Nach dem Berufsfestival ist vor der Jobmesse. Osttirols größte Arbeitgeber und alle rund um den Arbeitsmarkt tätigen Organisationen wie die Wirtschafts- und Arbeiterkammer, das AMS und die Innos GmbH nutzen traditionell den Frühsommer, um vorwiegend die Jugendlichen des Bezirkes als künftige Mitarbeiter:innen für heimische Betriebe zu gewinnen.
Während es beim Berufsfestival eher um die Attraktivität einzelner Berufsfelder und Lehrberufe geht, ist die Jobmesse ein Marktplatz für rund 30 potenzielle Arbeitgeber, die am 12. und 13. Juni im Kulturzentrum Nußdorf-Debant nicht nur Schüler und Schülerinnen, sondern auch deren Eltern und generell Jobsuchende von der Qualität ihres Arbeitsplatzangebots überzeugen möchten.
Bei einem Pressegespräch im AMS Lienz skizzierten die veranstaltenden Organisationen den soziodemografischen Hintergrund, vor dem sich die Aktivitäten rund um die Fachkräfte von morgen abspielen. Philipp Seirer-Baumgartner vom AMS-Tirol hatte dazu einige Zahlen mitgebracht.

Osttirol hat mit einer niedrigen Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent praktisch Vollbeschäftigung. Dem standen 2025 im Jahresschnitt mehr als 400 sofort verfügbare offene Stellen gegenüber. Mehr noch: In den vergangenen zehn Jahren sind über tausend zusätzliche Arbeitsplätze im Bezirk entstanden, wobei die Grafik unten zeigt, wer für diesen Boom verantwortlich ist.

Hier sieht man, dass Osttirol – entgegen landläufiger Klischees – keineswegs „vom Tourismus lebt“, sondern längst zu einem pulsierenden Industrie und Gewerbestandort geworden ist. 626 neue Jobs wurden allein in diesem Segment geschaffen.
Ebenfalls boomend ist das Gesundheits- und Sozialwesen mit rund 400 neu geschaffenen Jobs in den vergangenen zehn Jahren. Auch der Bau kann punkten, während der Tourismus auf niedrigem Niveau stagniert und auch in absoluten Zahlen nur jeden zehnten Arbeitsplatz für sich verbuchen kann. Einziger echter Verlierer ist der Handel, wo die digital geprägten Konsumgewohnheiten und die Filialisierung ihre Spuren hinterlassen.
Osttirol hätte also gute Wachstumskarten, doch ein Parameter kann mit der erstarkten Wirtschaftskraft nicht mithalten: Die Bevölkerungsentwicklung. Im Gegensatz zu anderen Tiroler Bezirken stagniert die Zahl der Einwohner:innen und sowohl auf dem Arbeitsmarkt als auch generell ist Überalterung ein Thema.
Zwar sinken in allen hochentwickelten Weltgegenden die Geburtenraten, doch in Osttirol fehlt die wichtigste Komponente, um dieses Manko auszugleichen: Zuwanderung. Während im Bundesland fast 30 Prozent aller Arbeitskräfte Ausländer sind, kommen in Osttirol nur 9,2 Prozent der unselbständig Beschäftigten aus dem Ausland.
Auf unterschiedlichen Ebenen versuchen Innos & Co. dieses Manko zu bekämpfen. Es gibt Bemühungen, tradierte Rollenmuster aufzubrechen und das große Potenzial bei weiblichen Beschäftigten zu heben. Lebenlanges Lernen ist ebenso ein Thema, wie das hinlänglich bekannte Mantra „Zruck hoam“, also der versuch, Ausgewanderte wieder in den Bezirk zurückzuholen. Die Jobmesse wird die Schere zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt zwar nicht schließen können, aber eine Leistungsschau für die erstaunliche Kraft der Osttiroler Wirtschaft und die Attraktivität Osttirols als Arbeitsplatz ist sie in jedem Fall.
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