Sie diskutierten über Abwanderung in Zeiten des Arbeitskräftemangels: Harald Mahrer, Sonja Ledl-Rossmann, Oskar Januschke, Edwin Meindl und Michaela Hysek-Unterweger. Foto: Brunner Images

Sie diskutierten über Abwanderung in Zeiten des Arbeitskräftemangels: Harald Mahrer, Sonja Ledl-Rossmann, Oskar Januschke, Edwin Meindl und Michaela Hysek-Unterweger. Foto: Brunner Images

Das Rezept gegen Abwanderung: Zuwanderung

Podiumsdiskussion mit WK-Präsident Harald Mahrer am Campus Technik Lienz.

In Osttirol gehören Gesprächsrunden und Statements über die Problematik der Abwanderung seit vielen Jahren zum politischen Alltag und auch die Podiumsdiskussion am 5. Oktober im Campus Technik Lienz brachte vordergründig wenig Neues, obwohl bei genauem Hinhören einige nicht unspannende Zwischentöne zu vernehmen waren, für die vor allem Harald Mahrer verantwortlich zeichnete.

Die Stadt-ÖVP hatte die Gelegenheit genutzt, den aus anderem Anlass angereisten Wirtschaftskammer-Präsidenten auf ein Podium zu setzen, gemeinsam mit Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann, dem Lienzer Stadtmarketingchef Oskar Januschke und Paradeunternehmer Edwin Meindl von Micado. Der frischgebackene Stadtparteiobmann Christian Steininger und die ebenfalls erst kurz amtierende Wirtschaftsbund-Obfrau Michaela Hysek-Unterweger moderierten die Diskussion.

Die Podiumsteilnehmer relativierten dann einige im Osttiroler Selbstverständnis fest verwurzelte Überzeugungen: Zum einen wird gern der Eindruck vermittelt, dass man weiteren Bevölkerungsrückgang nur verhindern kann, wenn die Abwanderung junger Menschen gestoppt wird und die meist gut gebildeten Abwanderer irgendwie zur Rückkehr bewegt werden. Ein Trugschluss, erklärte Harald Mahrer und regte ein Umdenken an: „Junge Menschen aus der Region ziehen eben gern in die Stadt – und umgekehrt!“ Nicht „Rückkehrer“ würden also künftig die Bevölkerungslücke füllen, sondern die aktive Werbung um „junge Leute aus den Betonwüsten“, die Sehnsucht nach einem guten Arbeitsplatz in einer naturnahen Umgebung haben. Ein Trend, den Edwin Meindl in seinem Unternehmen bereits spürt.

Relativiert wurde auch das Argument, dass ein Arbeitsplatzmangel zur Abwanderung führe. Das Gegenteil sei der Fall. Vor allem der Tourismus und technikorientierte Betriebe suchen händeringend nach Mitarbeitern. Um sie zu finden und zur Zuwanderung nach Osttirol zu bewegen, müsse man allerdings am Image arbeiten und die Rahmenbedingungen verbessern. Um dem Lehrlingsmangel entgegenzuwirken und auch Studierende für den Campus Technik Lienz anzulocken, wäre etwa ein Studenten- und Lehrlingsheim nützlich. Während in Osttirol die Verantwortung für derartige Infrastruktur eher bei der öffentlichen Hand gesehen wird, verwies Mahrer auf den Unternehmergeist. Ein solches Heim könne auch privat gebaut und geführt werden. Einig war man sich über die Schlüsselrolle von Breitband-Internet als attraktives Argument für potenzielle Einwanderer und die Notwendigkeit, für ganztägige Kinderbetreuung zu sorgen.

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7 Postings bisher
Franz Brugger

Bessere Schulbildung, dann weiterführendes Studium bewirkt das Ab- und Auswandern der Jugend, das ist doch positiv. Wäre es nicht schrecklich, wenn sich eine ganze Generation Jugendlicher nur mehr in Osttirol bewegt. Und, um die Vorteile von Lebensqualität zu erkennen muss man sich wohl auch mal in Großstädten, anderen Ländern herumtreiben. Wiewohl es auch gut ist, wenn Jugendliche sich sofort für Arbeitsplatz und Leben in Osttirol entscheiden und dies auch realisieren können.

Betriebe siedeln sich an wegen Kostenvorteilen, Förderungen und niedrigeren Abeitskosten. Wenn die Firma dann läuft beginnt sich die Lohnspriale nach oben zu drehen. Es sind wohl auch Betriebe wie Liebherr, Durst uvam, die meines Wissens nach auch gut zahlen.

Wichtig ist, wie das Gesamtpaket für einen "Zuzügler" aussieht - Preis für Wohnen, Chancen für Arbeitsstelle des(r) Partners(In), und dann wohl die Möglichkeiten der Schulen, Berufsausbildung für die Kinder - und damit beginnt der Kreislauf dann von Neuem.

Den Impuls für Zuwanderung kann der CAMPUS sicher nicht geben, wiewohl es zu begrüßen ist, wenn hier Studenten aus aller Herren Länder studieren werden. Die meisten werden dann wohl wieder einen Job außerhalb Osttirols suchen.

Die Wirtschaft im Gesamten ist gefragt, die Lebensqualität die Osttirol bringt kann nicht eine marktgerechte Entlohnung auf Dauer ersetzen.

steuerzahler

Man zieht nicht "eben gern" in die Großstadt, es liegt wohl eher an den Perspektiven und an der Bezahlung. Zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel, das ist nicht wirklich ein Anreiz.

Allerdings kann ich beobachten, daß durch langjährige Schlechterstellung derjenigen, die wirklich etwas arbeiten, eine Situation eingetreten ist, die die Unternehmer zum Umdenken zwingen wird. Und das freut mich ein wenig.

So werden sich sogar die Konzerne wieder um ihre Mitarbeiter bemühen müssen. Ausbeutung alleine zur Gewinnmaximierung funktioniert halt nicht lange....

wolf_c

... Rezept gegen Abwanderung? Super, von hier in Lienz werden Menschen deportativ abgewandert die bleiben wollen, Zwangsabwanderung gesetzlich gedeckt sozusagen ... aber zu diesem Thema halten sie die Pappn ...

    Nickname

    ich hab nichts dagegen, wenn Russen visumfrei her kommen können und bleiben dürfen.. glaub mir, es steht eine riiiiesige Reihe von Menschen, die gern da bleiben würden! Deutsch lernen sie leicht, gscheid sind sie genug, können jede Arbeit gern annehmen und sehr sehr viele sogar gleiche Kultur besitzen. Nur Grenze ordentlich aufmachen 😉 das würde ich unterschreiben!

      F_Z

      verrätst du mir wieviele Russen du persönlich (RL) kennst? ... würde mich interessieren 🙂

Nickname

Breitband-Internet ist ein Argument :)))) lol ich wäre für gscheide Schnellstraße um mich physisch schneller zu bewegen und somit außerhalb von Osttirol öfters "Luft holen" können, als virtuell von daham surfen und vergammeln 😜

Sonnenstrahl

Bravo!👏Stimme dem Gedanken der Zuwanderung zu 100% zu! Ist nur die Frage, wer zuwandern darf? Sind es willige und wohlgesonnene Menschen aus ALLER Welt, die hier willkommen sind als Arbeitskräfte und "Lückenfüller" für jene, die nicht mehr am Leben in der Peripherie interessiert sind, oder handelt es sich hier um "ausgewählte", Menschen mit besonderen Kenntnissen und Interessen??? Wären da eventuell sogar Menschen, die in ihrer Not eine neue Heimat wie Lienz zu ihrem Zuhause gewählt hätten (sogenannte "Flüchtlinge"), die willig wären sich zu integrieren und einen/ihren Beitrag zu leisten auch willkommen?