Hermann Glettler vor 8.000 Gläubigen zum Bischof geweiht

Begeisterter Applaus und neue Perspektiven in der Innsbrucker Olympiahalle.

Symbole spielen in der Religion seit jeher eine große Rolle, Gesten, Rituale und Inszenierungen, die Rückschlüsse auf den Geist dahinter erlauben, auf Inhalte und Überzeugungen, die in der katholischen Kirche oft schon in einen Richtungsstreit mündeten.

Die Weihe von Hermann Glettler zum fünften Bischof von Innsbruck war eine sorgfältig inszenierte Botschaft mit einem unübersehbaren und unüberhörbaren Grundtenor: Glettler ist ein Mann des Aufbruchs, der Offenheit und Modernität, einer, der kraftvolle Bilder liebt, den Umgang mit den Medien beherrscht und als Steirer in Tirol auf Anhieb gut ankommt. 8.000 Menschen füllten die Innsbrucker Olympiahalle während der dreistündigen Bischofswahl am 2. Dezember, die dennoch fast keine Längen hatte und oft spontanen Applaus der Menge brachte, meist dann, wenn der neue Bischof das Protokoll verließ und eine herzliche Lockerheit demonstrierte. Glettler ließ schnell vergessen, wie lähmend das lange Warten auf eine Entscheidung aus Rom gewesen war.

Hauptkonsekrator bei der Feier in der Innsbrucker Olympiahalle war der Salzburger Erzbischof und Metropolit der westösterreichischen Kirchenprovinz Franz Lackner. Ihm zur Seite standen Glettlers Amtsvorgänger und jetziger Linzer Bischof Manfred Scheuer und der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl. Diese drei legten Glettler im stillen Gebet um den Heiligen Geist die Hände auf und vollzogen damit seine Weihe und die Weitergabe des Bischofsamtes.

Bischof Scheuer skizzierte seinen Nachfolger als einen Brückenbauer, „der sich besonders der Menschen annimmt, die am Rand der Gesellschaft gelandet sind.“ Glettler sei aber auch Künstler, „der weiß, dass der Leib und die Seele Nahrung brauchen.“ Scheuer schloss mit den Worten: „Lieber Bischof Hermann! Du wirst mit Freude aufgenommen und du wirst Freude bringen.“

Die Rede des frischgebackenen Bischofs von Tirol kann man hier in voller Länge nachlesen. Wer genau hinhörte, vernahm durchaus Programmatisches. „Ich möchte als Bischof einer Ortskirche vorangehen, die nicht im Selbstmitleid, nicht in der Erschöpfung und nicht in der Diskussion um interne Fragen erstarrt, sondern den Willen hat, sich auf den Weg zu machen. Licht und Salz sein – mitten in unserer Gesellschaft! Der Künstler Gustav Troger hat mir als Haltegriff in den Bischofsstab eine Gewürzmühle eingebaut. Ja, wir brauchen alle die Geh-Würze, besonders in Phasen der Müdigkeit und bei lähmenden Auseinandersetzungen. Gerade als Kirche mit einer starken Pluralität haben wir den Auftrag, Einheit zu leben.”

Die Wahl des Ortes – erstmals wurde ein Tiroler Bischof nicht im Innsbrucker Dom geweiht – begründete Glettler so: „Wir haben uns aufgrund der geringen Anzahl von Sitzplätzen in der Domkirche für die Olympiahalle entschieden. Vielleicht ein Zeichen zum Aufbruch. Hier finden Konzerte und alle möglichen sportlichen Wettkämpfe statt. Wir wollen uns als Kirche weder in den Sakristeien, noch in den Barockräumen verstecken – so wunderschön und wertvoll die barocken Sakralräume unseres Landes sind! Wir möchten an den pulsierenden Orten unserer Zeit mit möglichst vielen Menschen den Schatz unseres Glaubens teilen!“

Slideshow: Expa/JFK

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1 Posting bisher
Kurgan vor 5 Tagen

Waren da wirklich 8.000 Menschen, oder stammen die Zahlen von Franz Theurl und seinem Dolomitenlaufteam! 😀😀😀