist echt traurig...

 
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