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Fischer schlagen Alarm: Energiewende zerstört Bäche

Gewarnt wird vor Kleinwasserkraft­werken, die einen irreversiblen ökologischen Schaden bedingen.

Mit dem Österreichischen Fischereiverband, dem Österreichischen Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz und dem River and Nature Trust schlagen drei Organisationen Alarm, die sich als Sprachrohr der 400.000 österreichischen Fischer:innen verstehen.

Angesichts des geplanten Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetzes (EABG), das die Energiewende mittels beschleunigter Verfahren vorantreiben soll, warnen die Organisationen vor „einem massiven Eingriff in Österreichs letzte intakte Fließgewässer.“

Sorge um kleine und mittlere Bäche

Österreichs große Flüsse seien längst reguliert, verbaut und genutzt, nun sorgen sich die Fischer:innen allerdings um die kleinen und mittleren Bäche, die als „Kinderstuben für Jungfische, Rückzugsraum für bedrohte Arten und Grundlage funktionierender Gewässernetze“ einen ökologisch unschätzbaren Wert hätten.

Gerade hier setze der EABG-Entwurf allerdings an: Beschleunigte Genehmigungsverfahren, vereinfachte Prüfungen und wirtschaftliche Anreize könnten aus Sicht des Fischereiverbands dazu führen, dass genau diese sensiblen Gewässer verstärkt für Kleinwasserkraftwerke erschlossen werden.

„Es ist wissenschaftlich evident, dass durch den weiteren Ausbau der Wasserkleinkraftwerke kaum zusätzlicher Strom zu erzeugen ist.“

Heinz Heistinger, Präsident des Kuratoriums für Fischerei und Gewässerschutz

Dabei weist etwa Heinz Heistinger, Präsident des Kuratoriums für Fischerei und Gewässerschutz darauf hin, dass durch den weiteren Ausbau von Wasserkleinkraftwerken kaum zusätzlicher Strom zu erzeugen sei und Kleinwasserkraft nur durch Förderungen wirtschaftlich sei.

Widerspruch zu europäischem Naturschutz

Zudem sieht Heistinger einen Bruch mit der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, welche die Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, den Zustand ihrer Gewässer zu verbessern: „Die weitere Zerstörung unserer Bäche und Flüsse steht im klaren Widerspruch zu den europäischen Verpflichtungen zum Gewässerschutz. Damit wird aus einem energiepolitischen Thema auch ein rechtliches und moralisches“, so Heistinger.

Ökologische Energiewende gefordert

Anstatt die Durchgängigkeit der Flüsse zu erhöhen, werde nun neuer Verbau geschaffen. Dabei betonen die Organisationen ausdrücklich, nicht grundsätzlich gegen die Energiewende zu sein. Eine solche müsse aber ökologisch verträglich, rechtlich sauber und „enkeltüchtig“ sein.

Entsprechend fordern die Interessensvertretungen eine grundlegende Überarbeitung des Gesetzes, klar definierte Schutzräume für sensible Gewässer, einen konsequenten Fokus auf Photovoltaik, Wind und Speicher sowie eine stärkere Einbindung von Wissenschaft und Praxis.

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2 Postings

Brunnschmid Hermann
vor 10 Stunden

Es ist eine weit verbreiteter Irrtum, dass Wasserkraft einen wesentlichen Beitrag zu einer Energiewende leisten könnte. Für eine volle Energiewende würden wir ZUSÄTZLICH mindestens ca. 140 TWh Strom benötigen. Die derzeitige Kleinwasserkraft leistet ca. 6TWh, selbst eine VERDOPPELUNG würde nur knapp über 4% beisteuern mit immensen Naturschäden. Tirol rühmt dich mit seinem (theoretischen) Wasserkraft Potential. Laufende Projekte wie Sellrain/Silz und geplante Projekte wie die Kaunertal Erweiterung sind nur möglich, indem bis zu 6 Bäche aus Nachbartäler zu jeweils 75% abgeleitet werden, um über Kilometer lange aufwändige Stollen einen Staubecken zugeführt zu werden. Zurück in den Bächen bleibt 25% Restwasser. All diese Projekte werden uns als wichtiger Beitrag zur Energiewende verkauft. Sellrain/ Silz hilft überhaupt nichts zur Österreichischen Energiewende, da dieses Projekt mit einer Direktleitung mit dem Deutschen Netz verbunden ist. Die Kaunertal Erweiterung würde mit ca. 0,8 TWh unsere Energiewende auch nicht wirklich vorwärts bringen.

 
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    andreas.klotz
    vor 7 Stunden

    Sie haben ja wirklich ein großes Problem mit erneuerbaren Energien. Österreichweit schreiben sie ihren Senf dazu und arbeiten mit falschen Zahlen. Sogar ihre Quellen schreiben, dass sie einiges missverstehen . Über Wasserkraft in Tirol kann man streiten , sie wettern aber komplett gegen erneuerbare Energien .

    https://www.diepresse.com/19336128/erneuerbare-stromproduktion-eine-investition-in-unsere-zukunft

     
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