Karfreitag: Innsbruck gibt frei – in Klagenfurt wird protestiert

Kanzler soll in Kärnten mit Petition konfrontiert werden. Stadt Lienz prüft Sonderurlaub.

Nicht zur Ruhe kommt die politische Diskussion rund um die neue Karfreitagsregelung der Bundesregierung. Nach einem EU-Urteil wurde bekanntlich der Feiertag für die evangelischen Christen kurzerhand abgeschafft. Deshalb nutzen die Evangelische Kirche, die Katholiken und Altkatholiken den politischen Aschermittwoch der ÖVP in der Klagenfurter Messehalle für einen Protest. Gemeinsam riefen die Kirchen am Montag zu einem „Schweigemarsch“ auf, in der Messehalle will man Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) dann eine Erklärung übergeben. Der Protestmarsch soll um 18.00 Uhr im Landhaushof mit einer ökumenischen Andacht beginnen, berichtete der Evangelische Pressedienst. Im Anschluss zieht der Zug zur Messe, wo ab 19.00 Uhr der ÖVP-Abend mit Gast Vitali Klitschko stattfinden soll.

Der evangelische Superintendent Manfred Sauer, der römisch-katholische Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger und ein Vertreter der altkatholischen Kirche möchten dann Kurz eine Erklärung überreichen, die sie bereits am Freitag veröffentlicht hatten. Darin fordern sie einen Abtausch des Karfreitags mit dem Pfingstmontag und kritisieren, dass „fast ausschließlich wirtschaftliche Argumente ins Treffen geführt werden, während die religiöse Bedeutung dieses Tages zu wenig in den Blick genommen wird“. Im Anschluss an den „Schweigemarsch“ soll im Klagenfurter Dom gemeinsam die römisch-katholische Aschermittwochsliturgie gefeiert werden.

Der Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi unterläuft die Karfreitagsregelung der Bundesregierung mit einem Sonderurlaub für evangelische Mitarbeiter der Stadt. Foto: Expa/Hans Groder

Einen anderen Weg geht man in Innsbruck. Nach Mödling und Eisenstadt will auch die Tiroler Landeshauptstadt von der Karfreitags-Regelung der Bundesregierung abweichen. Die städtischen Mitarbeiter evangelischen Glaubens würden „fünf Stunden Sonderurlaub“ erhalten, sagte Bürgermeister Georg Willi (Grüne) der „Tiroler Tageszeitung“. „Das ist gerechtfertigt“, meinte Willi. Damit werde die bisherige Regelung respektiert. Sonderurlaub für alle 1.600 Beschäftigten im Magistrat sei hingegen nicht administrierbar, so der Bürgermeister.

Auch die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik bestätigt auf Anfrage von dolomitenstadt.at, dass man über eine eigene Urlaubsregelung für die Mitarbeiter mit evangelischem Glaubensbekenntnis nachdenke. Allerdings sieht Blanik die Rechtslage noch ungeklärt: „Das Gesetz ist ja noch nicht beschlossen und war auch nicht im Bundesrat. Wir haben schon mit Innsbruck Kontakt aufgenommen und prüfen, welchen rechtlichen Hintergrund ein Sonderurlaub für einen öffentlichen Arbeitgeber wie die Gemeinde hat.“ Jedenfalls seien einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt von der Thematik betroffen.

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1 Posting bisher
Biker

Wenn jetzt wieder einzelne Städte, Gemeinden und öffentliche Institutionen einseitige Regelungen für freie Tage einführen dann wird es nicht lange dauern bis die nächsten Klagen wegen Diskriminierung eingereicht werden! Diese Karfreitagsregelung unserer Regierung ist ohnehin zum Scheitern verurteilt - wird verfassungs- und europarechtlich nicht halten, und vorm Wähler sowieso nicht! Dieser Regierung kann man gar nichts glauben!