Mitteregger: Mein Naheverhältnis zur ÖVP ist sehr stark

Sillians neu gewählter Bürgermeister spricht über Kandidatur, Flüchtlingskrise und Haushaltsplan.

Was waren Ihre Gründe, sich für Sillian als Bürgermeister aufstellen zu lassen?
Wir sind jetzt 18 Jahre mit dem ‚Team Sillian – die Bürgerliste‘ im Gemeinderat vertreten und es hat sich letztes Jahr für uns die Frage gestellt: Sollten wir uns noch einmal politisch interessieren und wenn, dann mit Bürgermeisterkandidat oder ohne Bürgermeisterkandidat? Das Team hat sich dazu durchgerungen, diesmal einen Bürgermeisterkandidaten zu stellen. Es standen mehrere Leute dafür zur Auswahl und die gesamte Liste hat sich mehrheitlich für mich entschieden.

Haben Sie mit diesem Ausgang gerechnet, dass sie mit acht Mandaten in den Gemeinderat einziehen dürfen und mit 700 Stimmen als Bürgermeister gewählt werden?
Das kann ich schnell beantworten: Nein! Es war sehr überraschend.

Welche Ziele liegen Ihnen besonders am Herzen, um die Marktgemeinde Sillian neu zu gestalten?
Wie ich schon in meiner Antrittsrede mitgeteilt habe, sind die Voraussetzungen für 2016, in Form des Budgets, schon sehr stark eingegrenzt. Wir werden uns nachhaltig den Aufgaben widmen, welche schon jahrelang einige Problemzonen der Gemeinde sind. Ich spreche hier von der Umfahrung Sillian, einer nachhaltigen Nutzung des Hallenbad-Areals und der Ski Schaukel Sillian-Sexten. Dies wird eine der größeren Aufgaben im Gemeinderat sein.

Ist die Entscheidungsfindung im Gemeinderat durch die neue Sitzverteilung leichter oder schwerer geworden?
Die neue Sitzverteilung ist für mich, dadurch dass ich mit 8 Mandaten die Mehrheit im Gemeinderat habe, sicherlich leichter geworden. Ich möchte diese Position der Mehrheit aber nicht ausnützen. Das heißt, ich möchte in einem breiten Konsens und in häufiger Einstimmigkeit, zum Wohle der Sillianer Bevölkerung, Entscheidungen treffen. Es heißt in der Gelöbnisformel, welche jeder der Gemeinderäte persönlich, frei und mit Unterschrift getroffen hat: das Amt uneigennützig, unparteiisch und zum Wohle der Gemeinde auszuüben, nach bestem Wissen und Gewissen. Deshalb brauche ich keine politischen Kräfte messen. Ich hoffe, dass alle dies auch in dieser Form so handhaben.

Würden Sie sich und ihre Liste als „ÖVP nahe“ bezeichnen?
Dadurch, dass ich Wirtschaftsbundobmann der Marktgemeinde Sillian bin, ist mein Naheverhältnis zur ÖVP sehr stark.

Flüchtlinge Willkommen in Sillian? Ja oder nein?
Derzeit hat sich noch niemand in der Marktgemeinde Sillian um Aufnahme von Flüchtlingen gemeldet. Die ganze Flüchtlingssituation ist ein europaweites Problem. Es ist nicht nur ein Problem von Sillian. Ich hab derzeit keinen Wissensstand und es gibt auch keine Informationen. Ich habe mich mit Dekan Anno und mit anderen Institutionen wie der Caritas und dem Land Tirol sehr eng abgestimmt, aber es gibt derzeit keine Anfragen und es ist derzeit nichts in Bewegung.

Ihr Vorgänger Erwin Schiffmann äußerte sich gegenüber Dolomitenstadt, dass Sillian keine Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge habe und dass so mancher Sillianer schlechter wohne als die Flüchtlinge. Haben Sie die gleichen Ansichten wie Schiffmann?
Ich möchte jetzt nicht auf die Worte von Erwin Schiffmann eingehen und seine Sichtweise der Dinge interpretieren, das ist seine Aussage. Ich glaube kaum, dass Sillian so schlecht wohnt. Ich glaube, den Bürgern geht es in unserer wunderschönen Gegend allen halbwegs gut. Es ist richtig, dass wir keine geeigneten Unterkünfte von der Gemeindeseite haben. Ich glaube aber auch, wenn wir Flüchtlinge aufnehmen müssen, wäre die Bevölkerung sicherlich, bei einer überschaubaren Anzahl, bereit, darüber zu diskutieren und das in einem breiten Konsens.

"Wenn wir Flüchtlinge aufnehmen müssen, wäre die Bevölkerung sicherlich bei einer überschaubaren Anzahl bereit, darüber zu diskutieren und das in einem breiten Konsens," meint der neue Bürgermeister von Sillian, Hermann Mitteregger.
„Wenn wir Flüchtlinge aufnehmen müssen, wäre die Bevölkerung sicherlich bei einer überschaubaren Anzahl bereit, darüber zu diskutieren und das in einem breiten Konsens,“ meint der neue Bürgermeister von Sillian, Hermann Mitteregger. Fotos: Dolomitenstadt/Wiedemayer

Das Innenministerium sowie die Polizeidirektion Innsbruck wollen Grenzkontrollen an allen Grenzen zu Italien einführen. Somit wäre auch eine Grenzkontrolle bei uns in Arnbach vorgesehen. Wie stehen Sie dazu?
Ich bin in enger Abstimmung mit dem Land Tirol, den sozialen und karitativen Einrichtungen, der Kirche und der Polizeidirektion Sillian, aber derzeit gibt es keine Anfragen zu einer Grenzschließung oder Grenzkontrolle.

Was sind die größten Brocken im Haushaltsjahr 2016?
Wir haben 2016 bei uns im Haushalt die Ausfinanzierung der Sportanlage, welche wir letztes Jahr mit großem finanziellen Aufwand geschafft haben. Außerdem haben wir ein großes Projekt im Bereich südlich der Drau mit Kanal, Wasserleitung und Straße zu bewerkstelligen. Da sprechen wir von Größenordnungen weit über eine halbe Million für einen Kanal, wo die Anschlussdichte sehr gering ist. Also das wird uns sehr großer Kraftanstrengungen bedürfen. Sonst sind heuer keine größeren Projekte vorgesehen.

Schiffmann war jahrelang Obmann des Regionsmanagement RMO. Bleibt er das oder übernehmen Sie das als neuer Bürgermeister?
Noch ist niemand an mich herangetreten, aber das werde ich wohl nicht übernehmen. Elisabeth Blanik, die Lienzer Bürgermeisterin, wird wahrscheinlich Schiffmanns Amt im RMO übernehmen.

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Macki

Aha, interessant, auch beim RMO wird Blanik Chefin. Nach der StadtVP gibt es wohl auch keinen Widerstand in der BezirksVP. Gewaltig die Frau. Hochachtung.