Und tschüss! Günther Platter hat genug. Foto: Expa/Groder

Und tschüss! Günther Platter hat genug. Foto: Expa/Groder

Günther Platter nimmt die letzte Ausfahrt 

Die ÖVP steht in Tirol vor einer Zeitwende, die für alte Haudegen nichts Gutes mehr verspricht.

Nachher wussten es natürlich alle schon vorher, „dass der Platter geht.“ Ich habe es zumindest geahnt, denn wenn man den Puls der Medienarbeit der Landesregierung – und damit der politischen Schwerpunktsetzung – täglich fühlt, dann spürt man auch, wenn er schwächer wird. 

Günther Platters politischer Puls schlägt schon länger schwach im Vergleich zu besseren Zeiten aus Sicht der ÖVP. In diesen besseren Zeiten, da war ein Landeshauptmann noch wer und wurde nicht von Hinz und Kunz im Internet geohrfeigt wie der Watschenmann im Wurstelprater. In besseren Zeiten mischte man sich noch gerne unter das Volk, schwang den Taktstock vor der Trachtenkapelle, genoss das Schnapsl der Marketenderin und beschwor das Tirolerische als Stammesmerkmal der Edelsten im Berggebiet. Dann machte man die Brieftasche auf und versprach allen Umstehenden Geld für ihre Steckenpferde. 

Zeit für den Abgang der ÖVP-Haudegen. Günther Platter (rechts) folgt seinem Amtskollegen Schützenhöfer aus der Steiermark in die Politpension. Foto: Expa/Groder

All das ist versunken in einer verklärten politischen Vergangenheit, weggespült von Flüchtlingswellen und Virusmutationen, Eindringlingen in der heilen Welt, die ebenso wie das Internet und die Inflation völlig unbesiegbar wirken, weil man sie so schwer greifen und begreifen kann. Modernes Krisenmanagement ist halt kein Freiheitskampf anno 1809, da marschiert nicht alles mit, was eine Waffe tragen kann. Im Gegenteil.  Man weiß die meiste Zeit nicht einmal genau, wer der Feind ist, geschweige denn wo.  

Da schlägt dann die Stunde der Populisten, der selbsternannten Säulenheiligen, der Fake News-Virtuosen und Influencer innerhalb und außerhalb der eigenen Partei. Da wird Schwarz zu Türkis und plötzlich stellen Untersuchungsausschüsse, Staatsanwaltschaft und Rechnungshof Fragen, die früher eine Majestätsbeleidigung gewesen wären. Dabei war die Verteilung der Posten und der Covid-Milliarden doch gut gemeint und die Energie wird uns auch nicht ausgehen, solange die Tiwag darf, wie sie will. 

Und als hätte der Landesvater nicht schon genug Probleme am Hals, drohten ihm auch noch ein Aufstand der nimmersatten Touristiker, eine einspurige Brennerautobahn und ein Frächter als politischer Brutus, der selbst gern hinters Lenkrad möchte. Vom Wolf reden wir lieber gar nicht, dieser besonders ausgefeimte Einwanderer hetzt auch noch das letzte Aufgebot, die Bauern, gegen die ÖVP auf und lässt ihr nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, zwischen einem Gesetzesbruch oder der Ungnade der EU, deren Millionen sich so schön verteilen lassen. 

All das kann einen typischen Schönwetter-Landesvater schon mürbe machen. Wenn's hart auf hart kommt – und das war in den letzten zweieinhalb Jahren ein Dauerzustand – dann bist du an der Spitze nämlich einsam, da hilft dir auch kein Hofrat in der Presseabteilung. Den Kopf musst du hinhalten. Warum eigentlich, wird sich Günther Platter eines Morgens, vielleicht an seinem 68. Geburtstag am 7. Juni, gefragt haben. Und dann war die Entscheidung plötzlich gefallen: „Hinter mir die Sintflut.“ Sprach’s und nahm die letzte Ausfahrt Richtung Sonnenuntergang. 

Gerhard Pirkner ist Herausgeber und Chefredakteur von „Dolomitenstadt“. Der promovierte Politologe und Kommunikationswissenschafter arbeitete Jahrzehnte als Kommunikationsberater in Salzburg, Wien und München, bevor er mit seiner Familie im Jahr 2000 nach Lienz zurückkehrte und dort 2010 „Dolomitenstadt“ ins Leben rief.

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Anton Mattle wird zum Nachfolger vorgeschlagen. Landtagswahl soll auf Herbst vorverlegt werden.

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5 Postings

bergfex

„Hinter mir die Sintflut.“ Sprach’s und nahm die letzte Ausfahrt Richtung Sonnenuntergang.

Den letzten Zug nach nirgendwo.

 
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    senf

    du merkst es wohl nicht mehr, gell?

    ruhig blut!

     
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    SCHWARZER Hannes

    @bergfex: wenn X bleibt ist es nicht recht, wenn X geht auch nicht..... was willst eigentlich, außer Deinen Senf dazugeben ?

     
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hinter dem vorhang

Der Kapitän verlässt das sinkende Schiff zuerst. Wie schon in der Bundesregierung. Es wird noch einiges auf uns zu kommen. Jetzt sind Ehrenmänner bzw. Frauen gefragt in der Politik. Aber die gibt es seit langem nicht mehr. Und mit dem Andreas Hofer können wir uns auch nichts mehr kaufen.

 
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    tauernwind

    "Aber die gibt es seit langem nicht mehr." .......wer war lt. deiner Meinung einer der Ehrenmänner ? Ich stell mir diese Frage oft und waren es wirklich Ehrenmänner oder gab es nur eine andere Informationskultur ?

     
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