Schon lange sind die Gletscher als Folge der Klimaerwärmung auf dem Rückzug. Eine Fotoserie der Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigt am Beispiel des Osttiroler Schlatenkees, Teil der Venedigergruppe in den Ostalpen, die Rasanz des Prozesses auf.
Seit August 2019 dokumentiert der Fotograf Mitja Kobal für die NGO, wie die einst dicke Eisschicht im Kessel im Verlauf der Jahre bis zum August 2026 weitgehend zu einem Schmelzwassersee verwandelt wurde.
„Die Gletscher sind ein Spiegel der Klimakrise“, warnte Greenpeace-Klimaexpertin Jasmin Duregger. Das Schwinden des einstigen „Ewigen Eises“ sei aber nicht nur eine Folge der Klimakrise, sondern beeinflusse das alpine Klima auch direkt, schrieb die NGO am Sonntag in einer Aussendung: Intakte Gletscher kühlen die Atmosphäre stattdessen auch aktiv und ihr Verlust führt somit zu einer zusätzlichen lokalen Temperaturerhöhung im Hochgebirge.




Ein Verlust, der beim Schlatenkees besonders rasant vonstattengeht. So hält der Nationalpark Hohe Tauern auf seiner Internetpräsenz fest, dass zwischen 1998 und 2022 die Fläche des Gletschers von 9,1 auf 6,8 Quadratkilometer geschrumpft sei, was einem Rückgang von 25 Prozent entspreche. Der Alpenverein (ÖAV) hielt den längenmäßigen Rückgang das letzte Mal im Jahr 2023 fest, wo er 93,7 Meter einbüßte, so Greenpeace.
Im gleichen Jahr berichtete der Alpenvereins-Gletschermessdienst von einer „massiven Entgletscherung“, die überall in den österreichischen Alpen zu beobachten sei. Das Schlatenkees lag da im jährlichen Gletscherbericht der Periode 2021/2022 mit einem Rückgang von minus 89,5 Meter an erster Stelle einer traurigen „Top 3“. Die damals vom ÖAV genannten Gründe, hohe Temperaturen sowie geringe Niederschlagsmengen, sind eine Kurzzusammenfassung der diesjährigen Wetterbedingungen.
Noch rund 900 Gletscher vorhanden
Insgesamt gibt es derzeit noch etwa 900 Gletscher in Österreich, vor allem in den zentralen und östlichen Alpen, und sie haben als Wasserspeicher auch eine wichtige ökologische Funktion, hob Greenpeace hervor: Als bedeutende Wasserreservoirs versorgen sie so etwa Alpenflüsse und stabilisieren besonders in Sommermonaten mit wenig Niederschlag den Wasserhaushalt.
Beim Schlatenkees könnte vom raschen Abschmelzen auch das eben erst eröffnete Tiwag-Kraftwerk am Tauernbach direkt betroffen sein. Das Schmelzwasser dieses Gletschers fließt über den Gschlössbach direkt in den Tauernbach und weiter in die Isel.
Ein rasantes Abschmelzen bestätigt auch ein im März publiziertes Teilergebnis des Forschungsprojekts „Wasser im Klimawandel“, das im Auftrag des Umweltministeriums durchgeführt wird.
Bis zum Jahr 2050 werden demnach zwischen 70 und 80 Prozent der Gletschermasse im Vergleich zu 2024 verloren gehen, wobei sich die Spanne zwischen den beiden Berechnungsergebnissen aus den unterschiedlichen möglichen Klimaszenarien ergibt. Auch die Abschmelzung in den Jahren davor war demnach stärker, als anhand bisheriger Modellierungen angenommen wurde.
Greenpeace forderte angesichts der Entgletscherung, dass Österreich nicht nur beim globalen Klimaschutz einen fairen Beitrag leisten und das angekündigte Klimagesetz ambitioniert mit verpflichtenden Pfaden zur Klimaneutralität 2040 gestalten müsse. „Um die verbleibenden Gletscher zu schützen, müssen Umweltverträglichkeitsprüfungen bei Gletscher-Bauprojekten ausgeweitet werden“, forderte Duregger.

Der slowenische Fotograf Mitja Kobal mit Wohnsitz in Wien wurde mehrfach ausgezeichnet. Die Dokumentation des Schlatenkees erreichte bei den „International Landscape Photographer of the Year Awards“ den 2. Platz in der Kategorie „Foto des Jahres“.
4 Postings
Da bleibt einem die Spucke weg. Braucht es noch eindrücklichere Bilder, damit den ewigen Betonköpfen endlich das Klima- und Umweltlicht aufgeht? So viel Borniertheit ist einfach unerträglich - und weiterhin Beton, Lifte, Flugreisen, sinnentleerte Autofahrten, ja aber auch E-Bikes nur um der Bequemlichkeit willen. Was ist die Menschheit doch für eine doofe Spezies.
......reg dich nicht so auf, muss mein e-bike jetzt eh in den Keller stellen weils mir in der früh zu kalt ist. Fahr ich die Strecke hin und retour zur Arbeit, 25km 5x die Woche, eh wieder mit meinem geliebten Diesel
Unholder, wie isch es dir denn so im Leben ergangen? Auf alle diese "Vorzüge" verzichtet, also kein Jagdausflug nach Kenja, keine Kreuzfahrt nach Spitzbergen, keinen Flug über den großen Teich oder Spritztouren mit dem Goggomobil auf den Autobahnen quer durch Europa in die Städte und Länderkulturen unserer Zivilisation?
Ich glaube nicht an die Märchen, dass der private Aktionsradius der heutigen Generationen an der Bezirksgrenze endet oder gar nur mehr mit Öffis fortgeführt wird. Trotz Internet im Haus, trotz Bildung und Vernunft.
Dass es so nicht weitergehen kann, da sind wir uns wahrscheinlich einig. Aber wie stellst denn du dir vor, wie man in Zukunft die Bedürfnisse von neun Milliarden Erdenbürger auch klimagerecht befriedigen könnte?
Hättest du das Patentrezept?
Denken Sie wirklich, Ihre pauschalen Verunglimpfungen ihrer Mitmenschen können den Klimawandel aufhalten?
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