Ihr Dolo Plus Vorteil:
Diesen Artikel jetzt anhören
Der Rückzug der Gletscher – hier das Schlatenkees 2024 – verändert die alpine Landschaft und den Wasserhaushalt in den Alpenregionen. Foto: Mitja Kobal

Der Rückzug der Gletscher – hier das Schlatenkees 2024 – verändert die alpine Landschaft und den Wasserhaushalt in den Alpenregionen. Foto: Mitja Kobal

So schnell verschwindet das Schlatenkees

Seit August 2019 dokumentiert Fotograf Mitja Kobal für Greenpeace die Verwandlung der Eismasse zu einem See.

Schon lange sind die Gletscher als Folge der Klimaerwärmung auf dem Rückzug. Eine Fotoserie der Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigt am Beispiel des Osttiroler Schlatenkees, Teil der Venedigergruppe in den Ostalpen, die Rasanz des Prozesses auf. 

Seit August 2019 dokumentiert der Fotograf Mitja Kobal für die NGO, wie die einst dicke Eisschicht im Kessel im Verlauf der Jahre bis zum August 2026 weitgehend zu einem Schmelzwassersee verwandelt wurde.

„Die Gletscher sind ein Spiegel der Klimakrise“, warnte Greenpeace-Klimaexpertin Jasmin Duregger. Das Schwinden des einstigen „Ewigen Eises“ sei aber nicht nur eine Folge der Klimakrise, sondern beeinflusse das alpine Klima auch direkt, schrieb die NGO am Sonntag in einer Aussendung: Intakte Gletscher kühlen die Atmosphäre stattdessen auch aktiv und ihr Verlust führt somit zu einer zusätzlichen lokalen Temperaturerhöhung im Hochgebirge.

Ein Verlust, der beim Schlatenkees besonders rasant vonstattengeht. So hält der Nationalpark Hohe Tauern auf seiner Internetpräsenz fest, dass zwischen 1998 und 2022 die Fläche des Gletschers von 9,1 auf 6,8 Quadratkilometer geschrumpft sei, was einem Rückgang von 25 Prozent entspreche. Der Alpenverein (ÖAV) hielt den längenmäßigen Rückgang das letzte Mal im Jahr 2023 fest, wo er 93,7 Meter einbüßte, so Greenpeace. 

Im gleichen Jahr berichtete der Alpenvereins-Gletschermessdienst von einer „massiven Entgletscherung“, die überall in den österreichischen Alpen zu beobachten sei. Das Schlatenkees lag da im jährlichen Gletscherbericht der Periode 2021/2022 mit einem Rückgang von minus 89,5 Meter an erster Stelle einer traurigen „Top 3“. Die damals vom ÖAV genannten Gründe, hohe Temperaturen sowie geringe Niederschlagsmengen, sind eine Kurzzusammenfassung der diesjährigen Wetterbedingungen.

Noch rund 900 Gletscher vorhanden

Insgesamt gibt es derzeit noch etwa 900 Gletscher in Österreich, vor allem in den zentralen und östlichen Alpen, und sie haben als Wasserspeicher auch eine wichtige ökologische Funktion, hob Greenpeace hervor: Als bedeutende Wasserreservoirs versorgen sie so etwa Alpenflüsse und stabilisieren besonders in Sommermonaten mit wenig Niederschlag den Wasserhaushalt. 

Beim Schlatenkees könnte vom raschen Abschmelzen auch das eben erst eröffnete Tiwag-Kraftwerk am Tauernbach direkt betroffen sein. Das Schmelzwasser dieses Gletschers fließt über den Gschlössbach direkt in den Tauernbach und weiter in die Isel.

Ein rasantes Abschmelzen bestätigt auch ein im März publiziertes Teilergebnis des Forschungsprojekts „Wasser im Klimawandel“, das im Auftrag des Umweltministeriums durchgeführt wird. 

Bis zum Jahr 2050 werden demnach zwischen 70 und 80 Prozent der Gletschermasse im Vergleich zu 2024 verloren gehen, wobei sich die Spanne zwischen den beiden Berechnungsergebnissen aus den unterschiedlichen möglichen Klimaszenarien ergibt. Auch die Abschmelzung in den Jahren davor war demnach stärker, als anhand bisheriger Modellierungen angenommen wurde.

Greenpeace forderte angesichts der Entgletscherung, dass Österreich nicht nur beim globalen Klimaschutz einen fairen Beitrag leisten und das angekündigte Klimagesetz ambitioniert mit verpflichtenden Pfaden zur Klimaneutralität 2040 gestalten müsse. „Um die verbleibenden Gletscher zu schützen, müssen Umwelt­verträglichkeits­prüfungen bei Gletscher-Bauprojekten ausgeweitet werden“, forderte Duregger.


Fotograf Mitja Kobal, porträtiert von Nasli Tamyüksel

Der slowenische Fotograf Mitja Kobal mit Wohnsitz in Wien wurde mehrfach ausgezeichnet. Die Dokumentation des Schlatenkees erreichte bei den „International Landscape Photographer of the Year Awards“ den 2. Platz in der Kategorie „Foto des Jahres“.

Das könnte Sie auch interessieren

Zu wenig Wasser in den heimischen Flüssen

Auch in Osttirol leiden die Gewässer am Niederschlagsmangel des Sommers.

1

Keine Postings

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren