Neue Sparpläne von s’Gwandtl und Schindel & Holz

Nach Verhandlungen mit dem AMS wackeln in den sozialökonomischen Betrieben rund 20 Jobs.

Am 15. Juni veröffentlichte das AMS-Tirol die Ergebnisse der aktuellen Verhandlungen zwischen dem Land Tirol, dem AMS und den Trägervereinen der sozialökonomischen Betriebe des Landes, die – wie berichtet – mit einer dramatischen Kürzung ihrer Mittel zurechtkommen müssen. Insbesondere die beiden Osttiroler Einrichtungen Schindel und Holz und s’Gwandtl müssen massive Einschnitte hinnehmen. Dennoch wird nun von allen Beteiligten leichte Entspannung gegenüber den ersten Schockmeldungen signalisiert. Die Schließung der beiden Osttiroler Betriebe scheint vorerst vom Tisch, massive Einschnitte wird es aber geben. Hier die Details:

Insgesamt stehen 2019 für die Finanzierung des sogenannten „2. Arbeitsmarktes“ 6,1 Millionen Euro vom AMS Tirol zur Verfügung, das bedeutet eine Reduzierung von 1,4 Millionen Euro gegenüber dem bisherigen Budget. Der neue AMS-Finanzplan sieht vor, dass diese Mittel hauptsächlich durch den Abbau von 42 der derzeit 295 sogenannten „Transitarbeitsplätze“ eingespart werden. Ursprünglich war von weit mehr Jobkürzungen die Rede gewesen. Fast die Hälfte dieser Reduktion soll in Osttirol erfolgen, weil es dort – dem deutlich schwächeren Arbeitsmarkt geschuldet – im Durchschnitt die meisten Beschäftigten in sozialökonomischen Betrieben gibt.

René Ladstätter, Geschäftsführer von Schindel und Holz, muss voraussichtlich zehn bis 13 Leute entlassen. Foto: Stadt Lienz

Bei Schindel und Holz rechnet Geschäftsführer René Ladstätter mit einem Einsparungsvolumen von 370.000 Euro und Entlassungen von zehn bis 13 Personen. Dennoch soll die Sparte „Umweltwerkstatt“ – die ursprünglich auf der Kippe stand – gerettet werden. Ladstätter will vor allem versuchen, vorhandene Strukturen trotz der Einsparungen aufrecht zu erhalten, weil der neuerliche Aufbau noch teurer wäre. Das Unternehmen bemüht sich auch in der Kommunikation mit den Kunden um positive Signale, weil Schließungsgerüchte im Wettbewerb fatale Folgen haben können.

Rita Feldner möchte trotz Sparzwang auf jeden Fall die Altkleidersammlung, den Second-Hand-laden und den Naturladen in Lienz weiterführen. Foto: Ramona Waldner

Rita Feldner, die Geschäftsführerin des s’Gwandtl steht ebenfalls vor schwierigen Entscheidungen. Die Altkleidersammlung und der Second-Hand-Shop werden aus heutiger Sicht weitergeführt, auch der Naturladen soll seine Türen weiter offen halten. Im Second-Hand-Laden wackeln allerdings zwei Arbeitsplätze und richtig eng wird es für die Schneiderei, die vermutlich zusperren muss. Zwei fix Angestellte, zwei Lehrlinge und zwei Transitarbeitskräfte würden dann ihre Arbeit verlieren.

Mit knapp 20 eingesparten Arbeitsplätzen übernehmen die Osttiroler Betriebe fast die Hälfte des gesamten Tiroler Einsparungsvolumens und auch diese Quote lässt sich nur halten, wenn die finanzielle Unterstützung des Landes nicht unter die bisherigen Summen sinkt. „Alle unsere Berechnungen basieren darauf, dass der Landesanteil fix bleibt“, erklärt Rita Feldner.

Diese Mitarbeiterinnen in der Schneiderei des s’Gwandtl bangen um ihren Arbeitsplatz. Foto: Ramona Waldner
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15 Postings bisher
Instinktivist

Diese Diskussion sollte in meinen Augen gar nicht geführt werden müssen. Was bitte hat es denn für einen Sinn, wenn man diese Produktionsstätten finanziell aushungert und stattdessen Arbeitslosengeld bezahlt. Bezahlt werden muss! Die Frage ist nur, für Leistung oder für NIX?

Churchill

"Mit knapp 20 eingesparten Arbeitsplätzen übernehmen die Osttiroler Betriebe fast die Hälfte des gesamten Tiroler Einsparungsvolumens"

Das wundert mich halt wieder einmal überhaupt nicht... wenn irgendwo gespart werden muss, dann setzen die Großkopferten in Innsbruck zuerst im Bezirk Lienz den Rotstift an.

anton2009

Bei beiden Sozialbetrieben gibt es zu viele "Häuptlinge", die gut bezahlt sind! Spart man bei den Häuptlingen ein, dann kamm man mehr "Indianer" beschäftigen. Und dass die Geschäfte (hohe Mietkosten) in Zentrumslage (Europaplatz) sind will mir auch nicht einleuchten!

    le corbusier

    @anton: du scheinst ja ein besonders findiger unternehmensberater zu sein.

      anton2009

      ... ja; du wahrscheinlich nicht!

      le corbusier

      @anton: "Rat zu geben ist das dümmste Handwerk, das einer treiben kann. Rate sich jeder selbst und tue, was er nicht lassen kann." - Goethe

      anton2009

      @le corbusier: Sie müssen schon genau lesen; ich habe keinen Rat gegeben, sondern nur meine Meinung dargelegt! Diese passt Ihnen offensichtlich nicht! Dass Sie Goethe zitieren spricht nicht für Sie! Wenn Rat zu geben das dümmste Handwerk ist, dann freue ich mich auf Ihren nächsten Rat!

      le corbusier

      seas anton, ja hast eh recht, deine Meinung passt mir nicht. Weil erstens, und das gilt jetzt allgemein, immer wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät, aus welchen Gründen auch immer, fühlen sich manche Mitmenschen bemüht ihren Senf dazu abzugeben und/oder Patentrezepte aus dem Hut zu zaubern die so hilfreich sind wie ein aufgemalter Schwimmreifen. Und nun, zweitens, zu deinen Ratschlägen (welche keine sein wollen): ich beiß mir grad auf die Zunge, dass ich dir oder dem sGwandtl keinen Rat erteile (vielleicht hätt ich mir den Goethe doch sparen sollen). Stattdessen möchte ich deinen überaus hilfreichen Maßnahmen zum "Gsundsparen" noch einen Vorschlag anhängen: man könnte doch auch die Nähmaschinen ausschalten zum Strom sparen.

      anton2009

      @le corbusier: Nehmen Sie den aufgemalten Schwimmreifen und schwimmen Sie möglichst weit hinaus. Hiermit beende ich die Diskussion mit Ihnen, denn eine andere Meinung lassen Sie offensichtlich nicht zu!!!!

    René Ladstätter

    Das müssen Sie mir erklären. Von gut bezahlten "Häuptlingen" im Sozialbereich ist mir wenig bekannt (Kollektiv SWÖ). Und wegen zuvielen "Häuptlingen": bei aktuell 66 DienstnehmerInnen ein Geschäftsführer, zwei Betriebsleiter (bei drei Betrieben) und einige Vorarbeiter ist zuviel? Wie schon mehrfach gesagt lade ich herzlich zu uns ein, ich lasse mich gerne eines Besseren belehren und wir haben keine Geheimnisse. Ob es bei Geschäftslokalen Sinn macht aufgrund der Mietkosten in die Peripherie abzusiedeln könnte man sich durchrechnen. Die Miete wird sicher geringer, die Umsätze aber wohl auch... Aber ich vermute: Das hat sich vielleicht schon wer durchgerechnet!

      anton2009

      ... bei der Miete geht es nicht um "Schindl & Holz", sondern ausnahmslos ums Gwandtl - die beiden mir bekannten Geschäfte befinden sich in Top-Lage und sind sicher kein Schnäppchen.

wolf_c

Die Blau Türkisen Zyniker wurden von der Mehrheit meiner Mitmenschen gewählt. Sie finden es in Ordnung, daß sich Leistung wieder lohnt, deswegen werden als erstes die Schwächsten noch mehr kaputt gemacht. Die Industrie hat sich mit den Blau Türkisen Zynikern billige Anwälte gekauft; als zweites müssen die die arbeiten noch mehr arbeiten, damit die, die noch nie gearbeitet haben, noch leichter die Schwächsten kaputt machen können. Willkommen im Wunderland, den besseren Orban haben wir.

PdL

Man muss weinen, mit welcher Kälte die Regierung darüber fährt.

Es soll mir noch einmal ein blau-schwarzer Politiker mit "christlichen Werten" des Weges kommen.

Anna Maria Kerber

Lässt man in der Änderungsschneiderei etwas richten, wird man gut beraten und muss - aufgrund der guten Auftragslage - meist auch warten können. Ich schätze den Service und habe mich auch sehr gefreut, als vor einigen Jahren das Gwandtl als "ausgezeichneter Tiroler Lehrbetrieb" geehrt wurde. Zu diesem Anlaß lächelten LH Platter, Wirtschaftslandesrätin P. Zoller-Frischauf, AK-Präsident E. Zangerl und WK-Präsident J. Bodenseer freundlich in die Kamera. Nun soll die Änderungsschneiderei mit Transitarbeitsplätzen eingespart werden und dazu wird es wohl keinen Fototermin der Mitverantwortlichen geben. Denn es geht offensichtlich um einen gewollten Sozialabbau. Denn was spräche sonst gegen einen Solidarbeitrag der Kammern oder die Erhöhung des Zuschusses vom Land?

bergfex

Und wieder einmal wird Osttirol mit dem Hammer bearbeitet. Wahrscheinlich in Innsbruck am wenigsten.