Sechs Männer der Lienzer Bergrettung brachten den 40 Kilogramm schweren Ofen wieder zurück an seinen angestammten Platz. Foto: architektur&osttirol/Steinklammer

Sechs Männer der Lienzer Bergrettung brachten den 40 Kilogramm schweren Ofen wieder zurück an seinen angestammten Platz. Foto: architektur&osttirol/Steinklammer

Der „Linder-Ofen“ ist wieder an seinem Platz

135 Jahre lang wärmte er die Linderhütte. Nun bleibt er als Ausstellungsstück bestehen.

Unter heute kaum mehr vorstellbaren Bedingungen erbaute Ignaz Linder in den Jahren 1883 und 1884 seine Hütte ein wenig unterhalb des höchsten Punktes des Spitzkofels.

Der Bäckermeister, Gastwirt und Bergpionier schleppte nicht nur sämtliches Baumaterial bis knapp unter den Gipfel, sondern auch einen etwa 40 Kilogramm schweren, gusseisernen Ofen. Dies war die Bedingung des als eher knausrig bekannten Eisenhändlers Max Keller, als er diesen um einen Ofen für die Hütte fragte: „Wenn du ihn bis hinaufträgst, gebe ich ihn dir kostenlos“, soll dieser zu Linder gesagt haben. Der Bergfex dachte gar nicht lange nach und trug den Ofen auf seinen eigenen Schultern die 2000 Höhenmeter hinauf bis zu seiner Hütte. Darüber berichteten wir bereits ausführlich in einer Magazin-Geschichte.

Fotos aus dem "Dolomitenstadt-Archiv": Der Erbauer der Schutzhütte Ignaz Linder. Foto: Fotograf unbekannt, Sammlung Irene Linder - TAP
Das Innere der Linderhütte im Jahr 2016 mit dem gusseisernen Ofen in der Ecke. Foto: Wolfgang C. Retter
Die Linderhütte im Herbst 2019 - der Ofen hielt sich zunächst standhaft. Foto: Wolfgang C. Retter

Dort stand der Ofen auch ganze 135 Jahre lang, bis im Jahr 2018 der Sturm Vaia das Dach der Linderhütte abdeckte und der Ofen im Herbst 2019 gemeinsam mit dem restlichen Abbruchmaterial mit dem Hubschrauber zu Tal geflogen wurde.

Die Linderhütte wurde in den Sommermonaten der Jahre 2019 und 2020 wieder zur Gänze aufgebaut und bietet begeisterten Bergsteigern seither wieder die Möglichkeit dort Schutz zu suchen. Das Schicksal des Ofens blieb aber vorerst ungeklärt.

Der ÖTK Lienz entschied als Eigentümer der Linderhütte diese als nicht beheizbar auszugestalten, da es in den vergangenen Jahren in verschiedenen Winterräumen und nicht bewirtschafteten Hütten immer wieder zu Vandalenakten kam, bei denen die Einrichtung zur Gänze verheizt wurde, wenn kein Brennholz mehr zur Verfügung stand.

Ein Ofen in der Hütte wäre somit überflüssig, gäbe es nicht eine Gruppe engagierter Männer, die sich für die Wiedervereinigung der Hütte und des Ofens eingesetzt hätte, sodass er nicht im Talboden in Vergessenheit geraten würde.

Zum Teil mit einer Scheibtruhe, zum Teil mit einer Rückenkraxe wurde der gusseiserne Ofen die fast 2000 Höhenmeter nach oben transportiert: Foto: architektur&osttirol/Steinklammer

Peter Wallensteiner reparierte den gusseisernen Ofen liebevoll, bevor er dann am 17. Juli um vier Uhr früh von sechs Männern der Lienzer Bergrettung unter der Führung von Jochen Linder, einem Großenkel des Erbauers der Linderhütte, wieder zurück an seinen Ursprungsort gebracht wurde.

Um den Spuren von Ignaz Linder zu folgen, trafen sich die sechs Bergsteiger vor dem ehemaligen Eisenwarengeschäft Max Keller am Lienzer Johannesplatz und machten sich auf den Weg in Richtung Linderhütte. Zum Teil wurde der Ofen mit einer umgebauten Scheibtruhe transportiert, dort wo der Weg nicht befahrbar war mit einer Lastenkraxe.

So kamen die Männer nach einem Zwischenstopp auf der Kerschbaumer Alm um 14:00 Uhr bei Nebel und Nieselwetter erschöpft, aber stolz bei der Linderhütte an – 10 Stunden waren sie unterwegs gewesen.

Und so steht der Ofen – wenn auch unbeheizbar – wieder dort, wo er hingehört, oben am Grat zum Spitzkofel, in der Linderhütte.


Wegen der schlechten Wetterprognose wird die für 31. Juli 2021 geplante Segnung der wiedererrichteten Linderhütte auf Samstag, 28. August 2021, verschoben!

(Der Artikel wurde am 30. Juli 2021 aktualisiert.)

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5 Postings bisher
isnitwahr

Bewundertswerte Leistung, grauliere und danke für euer Engagement. Es ist wirklich bedauerlich, dass es Leute gibt, die sogar Mobiliar verheizen - es gibt nichts, was es nicht gibt, einfach unglaublich.

Oschtadio

Wenn man auf dem Weg zur Linderhütte irgendwo zb. Kerschb. Alm 1-2 m aufgemachte Holzscheite hätte. A Bergrettungskasse oder Wegerhaltungskassa 3Euro einwurf dann kann man 10 Scheitlen mitnehmen. Ist ein spass für jeden und irgendeinem Verein wäre auch ein bisschen geholfen. Und der jenige hätte es warm in der Not Unterkunft. 💪😁

    schnuffi

    Seeeeehr gute Idee! Du bist ein Idealist so wie ich auch einer bin! Bei Dir, mir und so einigen anderen wird das sicher problemlos funktionieren. Aber bei den sogenannten "Spezialisten" unter uns leider nicht...Die nehmen mehr Scheiteln mit, werfen keine Moneten ein, heizen ein und hinterlassen einen Saustall, putzen nix, lassen die Glut allein, den Müll oben und zünden vielleicht aus Unvorsicht auch noch die Hütte an.....Leider, leider isses so. Es gibt auch unter Bergsteigern Beispiele genug...😉

Heidemarie

Tolle Leistung, aber bitte ohne angedachte Brücke zum Spitzkofel! Ein guter Witz!

so ist es vielleicht

Tolle Initiative mit viel Pioniergeist! 💪👍 Jetzt bräuchts nur noch eine Seilbrücke von der Hütte zum Spitzkofelkreuz, dann könnt man fast ebenerdig (ohne anstrengenden Ab- und erneutem Anstieg) direkt zum Gipfel gelangen! 😊