Drei Iseltaler Bürgermeister am Pokertisch

Im riskanten Energiepoker ist Osttirols Natur der Einsatz. Ein Kommentar.

Foto: photocase/Niggl

Anfang November tagte der Gemeinderat von Prägraten. Zumindest für die Opposition überraschend kam ein vertrauter Gast vorbei, INFRA-Geschäftsführer Wolfgang Widmann. Der Nordtiroler Projektant für ein 144-Mio-Euro Kraftwerk an der oberen Isel wirkte nervös und mahnte zur Eile. Andere Projekte seien in Sicht, darunter ein Kraftwerk der Tiwag am Tauernbach. Widmann ist politischer Insider. Er geht nicht nur im Innsbrucker Landhaus ein und aus, sondern kennt auch seine Mitbewerber gut: darunter die Tiwag.

Wenige Tage nach dieser Gemeinderatssitzung – bei der übrigens nachträglich (!) der seltsame Optionendeal zwischen Prägraten und der INFRA abgesegnet wurde – präsentierte Tiwag-General Bruno Wallnöfer ein paar Kilometer weiter vor dem Matreier Gemeindeparlament sein 90-Millionen-Projekt. Energie aus dem Tauernbach soll schon kurzfristig Geld in die Kassen der hoch verschuldeten Kommune spülen. In Richtung Virgen und Prägraten winkte Wallnöfer ab. Die Tiwag stehe als späterer Betreiber für das dort geplante Projekt nicht zur Verfügung.

Interessant war die Begründung: „Wir erachten die Realisierung eines solchen Projekts für unwahrscheinlich.“ Wallnöfer sitzt noch ein Stückchen näher an den Zentren der Macht als Widmann. Kein Wunder, dass der INFRA-Mann nervös wird. Er werde noch nachhaken und wolle die Tiwag-Entscheidung schriftlich, erklärte er den Prägratener Gemeindevertretern. Wenn die Landesgesellschaft nicht einsteigen wolle, werde man andere Konzerne finden, wenn nötig im Ausland.

Das heißt nichts Gutes für die Bürger von Virgen und Prägraten. Andreas Köll packelt mit der Tiwag, um seine Gemeinde vor dem finanziellen Kollaps zu retten. Außerdem forciert er mit dem Privatunternehmer Michael Theurl ein eigenes Iselkraftwerk zwischen Matrei und Huben. Was weiter hinten im Tal passiert, ist ihm in seiner Lage völlig egal. Und die Prägratener und Virger sitzen auf „Optionen“ für ein Projekt, das so mächtige Männer wie Köll und Wallnöfer für Schaumschlägerei halten.

Alle drei Gemeinden zusammen haben rund 8500 Einwohner, weniger als mancher Stadtbezirk in Innsbruck. Von Gemeinsamkeit im Sinne der Bürger, von nachhaltiger  Energiepolitik und vorausschauender Planung, von einem wirklich offenen Dialog und von ernst gemeintem Umweltschutz kann keine Rede sein. Drei Dorfkaiser rittern um Millionen und machen nicht nur ihre eigenen Gemeinden zum Spielball der Energiekonzerne.

Köll, Ruggenthaler und Steiner pokern hoch. Auf dem Spieltisch liegt unser aller Eigentum und Osttirols größtes Kapital: intakte Natur als Basis für hohe Lebensqualität und künftige Tourismusstrategien. Ein riskantes Spiel.

Zum Nachlesen: Alles über die Kraftwerkspläne im Virgental

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8 Postings bisher
Detektor vor 5 Jahren

Die Köllsche Leibgarde war auftragsgemäß unterwegs, Fotokundige und sogar Krankenständler - wenn das kein Pflichtbewußtsein ist! Und: wenn es um Geld geht, haben Werte keine Bedeutung mehr.

wolf_c vor 5 Jahren

Pokertisch ist ein klares Wort, hoffentlich sind die Regeln gerecht ... wenn die einen Bürgermeister Werbe- und PR Firmen bemühen müssen, weil sie es selber nicht dertun, sprich ihren Gemeindebrüdern und -schwestern einiderdruck'n, spielt da nicht jemand mit gezinkten Karten?

Diese Firmen versprechen doch für Geld Gott und die Welt , kommt mir vor, wie damals die sogenannten Anlageberater mit den Franken-Krediten, wo sich die Immobilien praktisch von selbst abzahlen sollten, eine Art Gelderzeugung auf Wunder-Basis, nix anderes.

Mir gefällt, daß der Herr Wallnöfer ein Iselkraftwerk n i c h t selbstverständlich für genehmigungsfähig haltet, und das die Firma Tiwag des weiteren nur ausgewählte Standorte sucht, und sich, wie zitiert, an der herrschenden Goldgräbermentalität nicht beteiligt.

beobachter52 vor 5 Jahren

Leider hat der "Mottinga" Recht! Muss vorausschicken, bin kein Matreier, habe zu "Wasserkraft" eine differenzierte Sichtweise - aber irgendwo her werden wir auch in Zukunft die Energie nehmen müssen ... Derzeit im Krankenstand habe ich Zeit und lese aufmerksam alle Internetseiten, die von Osttriol berichten und/oder in Osttirol gemacht werden und dazu die Printausgaben von Kleine und TT. Und da muss ich dem "Mottinga" Recht geben: Von allen diesen Medien ist (vor allem was LA Köll bzw. die ÖVP betrifft) dolomitenstadt.at die am weitesten UNOBJEKTIVE! Da wird wirklich nur negativ berichtet, Fehler der politischen Gegener werden zumindest totgeschwiegen .... Schade, denn gerade Herr Pirker und sein engagiertes Team sind eigentlich angetreten, etwas frische Luft und Demokratie in die Osttiroler Medienwelt zu bringen, was auch dringend notwendig wäre. Derzeit sind sie aber auf dem total falschen Weg! Ich jedenfalls habe meine jahrelange Startseite (seit es dolomitenstadt.at gibt) geändert .....

max24 vor 5 Jahren

Sg Herr Köll !!

Leider gibt es keine schöneren Fotos. Man gibt sich ja Mühe !!

Mottinger vor 5 Jahren

Sehr geehrter Herr Dr. Pirkner!

Mittlerweile wird wohl auch den letzten Ihrer LeserInnen aufgefallen sein, dass Sie unseren Bürgermeister LA Dr. Andreas Köll überhaupt nicht mögen. Dies wird in nahezu jedem Ihrer Artikel und Kommentare auf dolomitenstadt.at sowie auch in Ihrer manipulativen Fotoauswahl (von über 50 Aufnahmen in einer PK wird immer das Schlechteste genommen!) offensichtlich. Dass Sie dann aber noch Ereignisse aus der letzten Gemeinderatssitzung in der Iseltaler Marktgemeinde, wie den Eklat Ihres Werbeklienten und Listenführers der „Matreier Liste“, Dipl.-Ing. Oswald Steiner, verschwiegen haben, über den z.B. die Tiroler Tageszeitung objektiv berichtet und einen aussagekräftigen Kommentar gebracht hat, spricht Bände. Dessen Vorwurf an unseren Bürgermeister, eine Urkundenfälschung begehen zu wollen, „so, wie dies seine Art sei“, wird mit Sicherheit ein entsprechendes straf- und zivilrechtliches Nachspiel haben. Uns würde auch interessieren, wann der Matreier Bürgermeister je von sich gegeben hätte, dass er das Kraftwerk an der Oberen Isel „für unrealistisch“ halten würde? Im Gegenteil: Es gibt einen einstimmigen Beschluss des Planungsverbandes Iseltal unter Vorsitz von LA Dr. Andreas Köll für dieses Kraftwerk. Im übrigen hat der Matreier Bürgermeister vorerst bis zu 10 Gemeinden der gesamten Iselregion von Prägraten bis nach Oberlienz auch angeboten, sich auch an einem möglichen Iselkraftwerk zwischen Matrei und Huben auf Gemeindeseite zu beteiligen. Das sind die Fakten.

30055 vor 5 Jahren

all in

G_J_Hahne vor 5 Jahren

Wie sieht der Iseltaler Pokertisch wirklich aus?

Hier die Mitspieler beim Iseltaler Pokertisch!

Laut TIWAG-Chef Wallnöfer erhalten die Gemeinden pro MWh 1,30€, also pro GWh 1.300€. Der Verbraucher zahlt pro kWh 14,4 Cent, also pro GWh 144.000€. Der Erzeuger (EVU) erhält davon 37%, pro GWh 53.280€. Der Netzbetreiber erhält 35%, pro GWh 50.400€. Vater Staat erhält 28%, pro GWh 40.320€. Die Gemeinde erhält, wie oben genannt pro GWh 1.300€.

Für jeden ersichtlich, wer hier die schlechten Karten hat! Eigentlich sollte sich jede Gemeinde fragen, warum sie hier überhaupt am Pokertisch sitzt!? Jeder vernunftbegabte Mensch würde mit diesen Karten nicht mitspielen! Er würde aussteigen, und nicht das Tal und seine Natur opfern, um mit einem Almosen abgespeist zu werden! Bei diesen Relationen ist ein Weg der Gemeinden aus der Verschuldung unmöglich! Alleine denkbar sind kleine Wasserkraftwerke im Besitz der Gemeinden mit einem überschaubaren finanziellen Risiko und entsprechend geringerer Landschaftszerstörung! Bei mehr als 99% an Transferleistung nach außen, gibt es wirklich keinen überzeugenden Grund für den Bau von Kraftwerken nach diesem Muster! Welcher klardenkende Bürgermeister kann so eine schlechte Interessenvertretung gegenüber den Gemeinden überhaupt verantworten?

Quelle: http://oesterreichsenergie.at/Strompreiszusammensetzung.html (2011)

bergfex vor 5 Jahren

Auf dem Spieltisch liegt UNSER aller Eigentum und Osttirols größtes Kapital: .

Und da meinen drei Möchtegernkaiser , sie allein entscheiden über das Volk hinaus für ein Projekt wo es in Wahrheit nur um Geld geht.

Wenn die Bürger sich besser informieren würden, hätten diese drei Herren nicht so eine Macht.