Auch in Lienz Medikamente ohne Arztbesuch erhältlich

Hausärzte kritisieren Kassen und Ärztekammer, weil keine Schutzausrüstung vorhanden ist.

Wenige Stunden nach unserem Bericht über die Initiative zur möglichst kontaktfreien Medikamentenversorgung in Matrei meldeten sich per Aussendung auch die praktischen Ärztinnen und Ärzte des Lienzer Talbodens zu Wort. Auch sie betonen, dass in dieser Ausnahmesituation allen Patienten unbürokratisch geholfen wird.

„Ziel ist es, die Wege in Ordinationen und Menschenansammlungen zu vermeiden. Es wird angeboten, dass in Absprache mit den jeweiligen Apothekern gerne die Rezepte für Dauermedikamente nach telefonischer Voranmeldung, teilweise auch nach Vorbestellung per Mail gefaxt oder zu den jeweiligen Apotheken gebracht werden.“

Die Österreichische Gesundheitskasse schafft dazu ab Montag, 16. März, den rechtlichen Rahmen. Hier die wichtigsten Änderungen:

  • Für die Dauer der Pandemie können Medikamentenverordnungen auch nach telefonischer Kontaktaufnahme zwischen Arzt/Ärztin und Patientin/Patient erfolgen.
  • Die Abholung in der Apotheke erfordert nicht mehr unbedingt ein Papierrezept. Die Übermittlung des Rezepts von Arzt/Ärztin an die Apotheke kann auch auf anderem Weg erfolgen.
  • Die Medikamente können in den Apotheken auch an andere Personen, sofern sie Namen und die SV-Nummer des Patienten/der Patientin kennen, abgegeben werden.
  • Über den Zeitraum der Pandemie fällt zudem die Bewilligungspflicht bei den meisten Medikamenten.
  • Bei Medikamenten kann der Bedarf für drei Monate abgegeben werden, nur bei speziellen Fällen (bei Neueinstellungen) muss eine direkte Kommunikation mit dem Arzt/der Ärztin stattfinden.
  • Krankentransporte sind bis auf weiteres bewilligungsfrei.
  • Gleiches gilt für Heilbehelfe und Hilfsmittel bis zu einem Gesamtausmaß von 1.500 Euro sowie Röntgen und Schnittbilduntersuchungen.
  • Arbeitsunfähigkeitsmeldungen (AU) sind während dieser Phase ebenfalls telefonisch möglich.

Die Osttiroler Ärzte planen, die jeweiligen Ordinationszeiten abhängig von der weiteren Entwicklung im Bezirk anzupassen: „Für telefonische medizinische Beratung wird der jeweilige Hausarzt auch über diese Ordinationszeiten hinaus erreichbar bleiben. Vieles kann auf diesem Wege gelöst und so Hilfe angeboten werden,“ schreiben die ÄrztInnen in ihrer Aussendung. Sie informieren auf ihren Websites und Anrufbeantwortern über individuelle Regelungen.

Neben diesem Serviceangebot gibt es aber auch eine offene Kritik der Ärztinnen und Ärzte an Kassen und Ärztekammer. Im Wortlaut:

„Grundsätzlich ist festzuhalten, dass unser Versorgungsauftrag bzw. die Möglichkeit zur Betreuung kranker, dann wahrscheinlich mit dem Coronavirus infizierter Patienten auch deshalb limitiert und aus Gründen des Eigenschutzes eingeschränkt möglich sein wird, da uns von Seiten der Krankenkassen wie auch der Ärztekammer bis jetzt keinerlei Schutzausrüstungen (FFP3 Masken, Schutzanzüge etc) zur Verfügung gestellt wurden. Und das scheint aus unserer Sicht unverantwortlich!“

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