Nach 15 Jahren wirft Norbert Feldner das Handtuch. Die Schulwerkstatt schließt ihre Pforten.

Nach 15 Jahren wirft Norbert Feldner das Handtuch. Die Schulwerkstatt schließt ihre Pforten.

Kindheit statt „Schulheit“ und Begleiter statt Lehrer

Die Schulwerkstatt in Ainet schließt nun endgültig ihre Pforten. Mit Audiobeitrag.

Vor zwei Jahren befasste sich dolomitenstadt.at bereits mit dem Thema der Herbergsuche der Schulwerkstatt. Schlussendlich stellte sich jedoch heraus, dass nicht der Platz an sich das Problem war, sondern viel mehr der Platz in der Gesellschaft ein Hindernis darstellte, welches für Schulleiter Norbert Feldner und sein Team mittlerweile unüberwindbar erscheint.

Mit dem Beschluss die Schulwerkstatt zu schließen, geht die Ära einer anerkannten Alternative zur Normschule zu Ende, offiziell bekannt unter dem Begriff „Integratives Zentrum für selbstbestimmtes Lernen mit staatlicher Genehmigung“.

Das Projekt Schulwerkstatt rief Feldner, gemeinsam mit seiner Frau Lydia Lienharter-Feldner, vor 15 Jahren ins Leben und es ist bis heute noch im Raum Kärnten und Osttirol einzigartig. Mittlerweile sieht Feldner dieses Projekt als Pilotprojekt an, welches für ihn, seine Mitarbeiter und natürlich auch für die „Schüler“ der Schulwerkstatt eine Zeit voller positiver Erlebnisse und Eindrücke war.

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Die Zukunft von Annemarie Gomig und Irmgard Ortner ist ungewiss. „Wir machen jetzt einmal Ferien“. Fotos: Marco Leiter

„Die Schulwerkstatt war ein Ort, welcher dafür gedacht war, Kinder nicht zu belehren, sondern sie durch das Kindsein hindurch zu begleiten und eine Richtung zu weisen, um die eigenen Entwicklungsbedürfnisse zu erforschen“, unterstreicht der Schulleiter aus Leidenschaft. Zum Bedauern der Schulwerkstatt suchten Eltern diese in vielen Fällen nur zur Vermeidung der Regelschule auf und nicht aus Gründen der sozialen Entwicklung. Durch den ständigen Vergleich zum Ablauf einer Regelschule geriet der Ruf der Schulwerkstätte etwas in den Keller. Feldner der sich selbst als Bergbauer, Künstler und Referent beschreibt, ist noch immer davon überzeugt, dass ein Kind als Mensch und nicht als Schüler angesehen werden muss, um erfolgreich ein ausgeglichenes Leben zu führen.

In der folgenden Audiospur zieht Feldner nochmals Resümee über das Konzept „Schule der Zukunft“ und die Erlebnisse der Vergangenheit.

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9 Postings bisher
nasowas vor 1 Jahr

Ich halte nichts von Schwarzweiß-Malerei, weder hier, noch sonst wo. Jedes Kind ist anders, (jeder Lehrer übrigens auch), jedes Kind sollte nach seinen individuellen Bedürfnissen gefördert werden und auch in seinem eigenen Tempo lernen können. Die Vielfalt ist das, was unser modernes westliches Leben für so viele erstrebenswert macht, warum nicht auch bei der Ausbildung? Mit einer (geplanten) Gesamtschule drüber zu fahren, ohne die personellen, infrastrukturellen und finanziellen Möglichkeiten zu haben, heißt das Pferd von der falschen Seite her aufzuzäumen. Das Konzept vom Norden Europas zu übernehmen, aber nicht die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, ist einfach schildbürgerlich. So gesehen, haben Schulformen wie die Schulwerkstatt durchaus ihre Berechtigung, wenn das, was zu Schulende herauskommt, die Kinder weiterbringt und die Eltern zufrieden stellt. Aber: Ich bin der Meinung, dass „Belehrung“ nicht das Übel ist, sondern das Normale. Kinder sind neugierig, Kinder wollen wissen und Kinder wollen von Menschen, die mehr wissen, als sie, „belehrt“ werden. Ob das die Eltern, Großeltern, ältere Geschwister oder Pädagogen sind, ist ihnen relativ gleich, wenn ihr Wissensdurst gestillt wird. Dass das auf Augenhöhe geschieht und ohne Gewalt, ist selbstverständlich. Längst haben sich die pädagogischen Methoden geändert, es mag noch ein paar Lehrer der „alten Schule“ geben, aber die jungen sind engagiert und modern ausgebildet. Das mag auch ein Grund sein – neben dem Schulgeld und dem langen Weg nach Ainet – dass die Schülerzahlen so zurückgegangen sind, dass die Schulwerkstatt schließen muss. Ich finde es für die Ausbildungsvielfalt im Bezirk schade, dass die Schulwerkstatt schließt, aber alles auf das böse Schulsystem zu schieben, das die Schüler schlussendlich zu burnout-gefährdeten, hohl geradeaus schauenden Erwachsenen macht, stempelt alle, die dieses System durchlaufen oder durchlaufen haben, negativ ab. Übrigens: Ich bin KEIN Lehrer!

Alex Zwi vor 1 Jahr

Schade, dass diese tolle Einrichtung ein solches Ende findet. Unser Sohn konnte sich an den drei Schulstätten jedenfalls toll entwickeln und hat sich auch nach dem Ende Pflichtschulzeit beim Umstieg ins Berufsleben nicht leichter oder schwerer getan als andere.

caum12 vor 1 Jahr

"Da das jeztige Schulsystem aber derart festgefahren ist wird es wohl noch sehr viel Zeit benötigen bis unsere Kinder endlich in den Genuss kommen dürfen auch als Erwachsene noch Spaß am lernen zu haben und vor allem darauf Vertrauen können das man in einer Gruppe viel mehr erreicht als als Einzelner." Tut mir leid, lieber frin, aber ein „moderner Weg“ sollte jedenfalls nicht in die orthografisch/stilistische Beliebigkeit münden…

wolf_c vor 1 Jahr

danke -frin- für die wunderschönen Worte!

um es kurz zu machen: Schule wie sie ist, ist schlimme Scheisse !!

    hoerzuOT vor 1 Jahr

    Welchen Überblick haben Sie, um derartige statements von dich zu geben? Zuerst überlegen, dann tippen--lieber naiver Herr Wolf_c

      bergfex vor 1 Jahr

      .......von dich zu geben?

      Welche Akademie hast du besucht ????????

      wolf_c vor 1 Jahr

      . . . sehr verehrter -hoerzuOT-, sobald ich Ihrer die frin`sche Sichtweise widerlegenden Erklärung folgen darf, können Sie eine halbwegsige Antwort von mir erwarten; solange dies nicht ist, bedanke ich mich für Ihre be lehr ende Zurecht Weisung.

    hoerzuOT vor 1 Jahr

    @bergfex--die "autokorrektur-samsung-galaxy" Akademie--keine besonders empfehlenswerte jedenfalls ;-)

frin vor 1 Jahr

Die Schulwerkstatt verfolgt meiner Meinung nach einen sehr modernen Weg, einen Weg den die moderne Hirnforschung schon vor 20 Jahren vorgeschlagen hat. Da das jeztige Schulsystem aber derart festgefahren ist wird es wohl noch sehr viel Zeit benötigen bis unsere Kinder endlich in den Genuss kommen dürfen auch als Erwachsene noch Spaß am lernen zu haben und vor allem darauf Vertrauen können das man in einer Gruppe viel mehr erreicht als als Einzelner. Unsere Kleinsten sind verspielt, interessiert und für alles Neue zu begeistern bis sie in die Schule kommen. Nach kürzester Zeit wird jeglicher Lernspaß, jegliche Begeisterung zum Zwang plus der Erfahrung das ich ständig überwacht und bewertet werde. Dies halte ich für sehr schädlich, da die meisten Kinder / Jugendlichen und jungen Erwachsenen sich nur durch diesen Zwang kämpfen um später nicht unter der Brücke wohnen zu müssen, zumindest suggeriert das die Gesellschaft --> Lern, damit etwas Ordentliches aus dir wird. Fast jegliche Alternativen werden zu Beginn in der Schule unterdrückt --> der Schüler der nachdenklich aus dem Fenster guckt und einen Vogel beobachtet wird bestraft und der Schüler der hohl, gerade aus blickt wird belohnt.

Sobald dieser Zwang erfüllt ist und diese neue Generation an jungen Menschen ihre Arbeitsplätze gefunden haben beginnt die Spirale von vorne. Die ehemals jungen interessierten, neugierigen Kinder welche jetzt zum Teil hohe Positionen besetzen geben diesen Systemdruck welche sie 15-20 Jahre lang im Schulsystem gelernt haben weiter bzw. finden sich in dieser Welt voller Druck und ohne großen Gemeinschaftsinn nicht zurecht und zerbrechen daran.

Meiner Meinung nach ist nicht weil der Job so anspruchsvoll ist, die Beziehung gescheitert ist, oder weil jemand gestorben ist seine kleine Welt zerbrochen sondern weil jeder nur auf sich schaut. Burnout ist ja nichts anderes wie der Hilferuf nach Gemeinschaft, "bitte helft mir ich komme alleine nicht zurecht". Natürlich sagt man das nicht so offen, denn wer Schwach ist bleibt sitzen. Daher bekommt man vom Arzt diesen wunderbaren Begriff der Gott sei Dank, mittlerweile anerkannt ist. Jetzt kann man ganz offen um Hilfe fragen und wird in einer Gemeinschaft aufgefangen. Wieso wird man nicht schon viel früher aufgefangen? Na weil man von Klein auf gedrillt wird nur auf sich zu schauen, da man dann das Beste erreichen wird.

Du wirst jetzt benotet, wenn du gute Noten hast kommst du weiter, wenn du schlechte Noten hast kommst du nicht weiter. Du hast jetzt einen gut bezahlten Job, wenn du mit dem Druck klar kommst kommst du weiter, wenn du mit dem Druck nicht klar kommst kommst du nicht weiter.

Ein kurzer Blick in den Norden genügt, dort hat man es erfolgreich geschafft das Schulsystem an die moderne Zeit anzupassen, der deutschsprachige Raum hinkt leider nach.