Nach einem außergewöhnlich heißen und trockenen Sommer gehen Österreichs Flüsse stark geschwächt in den Herbst. Im August wiesen rund 90 Prozent der ausgewerteten Pegelmessstellen eine sehr niedrige Wasserführung auf, informiert die Naturschutzorganisation WWF auf Basis des Wasserhaushaltsberichts des Umweltministeriums. „Der anhaltende Wassermangel setzt viele Tiere, Pflanzen und ihre Lebensräume massiv unter Druck. Herbstliche Regenfälle können die Wasserführung zwar vorübergehend verbessern, bereits entstandene ökologische Schäden aber nicht rückgängig machen“, sagt WWF-Flussökologin Marie Pfeiffer.
Die extremste Abweichung unter den ausgewerteten Referenzpegeln verzeichnete die Leitha bei Deutsch-Haslau in Niederösterreich, die 98 Prozent weniger Wasser als im langjährigen Monatsmittel führte. In Tirol war die Kitzbüheler Ache mit minus 63 Prozent am stärksten betroffen.

Auch die Osttiroler Flüsse und Bäche sind vom niederschlagsarmen Sommer betroffen. Bei allen gemessenen Pegeln werden laut dem Hydrologiebericht des Landes Tirols die niedrigsten Juli-Monatsmittel seit Beginn der Abflussermittlung erreicht. Die Drau auf Höhe Peggetz stellte für fast jeden Tag im Juli neue Minimumrekorde auf.
Dies betrifft auch den Tauernbach bei Matrei, wo diese Woche das neue Kraftwerk Tauernbach-Gruben eröffnet wurde. Dieses soll 27,1 MW Leistung bringen - das wäre der durchschnittliche Jahresbedarf von 20.000 Haushalten. Hierfür werden bis zu 80 Prozent des Wassers abgeleitet und später wieder in den Bach zurückgegeben. Da im Gletscherbach im Winter quasi kein Wasser fließt, konzentriert sich die Stromerzeugung auf die Sommermonate. In der Hochbedarfszeit wird das Kraftwerk deswegen wenig zur Versorgungssicherheit beitragen können.

Wie in der Abbildung zu sehen erreichte der Durchfluss im Tauernbach Ende Juli ein historisches Tief für den Monat, was in den kommenden Jahren auch die Stromerzeugung beeinträchtigen könnte. Unter Volllast sollen bis zu 9 Kubikmeter Wasser abgeleitet werden - ausgenommen der Schneeschmelze im Frühsommer erreichte der Tauernbach selbst diesen Durchfluss nur ein paar Mal in diesem Sommer. Ob sich das aufgrund des Klimawandels in den nächsten Jahren bessert, ist eher unwahrscheinlich.
Abgesehen von wirtschaftlichen Faktoren belastet Niedrigwasser in unseren Flüssen auch die Tierwelt. Bei zusätzlich hohen Temperaturen erwärmen sich seichte Flussabschnitte besonders rasch, während der Sauerstoffgehalt sinkt, warnt der WWF. „Für kälteliebende Arten wie Äsche, Huchen und Bachforelle schrumpfen dadurch lebenswichtige Rückzugsräume. In verbauten oder ausgeleiteten Gewässerstrecken verschärft sich der Hitzestress zusätzlich, weil Schatten, natürliche Strukturen und kühlere Tiefenbereiche fehlen“, sagt WWF-Expertin Marie Pfeiffer. Die Folgen reichen weit über einzelne Fischarten hinaus: Anhaltendes Niedrigwasser setzt ganze Flussökosysteme massiv unter Druck.
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