Sepp Blasisker – der blauschwarze „Königsbauer“

Der Landwirt mit Schmäh verfolgt schlitzohrig seine eigenen Ziele. Nun wieder bei der ÖVP.

Nun steht sie also, die lange Kandidat:innen-Liste der Stadt-ÖVP, die aktuell zwar nur sieben Mandate im Gemeinderat hält, aber dennoch beweist, dass sie breiter aufgestellt ist, als jede andere politische Gruppierung in Lienz. In dieses Bild passt nahtlos auch der Wechsel von zwei Mandataren anderer Listen zu den Schwarzen. Der eine ist Guido Hunsamer, der den Grünen vor sechs Jahren aus der Verlegenheit einer ergebnislosen Kandidatensuche half und prompt mit einem Sitz im Bauausschuss belohnt wurde. Nun reiht sich der umtriebige Landwirt und Grundeigentümer bei der ÖVP ein, allerdings in den hinteren Rängen. Ganz vorne, auf dem recht sicheren Platz sechs, sitzt ein weiterer Bauer: Sepp Blasisker, beim letzten kommunalen Urnengang noch Anführer der FPÖ.

Sein abwechslungsreicher politischer Werdegang ist damit um eine originelle Facette reicher. Blasisker verkörpert einen in Tirol gar nicht so seltenen Typ des Lokalpolitikers: er wurde blau, weil er bei den Schwarzen nichts wurde. Gerald Hauser lässt grüßen. Auf dem freiheitlichen Ticket schaffte es der ehemalige BH-Angestellte sogar bis in den Nationalrat, wenn auch nur für ein paar Monate. In der Stadtpolitik war Blasisker lange ein verlässlicher blauschwarzer „Königsbauer“ auf dem Schachbrett der ÖVP, zu Zeiten, als die Schwarzen noch zehn Mandate und damit keine absolute Mehrheit im Gemeinderat hatten. Ein „elfter Mann“ wurde gebraucht, die entscheidende Stimme, das Zünglein an der Waage. Dieser Mann war bei vielen kontroversen Abstimmungen Sepp Blasisker.

Eines ist der ÖVP mit ihm gewiss: Redezeit. Ex-FPÖ-Mandatar Sepp Blasisker schwänzt zwar gern Ausschusssitzungen, ist aber nicht auf den Mund gefallen. Foto: Dolomitenstadt/Wagner

Nicht von ungefähr hatte der Ökonomierat mit Hauptschulabschluss den Vorsitz des Kontrollausschusses der Stadt Lienz jahrzehntelang quasi gepachtet. Er hat nämlich noch einen anderen Trumpf im Talon: Blasisker ist der Bruder von Stadtkämmerer Peter Blasisker, also jenes Mannes, der das 40-Millionen-Budget der Stadt bis vor kurzem maßgeblich verantwortete und mitgestaltete. So blieb die Kontrolle über das wichtigste Regelwerk der Kommune in der Familie.

Auch unter SPÖ-Bürgermeisterin Blanik blieb Sepp Blasisker in dieser strategisch nicht unwichtigen Position, zählte er doch zu den Steigbügelhaltern ihres eigenen Aufstiegs an die Gemeindespitze. Der FP-Mann war Teil der „Buntallianz“ aus Rot, Grün, LSL und Blau, die 2009 Bürgermeister Hannes Hibler und seine Schwarzen an den Rand der Verzweiflung brachte und dem geplanten Einkaufstempel M99 die politische Rutsche legte. Blasisker wechselte damals die Fronten, weil Bauernblut eben dicker ist als Nudelsuppe. Mochte sich die SPÖ das politische Fähnchen der „Kaufhaus-Partei“ auf den Hut stecken, den Reibach machten beim M99-Deal mit dem Verkauf der Kunstmühle die RGO-Bauern, landwirtschaftliche Machtgenossen, zu denen Blasisker immer zählte. Jetzt kehrt er auch politisch in die tiefschwarzen Reihen der Agrarlobbyisten zurück.

Bei allen Wechseln und Wendungen, von Schwarz zu Blau samt Koalitions-Techtelmechtel mit Rot und nun zurück zu Schwarz bleibt sich Blasisker aber selbst treu, auch das muss man sagen. Der Landwirt mit Schmäh verfolgt eben schlitzohrig seine persönlichen Ziele und ist kein Ideologe. Deshalb ist er wohl auch der einzige Freiheitliche, dem zumindest in meiner Wahrnehmung bislang kein ausländerfeindliches Wort über die Lippen kam. Im Wahlkampf 2016 – die Flüchtlingswelle war noch nicht abgeklungen – sah man auf Plakaten Sepp Blasisker und ein Baby samt einem harmlosen Zukunft-für-unsere-Kinder-Slogan. Die heftig geführte Asyldebatte ließ er außen vor, so wie aktuell das Thema Impfpflicht.

Ein Lienzer Gemeinderat ohne Sepp Blasisker ist für die Kiebitze auf der Galerie schwer vorstellbar. Der Langzeit-Mandatar meldet sich so oft wie kein Zweiter zu Wort und macht mit oft recht originellen Sprüchen wett, was er in der politischen Ausschussarbeit verschläft. Blasiskers notorische Abwesenheit bei Arbeitssitzungen und Meetings ist sprichwörtlich. Und so wird auch in den nächsten sechs Jahren die Arbeit hinter den Kulissen den anderen bleiben, doch die politische Show im Ratsaal wird sich der Schlossgassler nicht stehlen lassen.

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe und Kommunikationswissenschafter arbeitete Jahrzehnte als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er mit seiner Familie im Jahr 2000 nach Lienz zurückkehrte und dort 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief.

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unholdenbank

Opportunismus - ein Grundübel in der Politik. Eigentlich sollten Geradlinigkeit und Wahrhaftigkeit gelten - und dann bin ich aufgewacht.

 
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Franz Brugger

Die Meinung, dass Personen sich ausschließlich wegen Meinungen und werte auf einer Liste aufstellen lassen ist zu hinterfragen.

So manch einer folgt da wohl persönliche Interessen. Im guten FAll für die Allgemeinheit kann das politischer Aktivismus sein, im schlechteren stehen da wohl auch materielle Interessen dahinter.

 
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Der Graukofler

Ich weiß nicht, was ich von jemandem zu halten habe, der ständig seine politische Farbe wechselt. Ich bin da eher bodenständig. Eine Meinung haben, dazu stehen und sie vertreten. Dies müsste vor allem in der Politik gelten!

 
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    Franz Brugger

    Das machen einem die Parteien immer schwerer, weil deren Meinung sich sehr am Umfragen orientiert, Werte geraten doch öfters in Vergessenheit.

     
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    genaugenommen

    in der gemeindepolitik spielt partei eigendlich keine rolle, ausser bei blanik, da wird grundsätzlich alles bockiert, was von einer anderen partei kommt.

     
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      unholdenbank

      Was hat Frau Blanik alles "grundsätzlich" blockiert, was von "einer" anderen Partei kommt? Ich bitte um eine Aufstellung dieser blockierten Themen. Lediglich in der Hauptplatzfrage hat Frau Blanik aus vielleicht gutem Grund "blockiert". Ich kann mich nicht erinnern, dass diese "eine andere" Partei in der letzten GR-Periode viele fundierte Anträge und Vorschläge eingebracht hat, die man hätte nur so aus Jux ablehnen können. Wohl erinnern kann ich mich an viele Anträge von "anderen" Gruppen, die von und unter ex BGM Hibler abgelehnt wurden. Niemand hat es der ÖVP verboten gute Vorschläge/Anträge zu machen, sich dafür eine Mehrheit von 11 Stimmen zu holen und damit die Bürgermeisterin zu zwingen, dieses Ergebnis zu exekutieren. Vielleicht waren a) die Anträge nicht da, oder b) nicht mehrheitsfähig oder c) zu schlecht. Und nochmals für die Nicht-wahrhaben-woller: Der Gemeinderat besteht aus 21 Mitgliedern. 10 davon, das ist die Minderheit, hat die SPÖ. 11, damit die MEHRHEIT !!! hat die Opposition. Diese Stimmen als "gekauft" zu bezeichnen ist schon VzBgm Steiner nicht gut bekommen. Er musste sich dafür entschuldigen um einer Klage wegen Rufschädigung etc. zu entgehen. Dies zur Klarstellung.

       
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    DimebagDarell

    ...stimmt schon, wobei man sagen muss, dass die Blauen sich richtig radikal verändert haben, für die gibt es nur mehr einen Strohhalm. Absolut verständlich das sich Blasisker und Raggl hier distanzieren und diesen Blauen den Rücken kehren. Auch in privaten Beziehungen kommt so was vor.... wenns nima geht, dann is es mal so. Ich könnte mich NIEMALS mit diesen Blauen mehr vereinbaren.

     
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Ceterum censeo

Der Josef ist mir mit seiner längjährigen Erfahrung in der Gemeindestube allemal lieber, als einer, der sich erst langsam einarbeiten muss. Ein stark aufgestelltes Team kann eher etwas für die Gemeindebürger umsetzen.

 
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    senf

    Ja CC, er weiss wie man die Kastanien aus dem Feuer holt. Zumindest für sich wie man oben liest, wenn er Sitzungspauschalen für seine Fehlstunden im GR kassiert. Und wenn sich niemand mehr langsam einarbeitet, dann haben wir auch in der "Gemeindepolitik" Facharbeitermangel. Händchenhochhalter gibts ja ohne hin genug. 😛

    Verjüngung muss sein, denn Fließbandmethode bringt weder Ideen noch den nötigen Schwung! Siehe Matrei!

    Aber ich denke, was du denkst!

     
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gemeiner Waldkauz

wird sicher unterhaltsam.

 
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so ist es vielleicht

Der Sepp, wie er leibt und lebt! 😅 Wählbar? 🤔

 
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    Ceterum censeo

    Ja! Wählbar.

     
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    hieronymus68

    Absolut Wählbar!

     
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Domenik Ebner

...Blasiskers notorische Abwesenheit bei Arbeitssitzungen und Meetings ist sprichwörtlich...

Sorry - das ist schlichtweg eine Frechheit und ich empfinde das persönlich als Verhöhnung des Wählers. Wenn man keinen Bock auf die Arbeit im Hintergrund hat und nur lustige Sprüche in der öffentlichen GR-Sitzung anbringen will, sollte man sich aus der Politik zurückziehen.

 
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    Ceterum censeo

    Er "zieht" bei den Wählern. Und viel Erfahrung hat er auch, im Gegensatz zu......

     
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    hieronymus68

    Der Sepp ist ein leutseliger Vollblutpolitiker der auf der Straße und am Stammtisch in seinem Element ist. Er hatt das Ohr am Volk und ist selbst ein Teil des Volkes. Selbst als Nationalrat war er nie Abgehoben. Herr Ebner sie müssen erst Beweisen was sie können,ich glauge nicht dass sie es in den Gemeinderat schaffen.

     
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Martin K.

Er ist und bleibt ein Spitzbub. Für manche wohl auch ein Belzebub...

 
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