Kaum ein Großprojekt hat mehr mit der politischen Karriere der aktuellen Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik zu tun und wurde in der Stadt heißer diskutiert als das Vorhaben, an der Dolomitenkreuzung ein Großkaufhaus zu errichten. Wir bereiten dazu aus aktuellem Anlass ein Dolomitenstadt-Dossier vor.

Der erste Anlauf unter dem Titel M99 brachte vor gut 15 Jahren mehrere wuchtige Entwürfe, mündete in eine politische Schlacht und endete mit dem Konkurs der Südtiroler Projektanten und der Übernahme des Areals aus der Konkursmasse durch die SES Spar European Shopping Centers mit Sitz in Salzburg.
Dieser Konzern spielt in einer völlig anderen Liga als die ursprünglichen Projektbetreiber und genießt auch deutlich höhere Reputation. Zur Einordnung: SES betreibt Shoppingcenter und Malls in Österreich, Slowenien, Norditalien, Ungarn, Kroatien und Tschechien und konnte 2025 beim Umsatz um 2,2 Prozent auf 3,61 Mrd. Euro zulegen. Insgesamt besuchten laut aktueller Bilanz 116 Mio. Menschen die zum Konzern gehörenden Einkaufszentren.
Insgesamt besitzt SES in den genannten Ländern über 871.000 Quadratmeter verpachtete Fläche mit über 1.900 Shops in 28 Einkaufszentren, drei Retailparks und einer gemanagten Einkaufsstraße. Das Unternehmen beschäftigt knapp 450 Menschen und hat seinen Sitz in Salzburg. In Österreich, wo SES Marktführer der Betreiber von Shoppingcentern ist, legte SES beim Umsatz im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro zu.
2025 habe man kräftig investiert, erklärte CEO Christoph Andexlinger kürzlich gegenüber der APA. Insgesamt wickle man gerade Bauprojekte mit einem Gesamtvolumen von rund 138 Mio. Euro ab. Der Sillpark in Innsbruck wird zurzeit erneuert und um einen Gesundheitspark erweitert. Um dieses Segment weiterzuentwickeln, hat SES das Joint Venture TWOmorrow Gesundheit GmbH mit der auf Gesundheitsangebote spezialisierten Vinzenz Gruppe Service geschlossen.
„Wir prüfen weitere Standorte“, sagt Andexlinger, der in regionalen Gesundheitsdienstleistungen eine attraktive Ergänzung für das Angebot in Shoppingcentern sieht. Ob das auch für den Standort in Lienz eine Option wäre, will man vorweg nicht bekanntgeben. Doch auf Nachfrage von dolomitenstadt.at gibt es zumindest einige Rahmendaten für die künftige Nutzung des derzeitigen Parkplatzes an der belebten Dolomitenkreuzung.
„Wir arbeiten derzeit in enger Abstimmung mit der Stadt an einem Projekt mit Tiefgarage, Eurospar im Erdgeschoß und zwei bis drei Obergeschoßen mit multifunktionaler Nutzung. Eine konkrete Baueinreichung ist für Ende 26/Anfang 27 geplant“, erläutert Christoph Andexlinger.
13 Postings
Wenn ich in eine grössere Stadt fahre, dort ein Einkaufszentrum besuche und parke, schlendere ich natürlich auch die Umgebung rundherum ab, wenn sie einladend gestaltet ist. Das ist in Lienz definitiv so. Da sich dieses EKZ sehr nahe an anderen zentralen Lienzer Einkaufsgassen befindet, werden Kunden natürlich auch diese besuchen. Aber ja, die Lienzer Jammerei und Angst vor etwas Neuem. Da baut der "Anda" in der Debant noch 5 weitere Grossobjekte bis in unserem Stadtl etwas passiert. Ein kleiner Tipp an die Verpächter der leerstehenden Immobilien. Mit einer "normalen" Pacht kann man uU seine Objekte wieder zum Leben erwecken.
Ich bin der Meinung das Kaufhaus der Stadt sehr wohl tut wenn es Waren die es in Lienz sonst nicht gibt wie ein Moba Händler und vieles mehr Ciao Walter
Es ist ehrlich gesagt unverständlich, dass man dieses Thema überhaupt noch ernsthaft diskutiert. Wer sich auch nur ein wenig mit der Entwicklung vergleichbarer Städte beschäftigt, weiß genau, wohin solche Einkaufszentren führen: zur schleichenden Verödung der Innenstädte. Zuerst kommt die Euphorie, dann wandern Kaufkraft und Frequenz ab – und zurück bleiben leere Schaufenster, austauschbare Ketten und eine Innenstadt, die ihren Charakter verloren hat. Genau das droht auch Lienz, wenn man diesen Weg einschlägt. Anstatt immer neue Verkaufsflächen am Stadtrand oder in Großprojekten zu schaffen, sollte man endlich beginnen, das Bestehende zu stärken. Eine lebendige Stadt entsteht nicht durch Beton und Konzepte am Reißbrett, sondern durch funktionierende Strukturen, Vielfalt und echte Begegnung. Und ja, auch die Vermieter tragen Verantwortung. Jahrelanger Leerstand bei gleichzeitig unrealistischen Mietvorstellungen ist Teil des Problems. Es braucht endlich die Bereitschaft, sich der Realität anzupassen, anstatt auf Maximalrenditen zu beharren und zuzusehen, wie die Stadt langsam ausblutet. Die eigentliche Frage ist nicht, ob dieses Projekt wirtschaftlich interessant ist – sondern ob wir bereit sind, dafür unsere Innenstadt aufs Spiel zu setzen
Warnung aus Ried im Innkreis — selbe Firma, selbes Versprechen.
Ried im Innkreis: ~12.700 Einwohner, Bezirkshauptstadt, strukturell nahezu deckungsgleich mit Lienz. 2015 eröffnete SES dort die Weberzeile — mit exakt denselben Versprechen, die heute für Lienz kursieren: Belebung, Synergien, keine Gefahr für die Innenstadt. Das Ergebnis: Sechs Monate nach Eröffnung ging das Modehaus Meißl in Insolvenz — ein Betrieb seit 1897, 119 Jahre Stadtgeschichte. Der Geschäftsführer sagte es öffentlich: die Kundenfrequenz in der Innenstadt ist eingebrochen. Die TU Wien widmete dem leer stehenden Meißl-Gebäude eine eigene Masterarbeit als Fallstudie für Innenstadtleerstand. Heute braucht Ried einen mehrjährigen „Agenda-Zukunft"-Prozess, um die Innenstadt zu reparieren. Lienz hat etwas, das Ried nicht mehr hat — und das ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis von Jahrzehnten konsequenter Innenstadtarbeit. Was Stadtmarketing-Chef Oskar Januschke und sein Team über all die Jahre aufgebaut haben — eine funktionierende, lebendige, charakterstarke Innenstadt, die Einheimische wie Touristen gleichermaßen anzieht — ist in Österreich 2026 die Ausnahme, nicht die Regel. Die Kaufkraft im Lienzer Einzugsgebiet ist eine Konstante. Was ins EKZ fließt, fehlt in der Innenstadt. Das ist keine Meinung — das ist Arithmetik, und Ried beweist sie.
Bitte nicht dasselbe Experiment wiederholen und in zehn Jahren fragen, warum es nicht funktioniert hat.
bingo, Lienz hat genau das was viele Städte nicht mehr haben. Eine belebte Innenstadt mit feinen Branchenmix, Kaffeehäusern, Bars, Restaurants, Eisdielen. Fast schon italienisches Flair!!! Das wird so nicht bleiben. Die klassischen SES Geschäfte haben wir eh alle schon da, diese werden dann in der Innenstadt wohl zudrehen... wer glaubt es kommt anderst, schauen wir in 10 Jahren...
Können wir nicht einmal was vorhandenes weiterentwickeln und uns von den anderen differenzieren?? Tragen die Verantwortungsträger unserer Bezirkshauptstadt letztlich AUCH NOCH die Innenstadt zu Grabe und gehen damit endgültig in die Geschichte ein? Let's see!! Habe das ungute Gefühl das es wohl so werden wird.
Hmm und warum werden die Geschäfte auch OHNE EKZ weniger ? Erkärung bitte
Bin der Meinung das es der Stadt gut tun wird weil ja im Zentrum, nicht wie in anderen Städten km entfernt...für die Innenstadt (Hauptplatz usw ) braucht es anderes Konzept...siehe Gastronomie und Gestaltung.
dann fahr mal nach klagenfurt! city-arkarden sind mitten in der stadt... innenstadt trotzdem tot.
hab einige jahre dort gelebt, jetzt wieder in lienz. bekomme in lienz so ziemlich alles was ich in klagenfurt bekomme... charme hat lienz aber ungleich mehr!
@nori, an was denkst, wenn dir a anderes Konzept herbeiwünscht? Soll etwa gar die Stadt die Gastronomie übernehmen?
wie sehr so ein einkaufscenter die innenstädte aussaugt ist an ganz vielen beispielen in österreich ersichtlich.
lienz hat, im vergleich zu diesen städten, so viel mehr charme.
das einkaufscenter wird der stadt mit sicherheit nicht gut tun
So ein schmorn ... Geh mal durch die Stadt . Dort sindü immer und immer mehr leerstehende Geschäfte auch OHNE eines EKZ ... Die Stadt braucht moderen Geschäfte was haben wir in Lienz ... Genau NICHTS. Endlich passiert hier mal was . Das EKZ braucht es , nicht nur für Regionales Einkaufen sondern auch um vlt nicht jede Sache im Internet bestellen zu müssen.
Oha, du warst a no nit in Lienz. A nettes Stadtl, geh mal hin, wirst überrascht sein. Oba die Vorurteile lass bitte daham :-)
was wären denn moderne geschäfte für dich?
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