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Im April wurden sieben Gänsegeier in Osttirol und Kärnten Opfer eines Giftanschlags mit dem verbotenen Pestizid Carbofuran. Foto: Michael Kurz

Im April wurden sieben Gänsegeier in Osttirol und Kärnten Opfer eines Giftanschlags mit dem verbotenen Pestizid Carbofuran. Foto: Michael Kurz

Tote Gänsegeier aus dem Lesachtal wurden vergiftet

Sieben Tiere in Osttirol und Kärnten wurden Opfer eines gezielten Giftanschlags mit dem Pestizid Carbofuran.

Wie berichtet, wurden ab 16. April in den Gemeinden Untertilliach und St. Lorenzen (Kärnten) innerhalb kurzer Zeit insgesamt sieben Gänsegeier unter mysteriösen Umständen aufgefunden. Nur einer davon war noch am Leben und konnte in der Auffang- und Pflegestation der Burg Landskron aufgepäppelt und wieder freigelassen werden. Alle weiteren Tiere waren bereits verendet.

Der Vogel mit der Kennung FB7 ist der einzig lebend geborgene Gänsegeier, hier wird er von Geier-Experte Michael Knollseisen gehalten. Das Tier wurde in der Pflegestation der Burgarena Landskron wieder gesund gepflegt. Foto: Knollseisen

Einige Wochen herrschte Unklarheit über die Todesursache der Tiere: Die Bezirkshauptmannschaften Lienz und Hermagor als zuständige Behörden verwiesen auf laufende Untersuchungen durch die AGES Tiergesundheit bzw. die Veterinärmedizin Wien. Diese erklärten auf Anfrage von Dolomitenstadt allerdings unisono, aus laufenden Verfahren keine Informationen weitergeben zu dürfen und schoben die Verantwortung wieder zurück zu den Bezirkshauptmannschaften.

Tierseuche wurde ausgeschlossen

Anstelle derer antwortete dann das Land Tirol mit der Information, dass die Untersuchungen der AGES abgeschlossen wurden und diese keine Hinweise auf eine Tierseuche als Todesursache ergeben hätten. Entsprechend obliege die Zuständigkeit für die weiteren Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, die jedoch laut Auskunft von Markus Kitz, Erster Staatsanwalt und Leiter der Medienstelle, mit Stand vom 28. Mai noch kein Ermittlungsverfahren in dieser Sache führt.

Giftanschlag bestätigt

Licht ins Dunkel bringt nun aber die Vogel- und Naturschutzorganisation „BirdLife“ und bestätigt, was nach Ausschluss einer Seuche als Todesursache bereits vermutet werden musste: Die Tiere wurden Opfer eines gezielten Giftanschlags und starben an dem EU-weit verbotenen Pestizid Carbofuran. Bei fünf der sieben gefundenen Gänsegeier, die bereits abschließend untersucht wurden, wurde diese Vergiftung als Todesursache festgestellt.

„Wer Carbofuran auslegt, nimmt den Tod geschützter Wildtiere bewusst in Kauf. Sieben betroffene Gänsegeier in einem einzigen Tal sind ein schwerer Fall von Wildtierkriminalität. Jetzt muss lückenlos geklärt werden, wer hinter diesem feigen Giftanschlag steckt und welches Ziel die Täter verfolgt haben.“

Christina Wolf-Petre, WWF-Artenschutzexpertin

Entsprechend ist von einem gezielten Giftanschlag auf Wildtiere auszugehen, wenngleich sich dieser nicht zwingend gegen Gänsegeier richten muss. Stattdessen liegt nahe, dass damit andere Tiere, wie beispielsweise Wölfe, ins Visier genommen werden sollten.

Der Fall ist einer der schwersten bekannten Vergiftungsfälle von Greifvögeln und Geiern der vergangenen Jahre in Österreich. „Wer Carbofuran auslegt, nimmt den Tod geschützter Wildtiere bewusst in Kauf. Sieben betroffene Gänsegeier in einem einzigen Tal sind ein schwerer Fall von Wildtierkriminalität. Jetzt muss lückenlos geklärt werden, wer hinter diesem feigen Giftanschlag steckt und welches Ziel die Täter verfolgt haben“, sagt WWF-Artenschutzexpertin Christina Wolf-Petre.

Tödliche Köder: Carbofuran als Bedrohung für Wildtiere


Carbofuran ist ein Nervengift, das bereits in geringsten Dosen für Vögel, Säugetiere und sogar Menschen tödlich wirkt. In der EU ist der Wirkstoff, der lange als Pestizid ausgebracht wurde, seit 2008 verboten, doch immer wieder wird er illegal als Köder ausgelegt – mit verheerenden Folgen für geschützte Arten wie Rotmilan, Seeadler oder, wie hier, Gänsegeier.

Allein in Österreich wurden in den letzten neun Jahren knapp 400 illegale Tötungen von Vögeln dokumentiert, darunter 81 geschützte Greifvögel, die durch Vergiftungen starben. Dies geht aus den Auswertungen zum neuen Wildtierkriminalitätsbericht von BirdLife Österreich und WWF hervor.

Österreich als Schlüsselgebiet für Gänsegeier


Österreich – insbesondere die Hohen Tauern – ist ein wichtiges Übersommerungsgebiet für den Gänsegeier (Gyps fulvus), der ein reiner Aasfresser ist. Jungvögel und Nichtbrüter aus den Brutgebieten Friauls (Italien) und der nordwestlichen Balkanhalbinsel finden hier ideale Bedingungen: Mit Beginn der Almsaison fliegen die ersten Vögel ein und übernehmen den Sommer über – gemeinsam mit Bart- und Mönchsgeier – die unverzichtbare Aufgabe der Entsorgung von Kadavern.

Da Wild- und Nutztierkadaver oft nicht geborgen werden können, spielt der Gänsegeier so eine wichtige Rolle darin, die Ausbreitung von Krankheiten und Tierseuchen zu verhindern. Allein in den Hohen Tauern verbringen jährlich 100 bis 120 Gänsegeier den Sommer, die sich von durch Unwetter, Abstürze oder Krankheiten verendeten Wild- und Nutztieren ernähren.

„Österreich stellt nicht nur ein wichtiges Übersommerungsgebiet für den Gänsegeier dar, sondern verbindet als Trittstein die Populationen Ost- und Westeuropas. Die Folgen dieser abscheulichen Tat wirken demnach weit über die österreichischen Grenzen hinaus,“ betont José Tavares, Direktor der Vulture Conservation Foundation – einer Organisation, die sich seit den 1980er-Jahren grenzüberschreitend für den Schutz der europäischen Geier einsetzt.

Lückenlose Aufklärung gefordert

BirdLife Österreich, WWF Österreich und die Vulture Conservation Foundation fordern eine lückenlose Aufklärung des Falls und appellieren an die Bevölkerung, Hinweise zur Tat an die Polizei zu melden. 

„Solche Taten haben das Potential, bedrohte Arten wieder an den Rand des Aussterbens zu bringen und jahrzehntelange Schutzbemühungen zu zerstören“, verdeutlicht José Tavares das Ausmaß des Problems. Sie würden auch erhebliche Investitionen zunichtemachen, die sowohl die österreichischen als auch europäischen Bürger:innen mit ihren Steuern unterstützt haben.

Die Naturschutzorganisationen verurteilen die verabscheuungswürdige Straftat und fordern eine deutliche Antwort von den Strafverfolgungsbehörden, um die Verursacher auszuforschen und vor Gericht zur Verantwortung zu ziehen.

Meldemöglichkeiten

Für eine lückenlose Aufklärung werden Hinweise aus der Bevölkerung erbeten. Wer verdächtige Beobachtungen im Zusammenhang mit Wildtierkriminalität macht oder Hinweise auf illegale Tötung geschützter Arten hat, wird aufgefordert, sich zu melden. Dafür stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Landespolizeidirektion Kärnten +43 59 133 20 33 33
  • BirdCrime-Hotline: +43 660 869 2327
  • E-Mail: meldung@wildlifecrime.at
  • Anonyme Meldeplattform

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3 Postings

Bobby
vor einer Stunde

Der Mensch ist mittlerweile gegenüber Tier und Natur komplett skrupellos.... und dann wundern wenn Natur und Tier zurückschlagen.

 
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Haberg21
vor 2 Stunden

Diese Greifvögel verursachen weder einen Schaden, noch sind sie für die Menschen eine Gefahr! Eine reine "Gesundheitspolizei" für die Natur! Einfach nur wunderschöne Tiere!

 
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isnitwahr
vor 3 Stunden

ich hoffe so sehr, dass diese/r irren und feigen Tiermörder gefunden und mit voller Härte bestraft werden und nicht mit einer Diversion davonkommen wie der VI, der sich in Matrei an Pferden vergangen hat. Wie tief im Niveau muss man eigentlich sinken, dass man so etwas tut. Es gibt Vorfälle da wünsche ich mir, daß es "Auge um Auge, Zahn um Zahn" noch geben würde, oder zumindest den Pranger. Solche Typen widern mich an!!!

 
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