Was wächst in heimischen Gärten und wie haben sich diese Gärten im Laufe der Jahrzehnte verändert? Diesem Thema sind die Schüler auf der Spur. Foto: Vogl

Was wächst in heimischen Gärten und wie haben sich diese Gärten im Laufe der Jahrzehnte verändert? Diesem Thema sind die Schüler auf der Spur. Foto: Vogl

Tatort Garten – Ein Fall für die Wissenschaft!

Garten ist Biologie? Nein, Garten ist viel mehr. Ein Rundblick von Christian R. Vogl.

Wer in einen Garten blickt, nimmt Pflanzen wahr, Obst, Gemüse, Blumen, Gras, bevölkert von Regenwürmern, Maulwürfen und manchmal von Igeln, Bienen und Schmetterlingen. Ein Garten ist Biologie in Reinkultur. Es ist deshalb nachvollziehbar, ein Forschungsprojekt mit Schülerinnen und Schülern im Biologieunterricht anzusiedeln und tatsächlich geben bei einer auf zwei Jahre angelegten Kooperation zwischen der Universität für Bodenkultur und dem Gymnasium Lienz auch die Biologinnen der Uni und der Schule den Ton an.

Biologieprofessorin Renate Hölzl (2.v.l.) mit Schülern und Schülerinnen beim Lokalaugenschein am „Tatort Garten“. Foto: Vogl

Doch das „Ermittlerteam“ der 7bc Klasse, das wir in einem spektakulären Filmtrailer bereits vorgestellt haben, hat einen deutlich breiteren Zugang zum Thema Garten. Die jungen Forscher wollen mehr wissen und haben deshalb eine eigene Spezialdisziplin erfunden: Die „Garden Scene Investigation“. Ein Garten ist nämlich viel mehr als Biologie. Die Schüler blicken über den Tellerrand hinaus und entdecken dabei Erstaunliches. Verständnis für Physik ist gefragt um etwa Wetter und Klima mit ihren Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum zu beurteilen. Chemie hilft dabei, die Nährstoffkreisläufe im Garten oder die Photosynthese zu verstehen. Die dabei erkennbaren Wechselwirkungen, Rückkopplungen oder Einflussfaktoren werden in der Ökologie thematisiert. Was ein Garten kostet oder leistet beurteilt die Ökonomie.

Auch die Physik hat im Garten ihren Platz. Zum Beispiel bei der Analyse von Klimaauswirkungen. Foto: Vogl

Welche Auswirkungen Gärten und Gartenarbeit auf das Wohlbefinden der Gärtnerinnen haben, wird in der Psychologie und der Humanmedizin untersucht. Die dabei erhobenen Datensätze könnten ohne Mathematik und Statistik nicht analysiert werden. Gärten haben in unterschiedlichen Kulturen eine oft stark unterschiedliche Bedeutung. Soziologen oder Ethnologen sind diesem Thema auf der Spur. Wie sich das alles über die Generationen verändert hat, diese Frage beantwortet die Geschichtsforschung. Die Ergebnisse all dieser Betrachtungswinkel werden in der Fachwelt oft auf Englisch publiziert – gespickt mit Fachbegriffen in Latein.

Spannende Wissensreise und Lernerfahrung – die „Garden Scene Investigation“ am Gymnasium Lienz. Foto: Brunner Images

Und so wird die „Garden Scene Investigation“ der Lienzer Gymnasiasten zu einer spannenden Wissensreise und Lernerfahrung, die weit über das Fach Biologie hinausgeht. Die Schülerinnen und Schüler binden das Know-How aller Fächer, die sie im Unterricht besuchen, bei ihrem Blick auf den Garten ein. Einige schreiben sogar vorwissenschaftliche Arbeiten darüber. Es ist eine spannende Reise, auf die wir die Leserinnen und Leser von dolomitenstadt.at im neuen Gartenblog „Tatort Garten“ ein ganzes Schuljahr lang mitnehmen möchten.

Christian Vogl lehrt am Institut für Ökologischen Landbau an der Boku in Wien – und derzeit auch gelegentlich am Gymnasium in Lienz. Foto: Brunner Images

Folgen Sie uns in eine zugleich kleine und große Welt, frei nach dem Motto: „Dumme rennen, Kluge warten – Weise gehen in den Garten“. Denn dort öffnet sich in einer kleinen Welt der Blick auf das Große, auf die Komplexität und Faszination der Natur unseres Planeten.

Christian R. Vogl


Tatort Garten ist eine neue Serie von dolomitenstadt.at in Zusammenarbeit mit der 7bc-Klasse des Gymnasiums Lienz und einem Team von ExpertInnen der Schule und der Universität für Bodenkultur.

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