Der „Schulalltag“ in Zeiten von COVID-19

Aufwachen, frühstücken, fertig machen und dann den Computer einschalten.

Österreichs Schülerinnen und Schüler dürfen sich seit letzter Woche an der neuen Unterrichtsmethode „e-learning“ erfreuen. Dabei kommen gemischte Gefühle auf, erklären mir verschiedene Schülerinnen und Schüler beim Kurzinterview. Den Corona-Maßnahmen entsprechend, haben mich meine Interviewpartnerinnen und -partner über WhatsApp mit verschriftlichten Aussagen und Audiodateien über die Lage der Dinge informiert.

Aufwachen, frühstücken, fertig machen und dann den Computer einschalten. So wird mir der neue Alltag von Schülerinnen und Schülern beschrieben. Als Oberstufenschülerin des BG/BRG Lienz kann ich da nur zustimmend nicken. So läuft es. Anstatt morgens in die Schule zu fahren, fahren wir jetzt eben den PC hoch und aktualisieren Emails, Microsoft Teams, Portaltirol und den Untis Messenger. Wobei letztere anfänglich mit Schwierigkeiten und Überlastung zu kämpfen hatten.

„Der Schulalltag soll bis auf das Fehlen des Schulgebäudes gleichbleiben und auch die Interaktion zwischen Schülern und Lehrpersonen ist gewünscht“, so hieß es am letzten „normalen“ Schultag vor den „Coronaferien“. Die sind allerdings aufgrund der Verschiebung des Unterrichts in die eigenen vier Wände das komplette Gegenteil von Ferien! Denn während man sich sonst mit Freunden treffen würde, muss nun zu Hause geblieben und sozialer Kontakt weitestgehend vermieden werden.

Aber wie läuft dieses „e-learning“ überhaupt ab? Was halten die Schülerinnen und Schüler von den Maßnahmen und wie schaut der neue Alltag ohne Schule und mit reduziertem Sozialkontakt aus?

Fast wie in der Schule – Johanna und Andreas Gradnig büffeln zu Hause. Foto: Privat

Andreas und Gabriel Gradnig sind zwölf Jahre alt, aus Gaimberg und besuchen – derzeit von zu Hause aus – die Unterstufe des Gymnasiums in Lienz. Die Zwillinge haben im Interview mit ihrer 17-jährigen Schwester Johanna, über die neue Situation gesprochen und ihre Eindrücke geteilt. Die Schließung der Schulen sei die richtige Entscheidung gewesen, um der hohen Ansteckungsgefahr, die in einer so großen Schule sicher gegeben wäre, zu entweichen, bestätigen beide. Vormittags würden sie sich gewissenhaft mit den Schulaufgaben beschäftigen, versichern sie, um später nicht hinterher zu hinken. „Am Nachmittag genießen wir dann aber doch lieber die Sonne im Freien, selbstverständlich auf dem eigenen Grundstück und nur mit Familienmitgliedern.“ Wenn der Schulbetrieb wieder regulär laufe, müsse bestimmt vieles nachgeholt und vor allem von nicht so gewissenhaften Schülerinnen und Schülern aufgeholt werden, meinen Andreas und Gabriel.

Auf ausschließlich „Cyber-Homework“ und Onlineunterricht könnten die Gradnigs allerdings gut verzichten und ziehen es vor, mit Freunden im Schulhaus zu büffeln. Dem stimmt auch Johanna zu. Sie besucht die Oberstufe. Die Plattformen seien oft überlastet und es sei einfach nicht dasselbe wie im Normalfall, erzählt sie. „Inzwischen laufen diese Plattformen aber wieder halbwegs gut und man konnte sich bereits einen Überblick verschaffen.“

Der 16-jährige Veit Rainer aus Matrei nützt die zusätzliche „Freizeit“, um sich dem Lesen intensiver zuzuwenden und geht die „Corona-Ferien“ entspannt an. „Musik hören, Filme schauen und Sachen machen, für die man sonst nicht so viel Zeit hat.“ Aber natürlich drückt auch er vormittags die Schulbank zu Hause und erledigt seine Arbeitsaufträge. Auch in Kärnten treffe ich mich im Cyberspace mit Schülerinnen für mehrere Kurzinterviews. Katharina Oppeneiger ist 18 Jahre alt und wohnt in der unter Quarantäne gesetzten Gemeinde Heiligenblut. Sie erzählt mir, wie sie mit den neuen Umständen umgeht und wie ihr Alltag zurzeit aussieht.

„Bis auf die Tatsache, dass wir zu Hause bleiben sollten, und somit nur, wenn es nötig ist ein Geschäft betreten oder in die Apotheke gehen, ist man nicht sonderlich groß eingeschränkt.“ Ihre Zeit verbringt sie wie die meisten Schülerinnen und Schüler mit Schulaufgaben, die ausreichend von den Lehrpersonen bereitgestellt würden, versichert sie.

Ähnlich wie die Schülerin aus Heiligenblut verbringt auch Katharina Weiß aus Berg im Drautal ihre neue „Freizeit“. Die 16-Jährige wohnt am Oberberg, ihre Familie betreibt eine Landwirtschaft. Die Präventionsmaßnahmen seien notwendig, um eine rasche Ausbreitung des Corona-Virus wie in Italien zu vermeiden. Für sie ist die Einschränkung des sozialen Lebens ein bezahlbarer Preis, wenn dadurch Risikopatienten geschützt werden und das Virus im Allgemeinen eingedämmt wird. Die notwendigen Stunden verbringt sie mit Schul- und Hausaufgaben, obwohl die Versuchung, sich anderweitig zu beschäftigen im Eigenheim schon groß sei, gesteht die 16-Jährige. „Mit ein wenig Selbstbeherrschung ist aber auch das zu schaffen und dann bleibt auch Zeit, den restlichen Tag mit den Kindern im Haus und mit unserem Hundewelpen Balu zu spielen.“ Außerdem habe sie nun endlich Zeit, um sich in die Literatur für ihre VWA einzulesen, betont Katharina.

Für Katharina Weiß ist die Einschränkung des sozialen Lebens ein bezahlbarer Preis, wenn dadurch Risikopatienten geschützt werden. Und auch Hundewelpe „Balu“ genießt die Quarantäne sichtlich. Foto: Privat

Unter den diesjährigen Maturanten befindet sich auch Katharinas Schwester Anna Weiß. Für sie und viele andere Maturantinnen und Maturanten ist die Corona-Krise wohl noch ein wenig nervenaufreibender. Momentan herrsche, laut Anna, hauptsächlich Ungewissheit. „Die Termine für die VWA-Präsentationen und die Matura sind nun nicht mehr fix und keiner weiß genau, was die nächsten Tage und Wochen bringen.“ Anna nützt die Zeit, um sich effektiv auf die Matura vorzubereiten:

Der Schulalltag geht also – abgesehen von den örtlichen Veränderungen – im Großen und Ganzen weiterhin in etwa gleich über die Bühne. Den Schülerinnen und Schülern wird Selbstständigkeit und Selbstmotivation abverlangt, ohne diese Eigenschaften kann das „e-learning“ schnell zum „ich mach heut gar nix“ werden. Gewiss ist zurzeit wohl nur, dass wir ausreichend beschäftigt sind und die Schule nicht in Gefahr gerät, vernachlässigt zu werden.


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