Alarmierend ansteigender Schwerverkehr in Lienz

392 schwere Sattelzüge durchquerten 2017 täglich die Dolomitenstadt.

Während sich die Aufmerksamkeit der Verkehrsdiskussion in Tirol vor allem auf den Brenner und die Transitlawine im Nord-Süd-Verkehr fokussiert, enthüllt der aktuelle Verkehrsbericht des Landes auch für Osttirol spannende Zahlen. Vor allem im Lienzer Becken sollten die Alarmglocken läuten.

Grundsätzlich ist der durchschnittliche Verkehrszuwachs auf den Tiroler Bundesstraßen (+1,8 Prozent) und Landesstraßen (+ 0,5 Prozent) von 2016 auf 2017 eher moderat. Auf den ersten Blick sieht das auch für Osttirol ähnlich aus, wobei sich die Lage auf den beiden wichtigen Bundesstraßen B 108 (Felbertauernstraße) und B 100 (Drautalstraße) gravierend unterscheidet.

Auf der Felbertauernstraße zwischen der Mautstelle und Ainet stieg das Verkehrsaufkommen von 2016 auf 2017 insgesamt zwischen 1,7 und 3,0 Prozent (je nach Messstelle) an. Durch den Felbertauerntunnel fuhren 2017 im Schnitt täglich 3.907 Kraftfahrzeuge, um 65/Tag mehr als 2016. Überblickt man die letzte Dekade, dann hat der Verkehr auf der Felbertauernstraße insgesamt um neun Prozent zugenommen. Die gute Nachricht aus der Sicht von Anrainern und Umwelt: der Lkw-Verkehr über den Felbertauern stagniert, der Schwerstverkehr ist im Zehnjahresvergleich sogar leicht rückläufig. Heute überqueren täglich um 20 bis 40 schwere Sattelzüge weniger den Pass als noch vor zehn Jahren.

Auf dem Felbertauern stieg der Verkehr in den vergangenen zehn Jahren um neun Prozent an, die Zahl der schweren Lkw ging allerdings leicht zurück. Foto: Expa/Groder

Ganz anders sieht die Lage auf der B 100 Drautalstraße aus. Speziell das Lienzer Becken wird messbar vom Verkehr überrollt. Sieht man einmal vom Autobahnzubringer Innsbruck-Ost mit 42.766 täglichen Fahrzeugen ab, dann übertreffen nur die B171 bei Thaur (29.629 Kfz/Tag) und Wörgl-Ost (24.115 Kfz/Tag) die neuralgischen Punkte in der Dolomitenstadt.

22.637 Kfz werden im Schnitt (!) in Lienz auf der B100 gezählt. Keine andere Bundesstraße in Tirol – auch nicht die Loferer Straße, die Fernpass-Straße und die Straße ins Zillertal erreichen diesen Wert. Besonders auffallend: Der Anteil des Schwerverkehrs an diesem Verkehrsaufkommen steigt überdurchschnittlich.

392 schwere Sattelzüge durchquerten 2017 täglich die Stadt Lienz, das sind um 55 Sattelzüge pro Tag mehr als 2016. Foto: Dolomitenstadt/Pirkner

In Osttirol nahm der Lkw-Gesamtverkehr entlang der B 100 gegenüber 2016 um durchschnittlich 5,5 Prozent zu. Durch Sillian schlängeln sich im Tagesschnitt 478 Lkw aller Kategorien. Auf der gesamten B100 steigt der Anteil an Schwerlastzügen überdurchschnittlich stark an, von 2016 auf 2017 im Schnitt um insgesamt alarmierende neun Prozent.

Die Zählstelle in Lienz schießt aber auch bei den schwersten Brummern mit einem Rekordzuwachs von 13,8 Prozent den Vogel ab. Nicht nur der prozentuelle Anstieg, auch die absoluten Zahlen sind beachtlich: 392 schwere Sattelzüge durchquerten 2017 täglich die Stadt Lienz, das sind um 55 Sattelzüge pro Tag mehr als 2016. Mit diesen Werten befindet sich Lienz bereits auf Augenhöhe mit den Nordtiroler Industriegebieten.

Vor dem Hintergrund, dass an der Dolomitenkreuzung demnächst ein Großkaufhaus mit einer zusätzlichen Frequenz von rund 2.000 Kfz pro Tag und an der Bahnhofskreuzung ein weiteres Kaufhaus bzw. das Mobilitätszentrum samt Busterminal realisiert werden sollen, verheißt das für die Verkehrssituation in der Stadt Lienz nichts Gutes, zumal der Ausbau der Drautalstraße in Oberkärnten weiteren Schwer- und Schwerstverkehr auf diese Ost-West-Achse Richtung Südtirol ziehen wird.

Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren

12 Postings bisher
hallo

dass die B100 so stark befahren ist, hätte ich mir nicht gedacht! das unnötige Kaufhaus wird die Lage nicht einfacher machen. Arme Friedensiedlung! Hier wird der Ausweichverkehr voll zuschlagen und das genau bei den Wählern der Frau Bürgermeister. Hab mal bei Google Maps geschaut wo eine Umfahrung überhaupt noch möglich wäre. Schlechte Aussichten! Von Osten kommend könnte man bei der Abfahrt nach Lavant Richtung Südwesten fahren, vorbei beim Klärwerk und parallel zur Drau um dann zum Westende von Tristach zu kommen. Dann, teilweise Unterflur, entlang des Rauchkofel, vorbei an Tristach, unterm Ulrichsbichl durch und weiter vorbei an Amlach Richtung Leisach. Immer am Fuße des Rauchkofel weiter nach Westen um dann bei der Kontrollstelle auf die Bundesstraße zu kommen. Ein Tunnel unter dem Hochstein führt zur Felbertauernstraße. ABER. Wer soll das bezahlen?

steuerzahler

Warum stagniert der LKW-Verkehr am Felbertauern? Weil's was kostet. Die Brummer weichen auf die kostenlosen Strecken aus. Die Arbeitskraft ( Lenker ) kostet wenig, da kann man ruhig ein bißchen spazierenfahren.

Wie groß war die Zunahme der Fracht auf der Schiene?

Der Transitverkehr mit LKWs muß drastisch eingeschränkt werden. Mit Kosten, mit Arbeitnehmerschutz, mit Gewichtsbeschränkung, mit Nachtfahrverbot usw.

Unsere Politiker verschlafen (absichtlich?) diese Fehlentwicklung. Klar, Großkonzerne brauchen das, die Bevölkerung aber nicht.

Wir sollten allen unseren Volksvertretern bei jeder Gelegenheit klar machen, daß das so nicht geht. Wir alle sind aufgefordert unsere Vertreter ständig daran zu erinnern, daß sie eigentlich unsere Angestellten sind. Schließlich bezahlen wir sie auch.

Thomas28

Der LKW Verkehr wird noch mehr zu nehmen u.a. wegen dem stark zunehmendem Internethandel. Man kann heutzutage alle aus dem Internet bestellen. Irgendwie muss die Ware dann auch zum Abnehmer kommen.

    steuerzahler

    Wenn man etwas bestellt oder im Laden kauft, dann muß es irgendwie geliefert werden. Wieso sollte es mit dem Internethandel anders sein? Abgesehen davon kann man jedes Packerl entweder mit der Bahn oder dem LKW schicken. Und wenn ich einen Tag länger warten muß, ist mir das auch egal. Verderbliche Waren kaufe ich lieber vor Ort, das lasse ich nicht liefern.

      Thomas28

      Artikel welche die Menschen früher noch in Geschäften gekauft haben werden heute meist per Mausklick direkt nach Hause bestellt. Das treibt nicht nur die schweren LKW, sondern auch die Paketdienste mit ihren Klein LKW auf die Straßen. Mit der Bahn jeden Haushalt zu beliefern... naja... lol. Auch in der Insdustrie muss alles immer schneller, effizienter, weiter, höher gehen. Auch das treibt die Schwerlastzüge auf die Straßen. Lienz wird sich zwecks Umfahrung was überlegen müssen.

      steuerzahler

      Na und wie haben die Geschäfte die Waren bekommen? Und wie haben die Kunden ihre Waren nach Hause gebracht? Den Verkehr auf den online Handel zu schieben ist einfach, aber nicht richtig. Die Großkonzerne treiben den Verkehr ins Uferlose und das wegen einer geringfügig besseren Marge.

      Thomas28

      Schau her Steuerzahler, Geschäfte, Händler etc. müssen sowieso beliefert werden. Durch den zunehmenden Online-Handel kommt eben noch dazu dass die ganzen Endkunden beliefert werden müssen. Ganz einfach gesagt. Die Weltbevölkerung wächst, der Mensch fordert eine immer schnellere, effizientere einfachere und Abwicklung, in jeder Hinsicht. Dem gerecht zu werden, benötigt man auch mehr LKWs.

42na95

Wie sieht's mit dem Feinstaub aus ?

Wenn der Schwellwert gerissen wird gibt's EU-Recht und Fahrverbot ?!?!?

Vision

Abgesehen davon, dass niemand das Grosskaufhaus braucht, werden sich die politischen Verantwortlichen der Stadtgemeinde Lienz endlich ernsthaft mit der Verkehrssituation hinsichtlich Planung einer Umfahrungsstrasse auseinandersetzen müssen. Wenn man bedenkt, dass der Planungsprozess mindestens 10-15 Jahre dauern wird, kommen noch harte "Verkehrsjahre" auf uns zu. Irgendwann wird es fühlbar ungemütlich!

    steuerzahler

    Eine Umfahrung bringt den Verkehr nur auf eine andere Straße. Da es dort einfacher geht,meire der Verkehr mehr werden. Das ist nicht die Lösung. Der Transit-Schwerverkehr muß reduziert werden

ah86

Um dem LKW-Transitverkehr entgegenzuwirken könnte man ja einfach ein dauerhaftes "Fahrverbot für ​Lastkraftwagen, Sattelkraftfahrzeugen und selbstfahrenden Arbeitsmaschinen mit einem höchstzulässigen Gesamtgewicht von mehr als 7,5 t mit dem Fahrziel außerhalb des politischen Bezirks Lienz" erlassen... Vergleichbares gibt es in anderen Gemeinden Österreichs bereits. Aber dann jammert es sich ja nicht mehr so gut.

    F_Z

    das hieße dann alle dürfen zu uns fahren (Fahrtziel in Osttirol), und keiner darf mehr raus (Fahrtziel außerhalb Osttirol)? 😯