Olympia: Dabeisein ist alles – und alles ist einerlei

Tirol steht wieder einmal vor einer Wahl. Das ist doch Demokratie vom Feinsten.

Die Tiroler und Tirolerinnen gehen am 15. Oktober nicht nur zur Nationalratswahl, sondern auch zur Abstimmung über eine Bewerbung für Olympische Winterspiele. Olympia. Tolle Sache. Wettkämpfe. Athleten. Helden. Werbebilder. Große Emotionen. Ganz toll. Und dann erst der Mehrwert. Werbung, Image, Selbstbild. Klare Sache, da muss man doch dafür sein. Den Rückenwind nutzen, was auf die Beine stellen, proaktiv in die glorreiche Wintersportzukunft aufbrechen. Ganz besonders als Regierungspartei – das scheint das Kalkül der ÖVP.

Damit diese besondere Gelegenheit keinesfalls ungenutzt am Tiroler Wähler vorbeigeht, wollte man offensichtlich ganz sichergehen. Ihm, dem vielleicht nicht in allen Bereichen Informierten eine Entscheidungshilfe bieten, selbstredend völlig verfassungskonform. Die Frage nach einer Suggestivwirkung verbietet sich geradezu, weswegen hier die Fragestellung auch nicht wiederholt werden soll. Ist ja klar, selbstbewusst, nachhaltig, regional angepasst, wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Spiele sind weit entfernt von jeder Manipulationsabsicht.

Innsbruck, die Triple-Olympiastadt 1964-1976-2026? Foto: Expa/Feichter

Wirtschaftliche Nachhaltigkeit beweist schon das Zusammenfallen der regional angepassten Olympia-Abstimmung mit der Nationalratswahl. Alleine die akribische Vorbereitung des Themas, wie etwa die ohne Ausschreibung erfolgte Machbarkeitsstudie, ganz streng im Rahmen der geltenden Gesetze, zeigt, man ist bestens vorbereitet und hat alle Eventualitäten abgewogen. Dass die Briefwahlkuverts Grund zur Abstimmungsanfechtung sein könnten, naja, kann passieren. Da hat sich der Tiroler Wähler doch schon fast dran gewöhnt. Business as usual sozusagen, nach drei Präsidentschaftswahlgängen im letzten Jahr. Ob die Wahlzettel und -kuverts aus ungebleichtem Recyclingpapier hergestellt sind, erläutert unter Umständen die zweite als notwendig erachtete Wahlanleitung. Sehr wahrscheinlich ganz im Sinne ihrer Erfinder selbstbewusst, nachhaltig, regional angepasst, wirtschaftlich und ökologisch vertretbar.

Wer auf die Idee kommen könnte, die Tirol seit jeher dominierende ÖVP hätte sich etwa aus parteitaktischen Gründen entschlossen, muss sich irren. Einen Kurz-Effekt nutzen zu wollen, verbietet sich in Sachen Nachhaltigkeit grundsätzlich. Der Wähler sollte sich nur von sachlichen Argumenten leiten lassen. Der Osttiroler Wähler im Besonderen, ganz ohne Neidkomplex in Sachen Nordtirol, wo die Spiele stattfinden sollen. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit.

Wie etwa beim Wohnbau! Man nehme nur das architektonische Kleinod des olympischen Dorfs. Architekturklassen aus München reisten in den 1980er und -90er Jahren nach Innsbruck, um zu sehen, wie man nicht bauen soll. Das ist nachhaltig, ohne Zweifel. Die zweimalige Olympiastadt wird sicher durch weitere Spiele noch mehr Olympiastadt werden. Eine Botschaft, die jeden interessierten Städtereisenden erreichen wird – Innsbruck, die Triple-Olympiastadt 1964-1976-2026. Das geht leicht über die Zunge, das bleibt in Erinnerung und erinnert nur rein zufällig an einen IBAN-Code. Denn bezahlt werden wird dafür.

Der Wähler bedenke auch den wirtschaftlich-ökologischen Fortschritt von Winterspielen in absehbar schneearmen Zeiten. Keramikspuren auf Skisprunganlagen, Kühlrippen in Abfahrtshängen wie jetzt schon Bobbahnen, Snow-Farming im ganz großen Stil. Das leidige Problem von Schneemangel rund um Hänge, Schanzen und noch zu errichtender Eisstadien könnte sich durch ausgefeilte Kameratechnik unter Benutzung des Green-Screen-Verfahrens beheben lassen, ebenso ein Mangel an Publikum. Computergenerierte Flocken und jubelnde Massen sollten für die Special-Effekts-Abteilung des Landes Tirol keine unüberwindbaren Hindernisse darstellen.

In Kooperation mit wichtigen Nahrungsergänzungsherstellern aus der Pharmabranche ließe sich auch die notwendige wie wirtschaftlich und regional fokussierte Werbekostenpauschale an noch nicht überzeugte Entscheider des olympischen Komitees wieder hereinspielen. Etwaige Verhaftungen, die im Umfeld von olympischen Komitees regelmäßig stattfinden, sind bedauerliche Einzelfälle und deuten nicht darauf hin, dass das Steuergeld des Wählers in irgendeiner Form nicht selbstbewusst, nachhaltig, regional angepasst, wirtschaftlich und ökologisch vertretbar angelegt werden könnte.

Abschreckend sollte auf den Wähler auch nicht wirken, wie sich etwa die in Deutschland und der Schweiz befragte Bevölkerung entschieden hat. In Hamburg etwa fand das Wahlvolk, olympische Sommerspiele wären nicht in ihrem Sinn. Oder etwa die bayerischen Nachbarn, die 2013 fanden, nein, das wollen sie nicht, dieses Olympia auf grünen Wiesen und braunen Hängen. Graubünden? Auch dagegen. Die Deutschen und Schweizer sind halt olympische Spaßbremsen, immer nur am Rechnen und Abwägen.

Dabei gilt doch: „Dabeisein ist alles!“ Treu nach dem olympischen Motto, besonders für eine Regierungspartei, die noch weiter dabei sein will, der jedes Mittel recht zu sein scheint, um dabei zu bleiben. Ganz selbstbewusst, nachhaltig, regional angepasst, wirtschaftlich und ökologisch vertretbar. Was dem Wähler sicher zu denken geben wird.

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5 Postings bisher
Koal vor 2 Monaten

Neeeeiiiiiiin zu diesem finanziellen Wahnsinn !!! Da wollen sich ein paar Möchtegern-Politiker wieder ein "Denkmal" setzen ..... und nach 2026 ... die Sintflut ! Diverse Andere sind schon in froher Erwartung .... nämlich von Schmiergeld, usw. Zudem wäre für Osttirol kein einziger Wettbewerb vorgesehen ... ... ist wieder mal typisches Nordtiroler Denken !!!! N E I N zu Olympia in Innsbruck & Bayern !!!

freekit78 vor 2 Monaten

ist ja schon ein witz an sich ..olympia in tirol und in osttirol ist überhaupt keine sportveranstaltung. nein danke !

spitzeFeder vor 2 Monaten

Ich kann @holzwurm nur zustimmen: Die Ironie außen vorgelassen, spiegeln die Gedanken des Schreibers doch wider, was da tatsächlich im Hintergrund abgeht.

🤔

holzwurm vor 2 Monaten

Danke Herr Kiniger, diese Ironie ist so wohltuend und trifft den Nagel auf den Kopf.

hunter vor 2 Monaten

Ich sehe für Osttirol absolut keinen Faktor der diese enormen Ausgaben rechtfertigen würde. Hoffentlich haben die Osttiroler den gleichen Mum wie Deutschland und die Schweiz mit NEIN zu stimmen.