Georg Dornauer wittert eine „Medienhatz“

SPÖ-Politiker teilt kräftig Richtung ÖVP aus und sieht sich 2023 in der Landesregierung.

Der designierte Tiroler SPÖ-Vorsitzende Georg Dornauer sieht sich auch nach der Aufregung um seinen als sexistisch bewerteten Sager fest im Sattel. Er werde am kommenden Montag im Landesparteivorstand die Vertrauensfrage stellen und dabei geheim abstimmen lassen, sagte Dornauer im APA-Interview. „Ich sehe die Partei hinter mir“, zeigte sich der 35-Jährige von einem positiven Ausgang überzeugt.

Und Dornauer ging davon aus, dass die Abstimmung nicht knapp ausgehen wird. „Ich glaube nicht, dass ich nur 50 Prozent und eine Stimme bekommen werde“. Doch selbst bei einem äußerst knappen Ergebnis werde er sich beim Landesparteitag im Februar der Vorsitzendenwahl stellen. Ob er es dort mit einem Gegenkandidaten zu tun hat, wollte Dornauer nicht bewerten. Es stehe jedem frei, sich zu bewerben. Sollte er der alleinige Kandidat sein, gehe er von einer großen Zustimmung aus und hoffe schon auf „über 90 Prozent der Delegiertenstimmen“.

Dornauer verwahrte sich weiter dagegen, einen sexistischen Sager getätigt zu haben: „Es war ein missverstandener Sager. In der Tonalität wird so etwas von mir nie mehr kommen“. Der designierte Vorsitzende ortete eine „Medienhatz“ sowie eine Kampagne der Bundes-ÖVP. Diese sei seit einem Artikel in der Tageszeitung „Die Presse“ mit dem Titel „Der rote Sebastian Kurz von Tirol“ in der vergangenen Woche „nervös“ geworden. Kurz nach Erscheinen des Artikels habe der Sprecher der Tiroler ÖVP, Sebastian Kolland, dann das Landtags-Video verkürzt, das heißt ohne seine anschließende Entschuldigung zu zeigen, auf seinem Twitter- bzw. Facebook-Account online gestellt und so den Stein ins Rollen gebracht.

Georg Dornauer sieht sich als Opfer von ÖVP und Medien. Er fordert eine Entschuldigung von Günther Platter. Foto: APA

„Deshalb prüfen meine Anwälte gerade eine Klage gegen Kolland, der hier als willfährig ausführendes Organ der Bundes-ÖVP tätig war. Und zwar wegen Kreditschädigung. Er hat eine isoliert dargestellte Aussage, die falsch interpretiert worden ist, medienöffentlich an einen großen Empfängerkreis verteilt. Er hat es wissentlich so verkürzt dargestellt, um mich in Misskredit in der Öffentlichkeit zu bringen. Mit geeigneten Mitteln“, erklärte der designierte SPÖ-Chef. Von Tirols Landeshauptmann und Parteichef Günther Platter verlange er eine Entschuldigung. Dieser habe zwar sicher nichts von der Aktion gewusst, aber der Sprecher sei schließlich sein Mitarbeiter. Sein Verhältnis zur Tiroler ÖVP sei „schwer beeinträchtigt“, so Dornauer. Sollte sich Platter nicht entschuldigen, wäre es „noch schwerer beeinträchtigt“.

Dass ihm aufgrund der Causa eine Teilnahme an den Bundesgremien der SPÖ verwehrt ist, sieht Dornauer nicht als Schwächung der Tiroler SPÖ. Es könne sogar eine Stärkung sein, weil die Tiroler Frauenvorsitzende und Nationalratsabgeordnete Selma Yildirim mit einem hervorragendem Votum in die Gremien gewählt worden sei. Auf die Frage, ob die Reaktion von Bundesparteichefin Pamela Rendi-Wagner, ihn von den Gremien auszuschließen, übertrieben und voreilig gewesen sei, sagte Dornauer: „Ja“. „Aber ich habe ihr auch gesagt, dass ich Verständnis dafür habe. So loyal bin ich“, ergänzte er. Dass die Entscheidung bald revidiert werde, glaube er nicht. Er sei aber davon überzeugt, beim nächsten Bundesparteitag in drei Jahren dann in die Gremien gewählt zu werden, so der Tiroler Vorsitzende.

Darüber hinaus habe es bereits jetzt Solidaritätsbekundungen von führenden Funktionären gegeben, so Dornauer und verwies etwa auf Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl. Auch habe ihn etwa der frühere SPÖ-Finanzminister Hannes Androsch angerufen, um ihm seine Unterstützung zu versichern, berichtete der geschäftsführende Tiroler Parteichef.

Dornauer will spätestens bei der Landtagswahl 2023 in einer Landesregierung vertreten sein: „2023 ist alles möglich.“ Einen allfälligen fliegenden Wechsel in die Regierung als ÖVP-Juniorpartner während der laufenden Legislaturperiode schloss der 35-Jährige aus. Die Bundes-SPÖ sieht er nach dem Parteitag „im Aufbruch“.

Die SPÖ habe in Tirol das Potenzial, über 25 Prozent zu erreichen – an diese Zahl wolle er bei der nächsten Wahl herankommen – und sich an einem solchen Ergebnis messen lassen, so Dornauer. Eine Regierungsmehrheit jenseits der ÖVP wolle er im Moment nicht postulieren, denn: „Das wäre nicht angemessen, bereits jetzt von einem roten Landshauptmann zu träumen“. ÖVP und Grüne seien aber jedenfalls angesichts seines Wechsels an die Parteispitze „nervös geworden“. Bei der ÖVP manifestiere sich diese Nervosität mit der Verbreitung des Videos mit seinem als sexistisch gewerteten Sager.

Einen fliegenden Wechsel der Sozialdemokraten in die Landesregierung in den kommenden Jahren werde es jedenfalls nicht geben. „Das schließe ich definitiv aus. Wir werden uns der ÖVP sicher nicht andienen“, erklärte Dornauer. Es sei aber offensichtlich, dass es beim grünen Junior-Koalitionspartner „gehörig knatscht“. Deren Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe sei „offenkundig ausgesprochen müde und angeschlagen“ und habe einiges an politischen Niederlagen einstecken müssen. Und die ÖVP leide an einem Personalproblem, diagnostizierte der designierte SPÖ-Chef.

Die bisherige Tiroler SPÖ-Parteichefin Elisabeth Blanik habe ihm rund zwei Wochen vor der Ankündigung ihres Rückzugs über ebendiesen informiert, berichtete Dornauer. Sie habe sich diese Entscheidung über den Sommer reiflich überlegt und schließlich de facto gemeint: „Schorschi, geh du voran“. Er habe auch zuvor nie einen Hehl daraus gemacht, irgendwann an der Spitze der Tiroler SPÖ stehen zu wollen.

Die Lienzer Bürgermeisterin habe eine „junge Mannschaft aufgebaut“ und die Partei in ruhiges Fahrwasser geführt. „Ich werde jetzt keinen Bruch in der politischen Linie der SPÖ-Tirol herbeiführen“, stellte Dornauer klar. Er werde allerdings eine „noch höhere Schlagzahl“ in der täglichen politischen Arbeit an den Tag legen. Eine wichtige Rolle werde dabei der Landesparteivorstand spielen. „Er wird in wesentlich höherer Intensität tagen müssen. Dort werde ich dann meine inhaltlichen politischen Richtungsvorgaben zur Abstimmung stellen“, so der Bald-SPÖ-Chef. Die Tiroler Sozialdemokraten müssten wieder der „progressive Motor“ im Land sein.

Die Bundes-SPÖ sah Dornauer nach dem Welser Parteitag „im Aufbruch“. Vorsitzende Rendi-Wagner habe ihre Botschaften überzeugend über die Rampe gebracht, auch die Inszenierung sei „professionell“ gewesen. Die Neo-Chefin sei das „sympathische Pendant zu Schwarz-Blau“. „Am Anfang war sie nicht so präsent, das hat sich aber jetzt gebessert. Sie hat sich eingearbeitet in die neue Rolle“, meinte der geschäftsführende Tiroler SPÖ-Vorsitzende. Zudem habe die ehemalige Gesundheitsministerin ihre „Unsicherheit abgelegt“. Es spreche für die Vorsitzende, dass sie mit Akribie daran geht, diese „Mörderaufgabe“, die SPÖ zu führen, zu bewältigen. Als Parteivorsitzende sei Rendi-Wagner auch die logische Kanzlerkandidatin für die Nationalratswahl 2022, so Dornauer.

Es gehe jetzt darum, die „reine Ankündigungspolitik“ der Bundesregierung zu entlarven und sichtbar zu machen. Verabschieden müsse man sich davon, nur vor den rechtspopulistischen Gefahren zu warnen und sich darin zu verbeißen. „Das bringt nichts, das zeigen auch die Umfragen“, argumentierte Tirols oberster Roter.

In punkto Verhältnis zu den Freiheitlichen strich Dornauer den am Bundesparteitag verabschiedeten Wertekompass hervor, der als Basis für künftige Koalitionsverhandlungen dienen soll. Damit sei die „Vranitzky-Doktrin“, eine Koalition mit der FPÖ von vornherein auszuschließen, „obsolet“. Es trete eine gewisse Normalisierung ein, meinte der geschäftsführende Tiroler SPÖ-Vorsitzende.

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8 Postings bisher
hieronymus68

Wenn sich Dornauer noch an der Spitze der Landes SPÖ halten kann, dann ist das wohl nur der dünnen Personaldecke der Roten geschuldet. Ruhiges "Fahrwasser" sieht jedenfalls anders aus. Jetzt soll sich auch noch der Landeshauptmann bei ihm endschuldigen, woführ eigendlich? Dieser Rundumschlag ist jedenfalls alles andere als angebracht und eigendlich peinlich. Ins rollen hat Dornauer die Sache schon selbst gebracht und wenn er auf einen Posten in der Landesregierung hofft, dann wohl höchstens im Burgenland.

Brunnen

Geht‘s dem Dornauer noch gut, ich weiß nicht, ob er (Nikotin-) Raucher ist oder nicht? Der Landeshauptmann soll sich bei ihm entschuldigen, für was denn? So ein respektloser Sager gegenüber Frauen würde Günther Platter nie über die Lippen kommen! Das ist wohl jetzt der klassische Versuch einer „Täter-Opferrolle-Umkehr“, aber das funktioniert nach heutigen moralischen und wohl auch intellektuellen Anforderungen nicht mehr: siehe Dönmez oder Pilz!

Umgangssprachlich weiß jede/r Tiroler/in, was man mit „der Horizontale“ im „Vorderkopf (Großhirn?) oder im Hinterkopf“ (Kleinhirn?) in Verbindung bringt: Mit Sicherheit keine Bettlägerigkeit aufgrund eines grippalen Infektes! So was darf einfach nicht passieren und schon gar nicht jemandem, der jetzt sogar den Anspruch auf das höchste Amt in unserem Lande erhebt: So ein extremer Fall von Selbstüberschätzung zeigt nur, wie es um den Realitätssinn dieses Herrn bestellt ist. Bundes-ÖVP (diese hat ihre hohen Anforderungen an einen öffentlichen Mandatar eindeutig bei Dönmez klargestellt!) oder Landes-ÖVP, ist völlig unerheblich: Seine eigene SPÖ-Bundespartei und dort natürlich vor allem die Frauen haben ihm jegliche Bundesfunktion verwehrt und auch seinen Rückzug als designierter Nachfolger von Elisabeth Blanik gefordert! Wie bereits die ersten Tage seiner Kandidatur gezeigt haben, kann ihr dieser nicht einmal vom Ansatz her das Wasser reichen, wiewohl er sie bereits mit diesen vollmundigen Ansagen auf dolomitenstadt (nicht nur indirekt) kritisiert. Ein prominenter Osttiroler ÖVP-Politiker hat einmal den bezeichnenden Ausspruch geprägt: „Dein Mut steigt von Glas zu Glas...!“ Die Bundes-, aber durchaus auch die Landes-ÖVP, werden mit diesem „Schorschi“ noch viel Freude haben...

beobachter52

Ich bin auch der Meinung, dass der Wirbel um diesen wirklich blöden Sager stark übertrieben ist. Nur - beim ebenfalls blöden Sager des ÖVP Abgeordneten Dönmez, der gleich von der Partei ausgeschlossen wurde (auch er hat sich entschuldigt), sind Wochen später alle SPÖ-Abgeordneten aus dem Parlament ausgezogen, als er (als freier Abgeorndeter) ans Rednerpult trat. Dornauer erhält anscheinend Zuspruch und Unterstützung von allen Seiten seiner Partei und wird sicherlich eindeutig bestätigt werden. Das ist genau die Doppelmoral in der derzeitigen Politik, die viele Wähler (aller Parteien) erzürnt und Politikverdrossenheit hervor ruft ....

Sepp Brugger

Bis jetzt hat Georg Dornauer immer darauf hingewiesen, dass er sich gleich darauf entschuldigt habe. Diese Reaktion beweist nur, wie ernst ihm wirklich mit seiner Entschuldigung war. Sepp Brugger

genaugenommen

den eigendlichen wirbel haben ja erst die roten wiener wei... - äää frauen gestartet.

    spitzeFeder

    Genau genommen ist das die nächste sexistische Entgleisung. Diese Kommentare sind es, die einfach nicht nötig sind. 😭

      genaugenommen

      Weib mz. Weiber ist eine alte Bezeichnung für eine Frau und keinesfalls sexistisch. Weitere Frauenbezeichnungen: Magd, Dirne, Mamsell, Fräulein, Frauenzimmer. Welche davon sind sexistisch? Der Sexismus spielt sich doch bei den meisten Weibsbilder (eine weitere Frauenbezeichnung) im Kopf ab.

gaukler

Die ganze Aufregung um den "Sager" des Genossen halte ich für total übertrieben. Sich über den politischen Gegner so auf zu regen, finde ich allerdings ebenfalls absurd. Die Schwarzen machen halt genau das, worin die Roten und die Grünen seit Jahren wahre Meister sind.