Anton Mattle einstimmig zum LH-Kandidat nominiert

ÖVP-Landesparteivorstand gab sich geschlossen. Platter: „Zeitpunkt, die richtigen Weichen zu stellen.“

Die Ära Platter neigt sich dem Ende zu: Der Tiroler ÖVP-Landesparteivorstand nominierte am Montag Wirtschaftslandesrat Anton Mattle einstimmig als Landeshauptmann-Kandidat für die kommende Landtagswahl. Zudem beschloss die ÖVP ebenfalls einhellig, dass früher und nicht wie vorgesehen erst im Frühjahr 2023 gewählt werden soll. LH Günther Platter hatte angekündigt, nach 14 Jahren nicht mehr antreten zu wollen. „Es ist einmal genug“, meinte er bewegt.

Der Landeschef bleibt bis zum Herbst. Der einstimmige Beschluss auf Neuwahl betraf kein konkretes Datum. Platter nannte aber bei einer von großem Medieninteresse begleiteten Pressekonferenz in der Villa Blanka in Innsbruck den 25. September als Wunschtermin. Nun gehe man in Gespräche mit den anderen Parteien. Bereits für Montagabend war die erste Unterredung vorgesehen, erfuhr die APA aus ÖVP-Kreisen.

Nach Gesprächen mit Familie, Freunden und Weggefährten sei er zum Entschluss gekommen, „dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, die richtigen Weichen zu stellen“, begründete Platter seinen Abgang mit Herbst. Bis zur Landtagswahl will Platter aber im Amt blieben. Der nächste Landeshauptmann sollte „mindestens fünf Jahre im Amt bleiben. Das ist sich bei mir nicht ausgegangen“, führte er die Gründe für sein überraschendes Ausscheiden an, nachdem er noch im Vorjahr seine Kandidatur bekräftigt hatte.

„Ich möchte keinen Tag missen. Aber ich möchte den einen oder anderen Tag kein zweites Mal erleben“. Günther Platter erklärt die Beweggründe für seinen Abschied. Foto: Expa/Groder

Vor allem nach der Landeshauptleute-Konferenz am Achensee im vergangenen November, bei der die Impfpflicht und ein weiterer Lockdown beschlossen worden waren, sei er mit „Drohungen, sogar mit Morddrohungen gegenüber meinem persönlichen Umfeld“ konfrontiert gewesen. Es habe sogar einen Autokorso von Innsbruck nach Zams – Platters Heimatgemeinde – gegeben. „Die Polizei hat alles abgeriegelt“, aber dies sei für die Familie belastend gewesen, berichtete Platter. „Mit 68 Jahren tut man sich das nicht mehr an“, verdeutlichte der Landeshauptmann seine Entscheidung.

Die vergangenen Monate hätten ihn „nachdenklich gemacht“. Man habe gesehen, wie herausfordernd Politik sei. Platter sprach von Anfeindungen, Beleidigungen und Drohungen: „Ich möchte keinen Tag missen. Aber ich möchte den einen oder anderen Tag kein zweites Mal erleben“. Platter rekapitulierte einschneidende Ereignisse der vergangenen zwei Corona-Jahre wie das Aus für die Wintersaison oder jenen 15. März 2020, an dem er in einer Videobotschaft Verkehrsbeschränkungen verkündet hatte. Zwei Wochen hatte er daraufhin im Landhaus übernachtet, das Bild der leeren Maria-Theresienstraße vom Balkon aus werde er nie vergessen.

Die grünen Personalrochaden oder die ÖVP-Bundesaffären seien nicht ausschlaggebend für seine Entscheidung gewesen. Mattle sei der „richtige Mann zur richtigen Zeit und vor allem „authentisch“. Er werde ihn im Wahlkampf tatkräftig unterstützen: „Es braucht Verlässlichkeit, Glaubwürdigkeit und Stabilität“. Darüber hinaus zählte Platter die aus seiner Sicht zahlreichen Erfolge seiner 14 Jahre als Landeshauptmann auf. LH sei seine „schönste Aufgabe“ in 36 Jahren Politik gewesen.

„Heute ist ganz ein spezieller Tag. Ich habe Nervosität im Körper“, erklärt der Spitzenkandidat der ÖVP für die Landtagswahl, Anton Mattle. Foto: Expa/Groder

Mattle machte klar, dass er keinesfalls nur ein Übergangslandeshauptmann sein wolle. „Ich setze das langfristig an“, betonte er. Er sei schließlich „bekannt für Kontinuität“. „Heute ist ganz ein spezieller Tag. Ich habe Nervosität im Körper“, so der ehemalige Bürgermeister von Galtür. Platter sei vor kurzem auf ihn zugekommen und habe ihn gefragt, ob er sich dies vorstellen könne. Dann habe er einige Zeit gebraucht – schließlich sei Landeshauptmann und Landesparteiobmann schon eine „ganz andere Herausforderung“ als seine bisherigen. Seine Familie trage seine Entscheidung mit. „Ich bin stolz darauf“, meinte der 59-Jährige über seine zukünftige Aufgabe. Eine Umbildung des Regierungsteams werde es bis zur Wahl nicht geben. Es sei auch niemand auf ihn zugekommen und habe gesagt, dass er oder sie aufhören wolle.

Auf Koalitionsspekulationen für die Zeit nach der Wahl wollte er sich nicht einlassen. Mattle schloss keine Partei aus. Ebenso wollte sich der Wirtschaftslandesrat und Wirtschaftsbündler auf keine „Latte“ hinsichtlich des Wahlergebnisses festlegen. Für den 9. Juli hat man einen Landesparteitag in Alpbach angesetzt, an dem der Oberländer zum Obmann gewählt werden soll.

Nach außen hin erfolgte die Rochade Platter-Mattle einhellig. Doch soll Wirtschaftskammerchef Christoph Walser, dem Ambitionen auf die Platter-Nachfolge nachgesagt werden, sauer über Platters Vorgangsweise gewesen sein. Er war für die APA vorerst nicht erreichbar. Auch Wirtschaftsbundchef Abg. Franz Hörl soll sich massiv geärgert haben. Gegenüber der APA stritt er dies aber ab.

Sehr zufrieden war Staatssekretär Florian Tursky, der ehemalige Büroleiter Platters. „LH Günther Platter hat die richtige Vorgangsweise gewählt und damit die Weichen für Tirols Zukunft gestellt. Toni Mattle ist der richtige Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Er hat in seiner Vergangenheit wiederholt bewiesen, dass er die nötige Erfahrung, das politische Gespür und vor allem Durchsetzungsstärke hat, um Großes für das Land Tirol zu leisten“, so Tursky zur APA.

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Chronos

Viele junge TirolerInnen haben nur einen LH, nämlich Günther Platter, erleben dürfen! Positiveres: Sein Rücktritt! Negatives über GP hat hier keinen Platz, das kennt man von mir, an anderen Stellen, ausführlich.

Anton Mattle? Der (eher) zufällige, aber einzige mögliche Kandidat aus den Reihen der ÖVP. Das ist auch Platter geschuldet, der nie eine/n Nachfolger/in aufgebaut hat, nie eine/n starke/n Frau/Mann neben sich zugelassen hat!

Querschüsse aus den eigenen Reihen? Natürlich, der Tiroler Trump, Lift- u. Umweltsünder - Lobbyist, Franz Hörl und der selbsternannte LH - Kronprinz, Christoph Walser! Gott bewahre uns von diesen ewig Gestrigen!

 
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    senf

    hallo chronos, bei all deiner kritik, es gibt keinen gelernten landeshauptmann, er/sie wird es und muss sich beweisen. personen, die aus innerer überzeugung und mit gspür für die politik der gemeinschaft leben sind rar, aber am richtigen weg. ihr werkzeug ist die ruhe, besonnenheit und wertschätzung. anerzogene oder selbstdarstellende politgünstlinge brauchen die bühne, sie sind laut und fallen tief. die tiroler jungend konnte das in der kurzen vergangenheit oft genug erleben - auf der bühne der bundespolitik!

    ich glaube schon, dass platter viel vom ersteren ins sich hatte, aber oft im schatten oder gar würgegriff von den zweiteren stand und das mag vielleicht der ausschlag zur kritik sein. deine und meine, berechtigt oder nicht, sei hier dahingestellt.

    ich glaube dennoch, dass platter nicht alles falsch gemacht hat und mir schaudert heute noch vor seiner entscheidung, das land coronabedingt zuzusperren und den wintertourismus von heute auf morgen ausser kraft zu setzen. totenstille! niemand wusste eigentlich warum, aber im nachhinein waren alle - wie immer - gescheid.

    ich finde es gut, dass es keinen aufgebauten, geformten oder zurechtgebogenen nachfolger gibt, aber innerhalb der partei einen bestimmten, der sich der wahl stellen muss. aber: vielleicht taucht ein ersterer oder eine ersterin aus dem nichts auf? es wird spannend.

     
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      RosemarieB

      @senf: Sachlicher U fairer Kommentar!

       
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