Wie berichtet, wurden ab 16. April in den Gemeinden Untertilliach und St. Lorenzen (Kärnten) innerhalb kurzer Zeit insgesamt sieben Gänsegeier unter mysteriösen Umständen aufgefunden. Nur einer davon war noch am Leben und konnte in der Auffang- und Pflegestation der Burg Landskron aufgepäppelt und wieder freigelassen werden. Alle weiteren Tiere waren bereits verendet.

Einige Wochen herrschte Unklarheit über die Todesursache der Tiere: Die Bezirkshauptmannschaften Lienz und Hermagor als zuständige Behörden verwiesen auf laufende Untersuchungen durch die AGES Tiergesundheit bzw. die Veterinärmedizin Wien. Diese erklärten auf Anfrage von Dolomitenstadt allerdings unisono, aus laufenden Verfahren keine Informationen weitergeben zu dürfen und schoben die Verantwortung wieder zurück zu den Bezirkshauptmannschaften.
Tierseuche wurde ausgeschlossen
Anstelle derer antwortete dann das Land Tirol mit der Information, dass die Untersuchungen der AGES abgeschlossen wurden und diese keine Hinweise auf eine Tierseuche als Todesursache ergeben hätten. Entsprechend obliege die Zuständigkeit für die weiteren Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, die jedoch laut Auskunft von Markus Kitz, Erster Staatsanwalt und Leiter der Medienstelle, mit Stand vom 28. Mai noch kein Ermittlungsverfahren in dieser Sache führt.
Giftanschlag bestätigt
Licht ins Dunkel bringt nun aber die Vogel- und Naturschutzorganisation „BirdLife“ und bestätigt, was nach Ausschluss einer Seuche als Todesursache bereits vermutet werden musste: Die Tiere wurden Opfer eines gezielten Giftanschlags und starben an dem EU-weit verbotenen Pestizid Carbofuran. Bei fünf der sieben gefundenen Gänsegeier, die bereits abschließend untersucht wurden, wurde diese Vergiftung als Todesursache festgestellt.
„Wer Carbofuran auslegt, nimmt den Tod geschützter Wildtiere bewusst in Kauf. Sieben betroffene Gänsegeier in einem einzigen Tal sind ein schwerer Fall von Wildtierkriminalität. Jetzt muss lückenlos geklärt werden, wer hinter diesem feigen Giftanschlag steckt und welches Ziel die Täter verfolgt haben.“
Christina Wolf-Petre, WWF-Artenschutzexpertin
Entsprechend ist von einem gezielten Giftanschlag auf Wildtiere auszugehen, wenngleich sich dieser nicht zwingend gegen Gänsegeier richten muss. Stattdessen liegt nahe, dass damit andere Tiere, wie beispielsweise Wölfe, ins Visier genommen werden sollten.
Der Fall ist einer der schwersten bekannten Vergiftungsfälle von Greifvögeln und Geiern der vergangenen Jahre in Österreich. „Wer Carbofuran auslegt, nimmt den Tod geschützter Wildtiere bewusst in Kauf. Sieben betroffene Gänsegeier in einem einzigen Tal sind ein schwerer Fall von Wildtierkriminalität. Jetzt muss lückenlos geklärt werden, wer hinter diesem feigen Giftanschlag steckt und welches Ziel die Täter verfolgt haben“, sagt WWF-Artenschutzexpertin Christina Wolf-Petre.
Tödliche Köder: Carbofuran als Bedrohung für Wildtiere
Carbofuran ist ein Nervengift, das bereits in geringsten Dosen für Vögel, Säugetiere und sogar Menschen tödlich wirkt. In der EU ist der Wirkstoff, der lange als Pestizid ausgebracht wurde, seit 2008 verboten, doch immer wieder wird er illegal als Köder ausgelegt – mit verheerenden Folgen für geschützte Arten wie Rotmilan, Seeadler oder, wie hier, Gänsegeier.
Allein in Österreich wurden in den letzten neun Jahren knapp 400 illegale Tötungen von Vögeln dokumentiert, darunter 81 geschützte Greifvögel, die durch Vergiftungen starben. Dies geht aus den Auswertungen zum neuen Wildtierkriminalitätsbericht von BirdLife Österreich und WWF hervor.
Österreich als Schlüsselgebiet für Gänsegeier
Österreich – insbesondere die Hohen Tauern – ist ein wichtiges Übersommerungsgebiet für den Gänsegeier (Gyps fulvus), der ein reiner Aasfresser ist. Jungvögel und Nichtbrüter aus den Brutgebieten Friauls (Italien) und der nordwestlichen Balkanhalbinsel finden hier ideale Bedingungen: Mit Beginn der Almsaison fliegen die ersten Vögel ein und übernehmen den Sommer über – gemeinsam mit Bart- und Mönchsgeier – die unverzichtbare Aufgabe der Entsorgung von Kadavern.
Da Wild- und Nutztierkadaver oft nicht geborgen werden können, spielt der Gänsegeier so eine wichtige Rolle darin, die Ausbreitung von Krankheiten und Tierseuchen zu verhindern. Allein in den Hohen Tauern verbringen jährlich 100 bis 120 Gänsegeier den Sommer, die sich von durch Unwetter, Abstürze oder Krankheiten verendeten Wild- und Nutztieren ernähren.
„Österreich stellt nicht nur ein wichtiges Übersommerungsgebiet für den Gänsegeier dar, sondern verbindet als Trittstein die Populationen Ost- und Westeuropas. Die Folgen dieser abscheulichen Tat wirken demnach weit über die österreichischen Grenzen hinaus,“ betont José Tavares, Direktor der Vulture Conservation Foundation – einer Organisation, die sich seit den 1980er-Jahren grenzüberschreitend für den Schutz der europäischen Geier einsetzt.
Lückenlose Aufklärung gefordert
BirdLife Österreich, WWF Österreich und die Vulture Conservation Foundation fordern eine lückenlose Aufklärung des Falls und appellieren an die Bevölkerung, Hinweise zur Tat an die Polizei zu melden.
„Solche Taten haben das Potential, bedrohte Arten wieder an den Rand des Aussterbens zu bringen und jahrzehntelange Schutzbemühungen zu zerstören“, verdeutlicht José Tavares das Ausmaß des Problems. Sie würden auch erhebliche Investitionen zunichtemachen, die sowohl die österreichischen als auch europäischen Bürger:innen mit ihren Steuern unterstützt haben.
Die Naturschutzorganisationen verurteilen die verabscheuungswürdige Straftat und fordern eine deutliche Antwort von den Strafverfolgungsbehörden, um die Verursacher auszuforschen und vor Gericht zur Verantwortung zu ziehen.
Meldemöglichkeiten
Für eine lückenlose Aufklärung werden Hinweise aus der Bevölkerung erbeten. Wer verdächtige Beobachtungen im Zusammenhang mit Wildtierkriminalität macht oder Hinweise auf illegale Tötung geschützter Arten hat, wird aufgefordert, sich zu melden. Dafür stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:
- Landespolizeidirektion Kärnten +43 59 133 20 33 33
- BirdCrime-Hotline: +43 660 869 2327
- E-Mail: meldung@wildlifecrime.at
- Anonyme Meldeplattform
14 Postings
Alles was der " Mensch" den Tieren antut,schlägt irgendwann zurück
hoffentlich findens dich du feigling und verurteilen dich nach strich und faden ... wie krank muss man in der hohlen birne sein, das ist unfassbar ....
Da Jäger in Osttirol zugegeben haben, vergiftete Kadaver für Wölfe ausgelegt zu haben, ist klar, woher das Carbofuran in den Gänsegeiern wahrscheinlich kommt! Es werden noch mehr "Kollateralschäden" an den Nützlingen des Waldes (Füchse, Krähen, Raben etc. ) zu beklagen sein... Schämt euch!!!
Schämen reicht da nicht. Wenn das stimmt, da gehört dann die Jagdlizenz entzogen! Sorry Leute, Tiere vergiften, das geht gar nicht!
da sieht man perfekt den intellekt der jäger .... als ob wölfe kadaver fressen, wenn sie frische beute schlagen können, intelligenzmässig scheinen die nämlich einiges über der so manches jägers zu stehen. wenn man nur ein wenig nachliest und das gelesene auch versteht, dann weiss man dass zb gänsegeier, lämmergeier etc nur kadaver fressen, also sehr nützlich sind. damit kann man davon ausgehen, dass die geier auch nicht ins sinnbild der modernen (jagd)gesellschaft passen. ich erinner wieder daran, dass vor einiger zeit in gaimberg greifvögel beinhart abgeknallt wurden .... ein hoch auf die täter, ihr könnt stolz auf euch sein ....
Der Mensch ist nicht nur dem Menschen ein Wolf(!), sondern der ganzen Natur und Schöpfung. Einige hassen den Wolf, der sie im mythologischen/psychologischen Sinn selber sind(!) so sehr, dass sie zu jedem Mittel greifen und damit zum "Wolf" werden für Tier und Mitmenschen... Shame on you!!!
Darf man die Namen der Jäger erfahren?
Hinzu kommt noch, dass Carbofuran ein hochtoxisches Insektizid, das in der EU seit 2007 verboten ist. Das heißt hier gibt es Subjekte, die Carbofuran seit fast zwanzig Jahren illegal lagern.
Es darf weder verkauft, noch gelagert, noch angewendet werden. Schon winzige Mengen können Vögel, Säugetiere und sogar Menschen töten.
Also diese Jäger sind hochkriminell unterwegs und leben unter uns.
Wenn ich mir in den sozialen Medien das Bejubeln dieser Jäger betrachte, wenn sie wieder mal einen Wolf erlegten, dann hofften sie wohl auch dermal, dass sie wieder von Sympathiebekundungen überhäuft werden.
Der Mensch ist mittlerweile gegenüber Tier und Natur komplett skrupellos.... und dann wundern wenn Natur und Tier zurückschlagen.
ja liebe/r @Bobby, der Rotstrichler bei Ihnen und mir bestätigt eindringlich unsere Gedanken, da müsste man sich doch glatt bedanken!
war er immer schon
Diese Greifvögel verursachen weder einen Schaden, noch sind sie für die Menschen eine Gefahr! Eine reine "Gesundheitspolizei" für die Natur! Einfach nur wunderschöne Tiere!
ich hoffe so sehr, dass diese/r irren und feigen Tiermörder gefunden und mit voller Härte bestraft werden und nicht mit einer Diversion davonkommen wie der VI, der sich in Matrei an Pferden vergangen hat. Wie tief im Niveau muss man eigentlich sinken, dass man so etwas tut. Es gibt Vorfälle da wünsche ich mir, daß es "Auge um Auge, Zahn um Zahn" noch geben würde, oder zumindest den Pranger. Solche Typen widern mich an!!!
100% Ihrer Meinung, so traurig, wie alles immer radikaler und gewalttätiger wird, offenbar die gesamte Gesellschaft weltweit! Was ist bloß los, dass sich der Mensch zurück entwickelt, obwohl es uns noch nie so gut gegangen ist?
@Letsfetz, genau das ist es, es geht den Allermeisten zu gut...
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