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So wurde das SES-Projekt im Gemeinderat von Lienz auf die Leinwand gebeamt, bessere Visualisierungen waren von der SES leider nicht zu bekommen. Rechts die B 100, links die Messinggasse. Screenshot: Dolomitenstadt

So wurde das SES-Projekt im Gemeinderat von Lienz auf die Leinwand gebeamt, bessere Visualisierungen waren von der SES leider nicht zu bekommen. Rechts die B 100, links die Messinggasse. Screenshot: Dolomitenstadt

Eurospar und Wohnungen statt „Kaufhaus Lienz“

Die SES realisiert an der Dolomitenkreuzung ein überschaubares Projekt mit Mischnutzung. 

2008 tauchte erstmals der Plan auf, am westlichen Eingang zur Lienzer Innenstadt zwischen Messinggasse, Mühlgasse und B100 ein 21 Meter hohes Großkaufhaus zu errichten, das in seiner ersten Fassung rund 10.000 m2 Verkaufsfläche bieten sollte, dazu hunderte unterirdische Parkplätze, für die man sogar die B 100 untertunneln wollte, sowie ein Parkhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo heute das Hotel Harrys Home steht. 

So wurde das M99 im Modell 2008 den Lienzer:innen präsentiert. Selbst das Finanzamt wirkt im Vergleich recht filigran. Wo heute das Hotel Harry´s Home steht, war ein Garagenturm geplant, mit einer Brücke über die B100 in die Obergeschosse des Kaufhauses, dessen Kundenfläche annähernd jener des gesamten Innenstadt-Handels entsprach. Foto: Gerhard Pirkner

Unter dem Projektnamen M99 forcierte damals eine Südtiroler Bauträgergesellschaft namens Hobag AG das Großprojekt, dessen Einkaufsfläche fast jener der gesamten Innenstadt-Handelsbetriebe entsprochen hätte. Man rechnete mit rund 2000 Kunden pro Tag und wollte deshalb an der Andreas-Hofer-Straße eine weitere Ampel installieren, um die Tiefgaragenausfahrt zu regeln. Warnungen vor einem totalen Verkehrskollaps auf der ohnehin stark belasteten Dolomitenkreuzung wurden ebenso in den Wind geschlagen, wie Existenzängste der heimischen Geschäftsleute. 

Trotz breitem Widerstand und einer Volksbefragung Anfang 2009, bei der sich die Lienzer Bürger:innen mehrheitlich gegen die riesige Dimension des EKZ-Projekts aussprachen, winkte eine von der damaligen Vizebürgermeisterin Elisabeth Blanik angeführte „Buntallianz“ aus SPÖ, FPÖ, Grünen und Liste Stadt Lienz mit 11 gegen 10 ÖVP-Stimmen die Flächenwidmung durch und lockte mit großen Handelsnamen wie Zara und MediaMarkt, deren Interesse an Lienz als Standort freilich nie bestätigt wurde. 

Später wurde das ursprünglich von Peter Lorenz entworfene Kaufhaus zwar von einem anderen Büro noch einmal umgeplant – mit immer noch wuchtigen 8.820 m2 Kundenfläche – und als Betreiber gar die Signa von René Benko ins Spiel gebracht. Doch dann ging die Südtiroler Bauträgerfirma in Konkurs und das führte zu einer entscheidenden Wendung.

Wo sich heute nur ein Parkplatz ausdehnt, wird schon bald ein Eurospar-Markt mit Tiefgarage, Büros und Wohnüberbauung entstehen. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

Über einen Berliner Vermittler trat bei der Versteigerung dieses Grundstücks mit aufrechter Großkaufhaus-Widmung die SES Spar European Shopping Centers mit Sitz in Salzburg auf den Plan und damit ein international renommierter Player, der zwar zunächst auch noch über ein Kaufhausprojekt nachdachte, sich aber am Ende für eine standortverträgliche Mischnutzung entschied. Erster Baustein war das erwähnte Hotel Harry´s Home vis a vis an der B100, das die SES gemeinsam mit dem Nordtiroler Betreiber Harald Ultsch in die Spur brachte. 

Nun legt die SES erste Pläne für das eigentliche Kaufhaus-Grundstück vor. Realisiert wird ein Mischprojekt, mit einem Eurospar-Lebensmittelmarkt auf 1200 m2 Verkaufsfläche im Erdgeschoss, wo weitere 600 m2 für Gastronomie und zusätzliche Handelsflächen vorgesehen sind. In den stufenförmig angelegten Obergeschossen sind Stadtwohnungen und gewerbliche Flächen für Büros und Ordinationen untergebracht. 

Es wird eine deutlich redimensionierte Tiefgarage geben, die über die Messinggasse erschlossen wird, und eine Zulieferungsrampe im Bereich der Mühlgasse. Hier blieben die Ausführungen bei der eher mechanisch verlesenen Projektbeschreibung im Gemeinderat vage. Die Anzahl der Stellflächen war beispielsweise kein Thema.

Auch die SES wollte auf Anfrage von dolomitenstadt.at keine zusätzlichen Details zum Projekt preisgeben. Schon vor Wochen wurde bekanntgegeben, dass die konkrete Baueinreichung Ende 2026/Anfang 2027 erfolgen soll. Nach vorliegenden Informationen wird der SPAR-Markt in der Defereggerstraße, dessen Grundstück sich nicht in Besitz von SPAR befindet, durch den neuen Eurospar-Markt abgelöst. 

Der Lienzer Gemeinderat genehmigte Flächenwidmung und Bebauungsplan für das Projekt in der Sitzung am 21. April mit 20:1 Stimmen. MFG-Gemeinderätin Christiana Laßnig votierte gegen das Projekt.


Wer erinnert sich noch, wie dieses Areal vor dem Abriss sämtlicher Altgebäude ausgesehen hat? Hier ein Video, gedreht 2012 von Peter Werlberger für dolomitenstadt.at, das den Abriss der alten Winkler-Kunstmühle zeigt. Sie prägte lange das düstere Bild dieses Platzes.

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe arbeitete als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er nach Lienz zurückkehrte und 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief. 2025 erhielt Pirkner für seine journalistische Arbeit den Walther-Rode-Preis.

14 Postings

observador
vor einer Stunde

Die mit Abstand beste Nachricht seit langem! Das Monster 99 und seine potentiellen Nachfahren sind tot.

 
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Ich meine, dass ...
vor einer Stunde

... diese Visualisierung wieder einmal viel beschönt ... EG mindestens 4m zzgl 3OG noch einmal 12m dazu, in Summe ca. 15-16m. Im wahrsten Sinne gute Nacht Messinggasse ...

 
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ruhigblut
vor 10 Stunden

.....die Beste Entscheidung von Spar! Kann mich noch gut an diese hässlichen Klötze erinnern. Pfui......freue mich auf Spar und Wohnungen......das ist meines Erachtens ein Gewinn für die ganze Stadt......wer braucht so ein riesiges Kaufhaus, das die letzten einheimischen Geschäfte verdrängt?.....meinerseits gibt es dafür beide Daumen nach oben.

 
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    senf
    vor 7 Stunden

    Freu mich auch, @ruhigblut. Vergiss aber bitte nicht, dass die ursprüngliche und heftig diskutierte Bauvariante nicht ein Projekt der Stadt war, sondern die des ehemaligen Bauträgers.

     
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    senf
    vor 7 Stunden

    Hoffentlich vergisst man auf eine großzügige Busbucht für die Öfis mit dem Stadtbus nicht ...

     
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Hägar
vor 12 Stunden

Das grüne Dach mit den Bäumen sollte erlicherweise als graues Betondach dargestellt werden. So wie in der Visualisierung dargestellt funktioniert dies nicht. Sieht nett auf dem Papier aus, mehr aber auch nicht. Auch genial, noch ein Spar. Der wievielte in Lienz?! Dazu noch mehrere Hofer, Billa, Lidl etc?! Sehr kreativ!

 
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    prinz
    vor 9 Stunden

    Selbst wenn Visualisierungen oft idealisiert dargestellt werden, hat der Eigentümer (SES), der auch die gegenüberliegende Fläche (Harry’s Home) besitzt, ein direktes wirtschaftliches Interesse, das Dach möglichst attraktiv zu gestalten.

    Was die Marktdichte angeht, wird der Spar in der Defereggerstraße durch diesen neuen (Euro-)Spar ersetzt; die Anzahl ändert sich dadurch nicht. Das Angebot wird schlicht aufgewertet, und dem ist eigentlich nichts auszusetzen, oder? :)

     
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prinz
vor 14 Stunden

Endlich einmal ein angemessener Vorschlag der SES. Ich freue mich auf eine Interspar-Alternative in einer ‚walkable‘ Umgebung, wie es dieser Standort ist. Es ist an der Zeit, dass der vorhandene Parkplatz entfernt und durch dichte und produktive Bebauung ersetzt wird!

 
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Ichhabevltrecht
vor 15 Stunden

Ein erneuetes Armutszeugnis für Lienz.... Aber wie man sieht werden die Geschäfte auch ohne Kaufhaus weniger . Wie man sieht geht ja erst der nächste Fetzenladen MITTE IN DER STADT in die Tscharre aber nur weiter so... dann haben wir noch weniger wie wir eh schon haben :)

 
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    Blacky
    vor 13 Stunden

    Jo logisch wäre natürlich die Situation viel besser, wenn man zusätzlich noch ein großes Kaufhaus dort hinbauen würde.

    Hat ja in anderen Städten auch wunderbar funktioniert und zu Belebung der Innenstädte geführt. Nicht.

     
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      Ichhabevltrecht
      vor 12 Stunden

      jaja . Die Entfernung zu innenstadt ist ja so weit weg . Wie in in Villach oder ... Selten dämliche Ausrede...

       
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    denker
    vor 12 Stunden

    Warum gehen die Geschäfte pleite?? weil alle fleißig bei amazon bestellen.

     
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      AberKlar
      vor 10 Stunden

      Oder an den übertriebenen Mieten. Bestes Beispiel Dolomitenbad

       
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    Joe B. Tolliver
    vor 10 Stunden

    Was ich hier immer so erfrischend finde sind die durch und durch negativen Berufssuderanten denen man nie etwas recht machen kann. Danke dafür.

     
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